Universität Wien
Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

240068 SE VM1 / VM5 - Geopolitik und Geoökonomie im Spiegel der Geschichte (2026S)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Für eine positive Beurteilung der Lehrveranstaltung ist die positive Absolvierung aller Teilleistungen erforderlich.
Im Zuge der Beurteilung kann eine Plagiatssoftware (Turnitin in Moodle) zur Anwendung kommen.
Die Verwendung von KI-Tools (z. B. ChatGPT) für die Produktion von Texten ist nur dann erlaubt, wenn dies von der Lehrveranstaltungsleitung ausdrücklich gestattet oder gefordert wird (z. B. für einzelne Arbeitsaufgaben). Zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis kann die Lehrveranstaltungsleitung eine mündliche Reflexion ('Notenrelevantes Gespräch') der abgegebenen Arbeiten vorsehen, die erfolgreich zu absolvieren ist.
Wurde eine Teilleistung erschlichen, d.h. etwa bei einer Prüfung oder einem Test geschummelt, bei einer schriftlichen Arbeit plagiiert oder auch Unterschriften auf Anwesenheitslisten gefälscht, wird die gesamte Lehrveranstaltung als 'nicht beurteilt' gewertet und entsprechend erfasst

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Freitag 06.03. 11:30 - 14:45 Seminarraum 7, Kolingasse 14-16, OG01
  • Freitag 20.03. 11:30 - 14:45 Seminarraum 7, Kolingasse 14-16, OG01
  • Freitag 17.04. 11:30 - 14:45 Seminarraum 7, Kolingasse 14-16, OG01
  • Freitag 15.05. 11:30 - 14:45 Seminarraum 7, Kolingasse 14-16, OG01
  • Freitag 29.05. 11:30 - 14:45 Seminarraum 7, Kolingasse 14-16, OG01
  • Freitag 19.06. 11:30 - 14:45 Seminarraum 7, Kolingasse 14-16, OG01
  • Freitag 26.06. 11:30 - 14:45 Seminarraum 7, Kolingasse 14-16, OG01

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Geopolitik und Geoökonomie sind Begriffe, die in letzter Zeit – und insbesondere seit Donald Trumps erneuten Amtsantritt als US-amerikanischer Präsident – in Politik, Medien und Wissenschaft eine Renaissance erleben. Meist jedoch werden diese Begrifflichkeiten als Versatzstücke verwendet, ohne sie näher zu definieren oder in den notwendigen historischen Kontext zu rücken. In diesem Seminar analysieren wir deshalb, wie Geopolitik, Geoökonomie und Geographie einander beeinflussen und konzeptionell sowie global- und entwicklungsgeschichtlich eng zusammenhängen. Denn wesentlich für das Verständnis für die Wiederkehr der Großmachtpolitik, dem Denken in Einflusssphären und der Konstruktion von (Groß-)Räumen ist es, die Grundlagen der Geopolitik und der Geoökonomie im 19. Jahrhundert zu verorten und die Kontinuitätslinien des westlichen Kolonialismus und Imperialismus herauszuarbeiten. Doch auch die geopolitischen Ambitionen von Russland und China – sei es gegenüber der Ukraine respektive Taiwan – werden kritisch aufgearbeitet, inklusive ihrer ideologischen und historischen Grundlagen.

Heutige Diskurse rund um die Entstehung von regionalen und globalen ordnungspolitischen Systemen, Neokolonialismus, Landgrabbing, zivilen Widerstand, aber auch lokale Anpassungsstrategien gegen ausbeuterische Systeme sind keine neu entstandenen Herausforderungen, sondern haben ihre Wurzeln je nach Diskurs mehr oder weniger tief in der Geschichte situiert. Gehen wir an die Wurzeln heutiger Konflikte, etwa um den Zugang zu seltenen Erden und anderen kritischen Ressourcen (etwa in der Ukraine, in Grönland oder der Demokratischen Republik Kongo), kommen wir zu Ereignissen(ketten) wie dem „Great Game“ in Asien oder dem „Scramble for Africa“ mit der Kulmination an der Berliner Kongokonferenz 1884/85.

Im Sinne eines breiten geopolitischen und geoökonomischen Ansatzes wird neben staatlichen Akteuren auch der Einfluss transnationaler Wirtschaftskonzerne untersucht. Dabei werden Parallelen zwischen der britischen und der niederländischen Ostindien-Handelskompanie und heutigen multinationalen Konzernen wie Apple, Exxon Mobile oder Nestle herausgearbeitet. Dieses Thema bewegt sich zusätzlich im Spannungsfeld der Themenfelder Globalisierung und Umwelt. Es ermöglicht eine kritische Reflexion, wie hoch die Unabhängigkeit und wie groß der Einfluss von kleineren Staaten und Mittelmächten sowie der Zivilgesellschaft in einer von Großmachtpolitik und Großkonzernen geprägten Weltordnung ist.

Methodik
Das Seminar will eine Brücke schlagen zwischen der aktuellen Geopolitik und Geoökonomie zu deren Wurzeln im 19. Jahrhundert. Um die entsprechenden Lernziele zu erreichen, werden verschiedene Methoden angewandt. Nach einer ausführlichen Einführung durch die LV-Leiter wird in den beiden ersten Einheiten von den Studierenden vorbereitete historische wie zeitgenössische Theorien im Plenum kritisch besprochen. Kritisch diskutiert wird die mangelnde Repräsentation weiblicher und indigener Stimmen, wie sie die Kritische Geopolitik zu Recht bemängelt. Ab der dritten Einheit werden zusätzlich zur gemeinsamen Literaturbesprechung historische wie aktuelle Fallbeispiele in Form angeleiteter Mini-Simulationen durchgespielt, um systemische Kontinuitäten wie Brüche aufzuzeigen, und anschließend reflektiert. Mögliche Beispiele für das Bestreben, Territorien, Seerouten und Handelswege zu kontrollieren, sind der Suez- und Panama-Kanal, die Ukraine, das Südchinesische Meer oder die Ausbeutung kritischer Rohstoffe in Lateinamerika, Afrika oder der Arktis.

Die Methoden sind bewusst vielfältig und interaktiv:
*Team-Teaching auf der Lehrenden-Ebene
*Team-basierter Lernprozess innerhalb der LV
*teilweise problem-based learning der Studierenden
*Anwendung der Methode Simulation (gesteigerte Interaktion mit den Studierenden, Verknüpfung von Theorie und Praxis, Perspektivenwechsel, Bewusstwerdung von historischen EreigniskettenStärkung von persönlichen und berufsrelevanten Fähigkeiten).

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Seminar-Sprache ist Deutsch. Wir erwarten Engagement im Rahmen der Lehrveranstaltung die Bereitschaft für intensive interaktive Gruppenprozesse sowie ein Interesse und eine Neugierde für diplomatische und globale Prozesse.

Im Rahmen dieses Seminars erstellen die Studierenden verschiedene mündliche und schriftliche Beiträge (insgesamt mindestens 15 Seiten bzw. 40.000 Zeichen). Ein zu Semesterbeginn eingeführtes transparentes Punktesystem gewährleistet eine präzise Bewertung. Die schriftlichen Arbeiten, die mündliche Partizipation und die Leistungen bei den Simulationen bestimmen die Endnote. Es findet keine schriftliche Abschlussprüfung statt. Es besteht Anwesenheitspflicht bei sämtlichen Einheiten.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Ziele und Lernergebnisse
In dieser LV geht es darum, die historische Dimension aktueller geopolitischer und geoökonomischer Strategien zu erkennen, und die Studierenden dazu zu befähigen, Probleme der Gegenwart dadurch besser aufzeigen zu können, darunter die historischen Ursachen für großflächige ökologische Veränderungen. Denn das heutige wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Ungleichgewicht hat bedeutungsvolle Wurzeln in der Geschichte, und diese werden in dieser LV aufgezeigt.

Weitere wichtige Lernergebnisse sind:
# Historische und systemische Analysekompetenz, inklusive kritischer Reflexion von Primärquellen: Bis zum Ende des Semesters sind die Studierenden in der Lage, mindestens drei zentrale systemische Zusammenhänge zwischen geopolitischen und geoökonomischen Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert zu identifizieren, zu erklären und anhand konkreter historischer Fallbeispiele (z. B. Scramble for Africa, Great Game) kritisch zu analysieren.

# Kritische Reflexion aktueller geopolitischer Diskurse: Nach Abschluss der Lehrveranstaltung können die Studierenden geopolitische und geoökonomische Herausforderungen (z. B. Neokolonialismus, Landgrabbing, multipolare Systeme) in ihren historischen Wurzeln verorten und deren systemische Kontinuitäten oder Brüche in einem wissenschaftlich fundierten Essay (15 Seiten oder 40.000 Zeichen) kompetent darstellen.

# Methodische und wissenschaftliche Kompetenz: Bis zur letzten Kurseinheit wenden die Studierenden mindestens zwei wissenschaftliche Methoden zur Bearbeitung primärer Quellen an und zeigen ihre Fähigkeit zum wissenschaftlichen Schreiben in einer Abschlussarbeit.

# Kooperative und reflexive Anwendungskompetenz: Im Rahmen einer Simulation sind die Studierenden in der Lage, in Teams systemische Verbindungen zwischen historischen Entwicklungen und heutigen globalen ökologischen, ökonomischen und politischen Ungleichgewichten herauszuarbeiten, zu reflektieren und evidenzbasiert zu präsentieren.

Prüfungsstoff

Siehe Art der Leistungskontrolle

Literatur

Eine Liste mit weiterführender Literatur wird zu Beginn des Kurses auf Moodle bereitgestellt. Sie umfasst unter anderem folgende Werke:

Dalby, Simon, Routledge, Paul, and Tuathail, Gearóid Ó (2006): The Geopolitics Reader. London: Routledge.
Flint, Colin (2021): Introduction to Geopolitics. London: Routledge.
Koopman, Sara, Simon Dalby, Nick Megoran, Jo Sharp, Gerry Kearns, Rachael Squire, Alex Jeffrey, Vicki Squire, and Gerard Toal (2021): “Critical Geopolitics/critical geopolitics 25 years on.“ Political Geography, 90, https://doi.org/10.1016/j.polgeo.2021.102421.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

VM1; VM5
MA JAP: M6, MA KOR: M2

Letzte Änderung: Sa 28.02.2026 11:07