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240145 FS FM2 - Forschungsseminar (Teil 2) - Umsetzung (2020W)

Generationen ungleicher Bildungswege

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
BDG

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 20 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 05.10. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 12.10. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 19.10. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 09.11. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 16.11. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 23.11. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 30.11. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 07.12. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 14.12. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 11.01. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 18.01. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 25.01. 17:15 - 20:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ziele

Die Studierenden entwerfen in Forschungsgruppen unter Bezugnahme auf Konzepte der sozialen Ungleichheit, Bildungssoziologie und Transgenerationalität eine eigenständige, transdisziplinäre qualitative Forschung und bringen diese in ein durchführungsreifes Stadium. In diesem Prozess werden die spezifischen Möglichkeiten qualitativer Forschung ebenso wie das Konzept der Transdisziplinarität (Td) reflektiert.
In Stichworten zusammengefasst: Entwurf eines Forschungsprojektes, Stärkung der Fähigkeit zur Konzipierung eigener Forschungsvorhaben, Reflexionsfähigkeit zu Forschungsprojekten mit kritischem Anspruch, selbstreflektiertes Lernen der Studierenden.

Inhalt

Der französische Soziologe und Bourdieu-Schüler Didier Eribon schlug mit seiner autobiographischen Untersuchung "Rückkehr nach Reims" hohe Wellen. In seinem Buch zeigte er auf, welchen Schwierigkeiten der soziale Aufstieg trotz hoher Bildung aus der Arbeiterklasse weiterhin unterworfen ist - und wie dies rechten Tendenzen Vorschub leistet. Dem gegenüber steht das Versprechen von fairen Bildungschancen und geöffneten Zugängen für alle, das im Europa der Nachkriegszeit breit getragen wurde und bis heute international bekräftigt wird, nicht zuletzt im Rahmen der Sustainable Development Goals. Es scheint allerdings, dass Bildungswege weiterhin von starker sozialer Ungleichheit geprägt sind, weil soziale Beharrungskräfte stärker sind als meritokratische Versprechungen, und dies im globalen Norden wie auch im globalen Süden.

Aus Sicht der kritischen Sozialwissenschaften gilt Bildung als ungleich verteiltes Gut. Sowohl innernational, innereuropäisch, als auch im Nord-Süd-Verhältnis sind Zugänge zur Bildung wie auch Chancen innerhalb des Bildungssystems so verteilt, dass Bildung nur selten eine Verbesserung der sozialen Situation erlaubt, wenn sie nicht sogar zur Verschärfung von Ungleichheiten beiträgt.

Andererseits aber soll und darf Bildung als Prozess der persönlichen Selbstbestimmung und Subjektformation auch ungleich sein; Uniformität und Zweckorientierung untergraben den emanzipatorischen Charakter von Bildung. Ungleichheit im Sinne von Differenzierung ist Voraussetzung für Freiheit und zur Ermächtigung, den eigenen Weg zu gehen.

Mit dieser doppelten Aporie der Bildung wird sich dieses Forschungsseminar befassen. Konkret gehen wir von der durch quantitative Forschung dokumentierten Situation der Bildungsungleichheit auf globaler Ebene aus (UNESCO, PISA, PIRLS und andere Studien), um uns ausgewählten Differenzkategorien und sozialen Gruppen zu widmen. Besonderes Augenmerk wird hier auf die "Vererbung" von Bildung gelegt, also auf die transgenerationelle Weitergabe von sozialem, kulturellen und ökonomischen Kapital. Hierbei wird auf die Arbeiten Pierre Bourdieus rekurriert.

Transgenerationellen Bildungsmustern und -aspirationen soll in weiterer Folge mit Methoden qualitativer Sozialforschung nachgegangen werden: Neben der Analyse von Dokumenten und Selbstzeugnissen stehen Beobachtungen und Interviews, ev. auch Arbeit mit Methoden der generativen Bildarbeit sowie der szenischen Forschung, die in einen sinnvollen Methodenmix gebracht werden. Die Methodologie ist geprägt von den Ansätze Paulo Freires, bei denen die Frage nach Unterdrückungsverhältnissen wie auch Befreiungspotentialen leitend ist.

Damit sollen individuelle wie gruppenspezifische Bildungswege nachgezeichnet werden. Wir folgen dabei den Reflexionswegen von Didier Eribon sowie Annie Ernaux, individuelle Biographien mit strukturellen Kräften zusammen zu denken. Mitunter führen diese Recherchen zurück in "fremde" Herkunftsmilieus oder Fluchtgebiete im Globalen Süden, damit auch zur Befassung mit Bildungspolitiken im Herkunftskontext.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Methoden und Voraussetzungen zum Erwerb eines Zeugnisses

Die Methodologie der LV folgt einer "hermeneutischen Doppelhelix":

1. Strukturierte und schrittweise Erarbeitung und Entwicklung von Verfahren der qualitativen Sozialforschung im Methodenmix; begleitend dazu

2. Selbstreflexion und Forschungssupervision. Regelmäßige Reflexionssitzungen, Forschungstagebuch, individuelle Literaturlektüre und Recherche, Inputs und Präsentationen der Studierenden.

Konkret werden folgen Aspekte in die Leistungsbeurteilung einfließen:

1. Anwesenheitspflicht (max. 30% Ausnahme - auf Präsenzzeit umgelegt, nicht auf Anzahl der Einheiten)

2. Vorbereitung und gemeinsame Diskussion der kollektiven Grundlagenlektüre; regelmäßige Abgaben kleinerer Aufgaben zur Textreflexion

3. Führung und monatliche Abgabe eines Forschungstagebuchs

4. Präsentation und Diskussion der Forschungs- und Gruppenarbeitsprozesse in der Lehr-veranstaltung

5. Umsetzung des Forschungsdesigns, das in Gruppenarbeit und, soweit möglich und sinnvoll, in Zusammenarbeit mit den PraxispartnerInnen im Verlauf des SoSe 2020 erstellt wurde.

6. Verfassen eines (prozessorientieren) Abschlussberichtes. Abgabe: Ende Februar 2021

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Gewichtung

Punkte Prozent Aufgabe
1. 4 x 20 25% 4 Forschungstagebücher
2. 10 x 20 25% Lektürearbeit sowie Mitarbeit an gemeinsamen Diskussionen und
3. 2 x 20 15% Präsentation und Diskussion des Forschungsprozesses in der Lehrveranstaltung
4. 3 x 20 35% Forschungsbericht (siehe genauere Anforderungen dazu weiter unten)
Summe: 380 Punkte 100%

Alle Leistungen werden auf jeweils 100 Punkte bewertet. Notenschlüssel:
0 – 50 Punkte = Nicht Genügend
51 – 60 Punkte = Genügend
61 – 70 Punkte = Befriedigend
71 – 80 Punkte = Gut
81 – 100 Punkte = Sehr Gut

Prüfungsstoff

Literatur

Gemeinsame Lektüre:

1. Brandner, Vera/Vilsmaier, Ulli (2014): Das Bild der Anderen erforschen. In: Englert, Birgit/Dannecker, Petra (Hg.): Qualitative Methoden in der Entwicklungsforschung. Wien: Mandelbaum. S. 197-214.

2. Dannecker, Petra/Vossemer, Christiane (2014): Qualitative Interviews in der Entwicklungsforschung. Typen und Herausforderungen. In: Englert, Birgit/Dannecker, Petra (Hg.): Qualitative Methoden in der Entwicklungsforschung. Wien: Mandelbaum. S. 153-175.

3. Deutschmann, Anna (2014): Inhaltsanalysen. Qualitative Verfahren der Textanalyse und Textinterpretation. In: Englert, Birgit/Dannecker, Petra (Hg.): Qualitative Methoden in der Entwicklungsforschung. Wien: Mandelbaum. S. 94-110.

4. Englert, Birgit/Dannecker, Petra (2014): Praktische und ethische Aspekte der Feldforschung. In: dies. (Hg.): Qualitative Methoden in der Entwicklungsforschung. Wien: Mandelbaum. S. 233-265.

5. Groß, Barbara (2017): [Auszug (Methodenteil) aus der MA-Thesis] Fair gehandelte Lebensmittel als Form nachhaltigen Konsums – Relevanz und Einschätzungen von politischen Akteur_innen in Österreich. Masterarbeit Univ. Wien. 2017.

6. Raule, Linda (2020): [JEP-Beitrag Theaterarbeit ....] In: JEP XXXVII (3) 2020; im Erscheinen

7. John, Clara (2020): Dialogue through, with and by pictures - Exploring the human-world relationsship with Generative Picturing. In: JEP XXXVII (3) 2020; im Erscheinen

8. John, Clara (2018): Analytischer Kurswechsel. In: dies., Partizipation als Forschungspraxis – Theoretische Impulse aus einem Forschungsprojekt mit Schüler_innen. MA-Thesis Univ. Wien 2018, S. 45-49.

9. Lueger, Manfred (2000): Phasen der Analyse flüchtigen Materials. In: ders., Grundlagen qualitativer Feldforschung. Methodologie, Organisierung, Materialanalyse. Wien: WUV 2000. 121-136.

10. Magenau, Laura (2014): [Auszug (Methodenteil) aus der Diplomarbeit] Panchayati Raj: Ein Weg zu sozialer Gerechtigkeit? Potentiale und Probleme von Lokaler Demokratischer Selbstregierung als entwicklungspolitische Strategie, anhand der Lebenswelten von Frauen im ländlichen Indien.

11. Paulo Freire Zentrum (o.J., Hg.): tool-kit "Interview-Auswertung". http://ungleichevielfalt.at/documents/TK/toolkit_3_Auswertung.pdf (10.3.2019)

12. Thompson, James (2003): Theatre Action Research: A Democracy of the Ground. In: ders., Applied Theatre. Bewilderment and Beyond. Oxford: Peter Lang. S. 121-146.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

FM2

Letzte Änderung: Mi 21.04.2021 11:27