Universität Wien FIND

350049 SE+EX Österreichs katholische Kirche seit 1945 (2005S)

Österreichs katholische Kirche seit 1945 zwischen Aufbrüchen und Ernüchterungen - eine regionale Spurensuche im "Gedankenjahr'" der Republik (Mariazell, Seckau, Graz)

0.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 1 - Katholische Theologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

- Informationsveranstaltung: Mittwoch, 13. April 2005, 14-16 Uhr, Schottenring 21, Seminar-Raum 4. Stock
- Vorbereitungstag (Gestaltung: Frankl, Hold, Klieber): Freitag, 20. Mai 2005, 9-18 Uhr, Schottenring 21, Seminar-Raum 4. Stock
- Exkursion nach Mariazell-Seckau-Graz (Gestaltung: Frankl, Hold, Klieber; dazu: Dr. Johannes Rauchenberger, Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten, Graz) von Donnerstag 2. bis Freitag 3. Juni 2005

Details

Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine

Zur Zeit sind keine Termine bekannt.

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Lehrveranstaltung nimmt das "Gedankenjahr 2005" (für 60 Jahre Kriegsende, 50 Jahre Staatsvertrag, 10 Jahre EU-Mitgliedschaft) zum Anlass, den Weg der katholischen Kirche Österreichs in den letzten Jahrzehnten nachzuzeichnen und ihren Part in der Gestaltung der Nachkriegs-Gesellschaft zu reflektieren. Weitgehend unbelastet von den politischen Verstrickungen der zurückliegenden Jahrzehnte und unter Führung gesellschaftlich anerkannter Persönlichkeiten (u.a. die Bischöfe Rohracher/Salzburg und König/Wien) erfolgten optimistische Aufbrüche in Richtung einer christlichen Durchdringung der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Landes; sie mündeten in die zügige Umsetzung von Impulsen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Vor dem Hintergrund epochaler gesellschaftlicher Umwälzungen (Etablierung einer Konsum- und Erlebnisgesellschaft) folgten Phasen der offenkundigen Ermattung dieses kirchlichen Impetus und eines teilweise schmerzlichen Ringens um die eigene Identität und um die adäquaten Antworten auf den erstarkenden gesellschaftlichen Gegenwind.
Am Beispiel "sprechender Kirchenbauten" der Region Steiermark will die Exkursion einige Weichenstellungen und Grundstimmungen der österreichischen Kirchengeschichte nach 1945 veranschaulichen und nachfühlbar machen: mit Mariazell und seinem Manifest für eine "Freie Kirche in einer freien Gesellschaft" sowie als Fokus heimischer Volks- und "Staatsreligiosität"; mit Seckau als Musterbeispiel der nachkonziliaren Umgestaltung alter Liturgieräume und als Zeugnis eines exemplarischen Dialogs mit der Neuen Kunst; mit einigen aussagekräftigen Kirchenbauten der Stadt Graz. Dem Erlebnis-Charakter der Exkursion soll auch der pilgergemäße Anmarsch auf Mariazell sowie ein dort geführtes Gespräch mit Zeitzeugen dienen. Die Exkursion wird durch eine eintägig geblockte Einführung vorbereitet, in deren Rahmen eventuell die Jubiläums-Ausstellung der Republik im Belvedere bzw. die Dokumentation in der Wiener Stephans-Kirche besucht werden wird.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Veranstaltung strebt nach einer gebündelten Hinführung an die relevanten theoretischen und praktischen Aspekte des Themenfeldes im Rahmen des Vorbereitungstages (z.B. weltliche und kirchliche Traditionen des "Jubilierens"; Stärken und Tücken von Oral History; verantwortlicher Umgang mit historischen Kernbegriffen wie Aufbruch, Krise etc.; kompakter Überblick zur Geschichte der österreichischen Gesellschaft und Kirche nach 1945). Die Ex-kursion versucht die durch Vortrag und Lektüre erworbenen Kenntnisse um das "sinnliche Erleben" zu ergänzen, indem sie Zeugnisse der österreichischen Nachkriegs- und Kirchengeschichte exemplarisch aufschlüsselt. Die Veranstaltung will beitragen zu einem historiographisch redlichen und ganzheitlichen Bild der jüngeren Vergangenheit jener Großgruppen, in welche die meisten der Teilnehmenden hineingeboren wurden und die sie staatsbürgerlich bzw. spirituell beheimaten.

Prüfungsstoff

Wechsel von Vorträgen aller Lehrenden des Instituts (Frankl, Hold, Klieber; für den kunstgeschichtlichen Teil in Graz Johannes Rauchenberger), Gruppenarbeiten und Ausstellungsbesuch im geblockten Einführungsteil; Informationsimpulse, Zeitzeugengespräche und ¿sinnliches Erleben' im Verlauf der Exkursion (im Anmarsch auf Mariazell, durch Besuch und Erschließen zeitgenössischer Kirchenbauten).

Literatur

- Kirche in Österreich 1918-1965, hg. v. Ferdinand Klostermann, Gesamtredaktion Erika Weinzierl, Wien-München 1966
- Karl Amon, Kirchengeschichte der Steiermark, Graz 1993
- Fritz Csoklich u.a., ReVisionen. Katholische Kirche in der Zweiten Republik, Graz-Wien-Köln 1996; darin besonders der Beitrag:
Karl Heinz Frankl, Die katholische Kirche in Österreich von 1945 bis 1995 - die Geschichte einer Erschöpfung?, in: Fritz Csoklich, s.o.
- Ernst Hanisch, Der lange Schatten des Staates. Österreichs Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert, [Österreichs Geschichte 1890-1990, hg.v. Herwig Wolfram], Wien 1994


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:58