Universität Wien
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420001 SE Common Sense. Zur Topik und Fragwüdigkeit des Selbstverständlichen (2026W)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

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Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Dienstag 20.10. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9
  • Dienstag 27.10. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9
  • Dienstag 03.11. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9
  • Dienstag 10.11. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9
  • Dienstag 17.11. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9
  • Dienstag 24.11. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9
  • Dienstag 01.12. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9
  • Dienstag 15.12. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9
  • Dienstag 12.01. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9
  • Dienstag 19.01. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9
  • Dienstag 26.01. 18:30 - 20:00 Seminarraum I Germanistik Hauptgebäude, 1.Zwischengeschoß, Stiege 7a über Stiege 9

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Was liegt näher, als sich auf den ‚gesunden Menschenverstand‘ zu berufen, wenn eine Meinungsverschiedenheit unauflöslich oder eine Position schwer zu begründen scheint? Als Maßstab richtigen Regierens, als Rückgrat des vermeintlichen Volkswillens oder als Waffe gegen die ‚Eliten‘ hat er seit einigen Jahren wieder Konjunktur. Gerade deshalb soll ihn das Seminar nicht als Erklärungsgrund verstehen, sondern vielmehr als Anlass zur Befragung; Was hat ihn zum Medium des Fraglosen und Selbstverständlichen werden lassen? Wem wird er als bon sens oder ‚Hausverstand‘ zugesprochen, wem aberkannt? Und mit welchen rhetorischen, darstellerischen oder medialen Verfahren wird jenes Organ oder Vermögen allererst hergestellt, dessen (Vor-)Gegebenheit für seine Geltung zeugt?
Zunächst soll das Seminar herausarbeiten, wie wenig gemeingültig dieser Gemeinsinn schon begriffsgeschichtlich ist, indem es drei unterschiedliche Register dieses Konzepts auseinanderhält: den ‚gesunden Menschenverstand‘ der deutschen Popularphilosophie im 18. Jahrhundert; den common sense der angelsächsischen Tradition, mit welchem man den Skeptizismus einzuhegen und zugleich einen politischen Kampfbegriff bereitzustellen versuchte; und den sensus communis, der von Aristoteles bis Kant ein Wahrnehmungsvermögen so sehr wie ein soziales Gefühl und eine Urteilsform benannte.
In der Hauptsache sollen dann die poetologischen Dimensionen des Konzepts ein Thema sein: der common sense als Resonanzbezirk rhetorischer oder ideologischer Topiken; als Garant von Evidenz und Rekognition, wie er sich etwa in Sprichworten und Sentenzen artikuliert; oder als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner und Goldstandard in der Poetik des Realismus, der (wie etwa bei Fontane) die bessere Gesellschaft als Verkörperungen des Gemeinsinns auftreten lässt, als deren Kehrseite aber (wie z.B. bei Flaubert) Spießbürger und Randständige, Dummheit und diverse ‚idées reçues‘.
Zu guter Letzt wird der common sense zu untersuchen sein, wie er von McCarthys Programs with Common Sense (1959) bis hin zu den großen Sprachmodellen der Gegenwart als verbindlicher Bezugshorizont und zugleich als letzte Grenze maschineller Intelligenz erscheint. Realisiert ein auf statistische Erwartbarkeit optimiertes Verfahren nicht eben jene doxa, gegen die Philosophie, Literatur und Kunst von jeher angetreten sind? Und was heißt es für die ‚Künstliche Intelligenz‘, wenn der Gemeinplatz zu ihrem wichtigsten Trainingsdatum wird? Die letzten Sitzungen des Seminars bleiben der Präsentation einzelner Dissertationen vorbehalten, ob diese an sein Oberthema anschließen oder nicht.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

– Inputs und Präsentationen im Seminar
– KI nur zur Vor- und Nachbereitung

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

– regelmäßige und aktive Teilnahme
– Vorbereitung entsprechend des Arbeitsplans
– Impulsreferat bzw. Teilnahme in Expertengruppe mit Diskussionsleitung oder Präsentation des eigenen Dissertationsvorhabens

Prüfungsstoff

Seminarplan

Literatur

Zur ersten Orientierung: Rosenfeld, Sophia. Common Sense. A Political History. Cambridge, MA/London 2011.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mi 26.08.2026 09:28