Universität Wien
Warning! The directory is not yet complete and will be amended until the beginning of the term.

135812 SE MA-SE: Japanese folk tales in Western languages (2025W)

from romanticization and orientalization to contemporary global pop culture

Continuous assessment of course work

Registration/Deregistration

Note: The time of your registration within the registration period has no effect on the allocation of places (no first come, first served).

Details

max. 25 participants
Language: German

Lecturers

Classes (iCal) - next class is marked with N

  • Monday 06.10. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 13.10. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 20.10. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 27.10. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 03.11. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 10.11. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 24.11. 08:30 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 01.12. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 15.12. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 12.01. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 19.01. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG
  • Monday 26.01. 10:00 - 11:30 Seminarraum 8 Sensengasse 3a 5.OG

Information

Aims, contents and method of the course

Im Seminar werden mehrere Sammlungen japanischer volkstümlicher Erzählungen (in englischer oder deutscher Übersetzung, auf Wunsch auch in anderen Sprachen) mit komparatistischen Methoden analysiert. Am Beispiel dieser Textsammlungen kann die Konstruktion und Vermittlung einer als ‚anders‘ erfahrenen Kultur im historischen Kontext allgemeiner Popularisierung von Volksdichtungen zur Nationenbildung nachvollzogen werden; dabei werden u.a. Verfahren der vergleichenden Märchenforschung eingeübt, und es wird der Zusammenhang von ‚Volksdichtung‘ und ihren vielfältigen Adaptionen in den verschiedenen Medien der jüngeren und zeitgenössischen Populärkultur untersucht.

Schon bald nach der erzwungenen zweiten Öffnung Japans 1853/54 und der Wiederaufnahme japanisch-europäischer Beziehungen wurden japanische volkstümliche Erzählungen in Anthologien oder seriellen Formaten auf Englisch und in anderen Sprachen publiziert und damit das Bild Japans in Europa und Nordamerika maßgeblich geprägt. Das Spektrum der dabei auf Japan applizierten Perspektiven reicht von der Romantisierung und Orientalisierung japanischer Geschichte und traditioneller Kultur bis zur nationalen Stereotypenbildung. Im Vergleich mit dem Nachleben derselben Erzählungen in verschiedenen Medien und Formaten in der zeitgenössischen Populärkultur erscheinen die in den gesammelten Texten festgeschriebenen traditionellen Muster, die heute global präsent sind, eher de-nationalisiert.

Weite Verbreitung fanden um die Jahrhundertwende vor allem die Zusammenstellungen von A.B.Mitford: Tales Of Old Japan (1871; enthält u.a. „47 Ronin“), Hasegawa Takejirō (Einzelbände ab 1885) und Lafcadio Hearn: Japanese Fairy Tales (1898), Kwaidan: Stories and Studies of Strange Things (1904), sowie von Y.Th.Ozaki: The Japanese Fairy Book (1903). Die Japanbücher von Hearn wurden von der Wienerin Berta Franzos ins Deutsche übersetzt und erschienen seit 1905 in mehreren Bänden und vielen Auflagen, meist gestaltet von dem Jugendstilkünstler Emil Orlik, der 1900/01 selbst in Japan gewesen war. Weitere deutschsprachige Sammlungen besorgten die in Japan basierten Wissenschaftler David Brauns: Japanische Märchen und Sagen (1885), Karl Alberti [Karl Albrecht Heise]: Japanische Märchen. Ein Slg. der schönsten Märchen, Sagen und Fabeln für die deutsche Jugend (1913), sowie Friedrich Rumpf: Japanische Volksmärchen (1938).
Die genannten Bücher sollen zunächst als Sammlungen evaluiert werden im Bezug auf die Auswahl, Übersetzung und Kontextualisierung der in ihnen präsentierten Texte. In einem zweiten Schritt werden die bei diesen Analysen ermittelteten ‚Basistexte‘ japanischer volkstümlicher Literatur verglichen mit entsprechenden Basistexten des euroasiatischen Kulturraums vom Panchatantra bis zu Äsop und der neuzeitlichen Märchenliteratur von G.Basile und La Fontaine bis Grimm einerseits; andererseits werden, dem strukturalistischen Ansatz von Claude Lévi-Strauss folgend, Parallelen zu traditionellen volkstümlichen Erzählungen in einem globalen Kontext gesucht (vgl. u.a. L’autre face de la lune. Écrits sur le Japon., 2011; dt. Übers. Die andere Seite des Mondes: Schriften über Japan , 2012). Im dritten Teil des Seminars wird diskutiert, in welcher Weise Figuren, Stoffe und Motive der japanischen Volkserzählungen in der zeitgenössischen globalen Popkultur wieder aufgenommen und transformiert werden (Manga, Anime, Computerspiele etc.).
Im Seminar werden genaue vergleichende Textlektüren eingeübt, ein Verständnis für die historisch und kulturell bedingte Kontextualisierung der anthologisierten Texte erarbeitet, ein Bewusstsein geschaffen für die transnationale Wirksamkeit sogenannter Volksliteratur sowie Formen und Funktionen des ‚Nachlebens‘ traditioneller literarischer Muster in neuen Medien diskutiert. Dabei kommen Ansätze und Methoden des close reading, der Märchenforschung (V.Propp), der Diskursanalyse, sowie des Postkolonialismus, der gender studies und der Transmedialitätsforschung zur Anwendung.

Assessment and permitted materials

Die TeilnehmerInnen müssen (einzeln oder in Gruppen) unter Anleitung zu jedem der drei Teile des Seminars jeweils einen mündlichen Beitrag leisten (Präsentation im Plenum):
1. Sie müssen eine Anthologie oder Serie japanischer Volksdichtung in Übersetzung genau evaluieren.
2. Sie müssen einen Text oder ein signifikantes japanisches Modell mit einem entsprechenden nicht-japanischen Text/Modell vergleichen.
3. Sie müssen Spuren der evaluierten Texte in der modernen Gegenwartsliteratur respektive in anderen Medien zeitgenössischer Populärkultur aufzeigen.
4. Sie müssen über ihre Arbeit einen kurzen schriftlichen Bericht abfassen (max. 3000 Wörter)

Minimum requirements and assessment criteria

Für eine erfolgreiche Teilnahme müssen alle vier Aufgaben erfüllt werden.
Note 1: Sachlich und sprachlich komplexe sowie formal einwandfreie Darstellung unter Berücksichtigung einer größeren Anzahl an Titeln aus der einschlägigen Forschungsliteratur. Innovative Eigenleistung
Note 2: Sachlich und sprachlich elaborierte sowie formal einwandfreie Darstellung unter Berücksichtigung einer angemessen Anzahl an Titeln aus der einschlägigen Forschungsliteratur.
Note 3: Sachlich und sprachlich angemessene sowie formal einwandfreie Darstellung unter Berücksichtigung der einschlägigen Forschungsliteratur.
Note 4: Sachlich und formal korrekte Darstellung unter Berücksichtigung einiger Titel aus der einschlägigen Forschungsliteratur.

Examination topics

Der gesamte im Seminar zur Diskussion stehende Stoff ist Gegenstand der Prüfungsleistung, die im Rahmen der o.g. Aufgaben erbracht wird.

Reading list

A.B.Mitford: Tales Of Old Japan (1871)
Hasegawa Takejirō (Einzelbände ab 1885, vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Hasegawa_Takejir%C5%8D)
Lafcadio Hearn: Japanese Fairy Tales (1898);
Lafcadio Hearn: Kwaidan: Stories and Studies of Strange Things (1904); Kwaidan. Seltsame Geschichten und Studien aus Japan. Übersetzung Berta Franzos (1909)
Y.Th.Ozaki: The Japanese Fairy Book (1903)

David Brauns: Japanische Märchen und Sagen (1885)
Karl Alberti: Japanische Märchen. Ein Slg. der schönsten Märchen, Sagen und Fabeln für die deutsche Jugend (1913)
Friedrich Rumpf: Japanische Volksmärchen (1938)

Vladimir Propp: Morphologie des Märchens (1928; dt. 1972); Die historischen Wurzeln des Zaubermärchens (1946; dt. 1987).

Claude Lévi-Strauss: L’autre face de la lune. Écrits sur le Japon (2011; dt. Übers. Die andere Seite des Mondes: Schriften über Japan, 2012).

(eine ausführliche Literaturliste folgt noch)

Association in the course directory

MA M1

Last modified: Mo 27.07.2026 09:26