Universität Wien FIND

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010016 FS Die Auslegung des Alten Testaments im Mittelalter (2012W)

6.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 1 - Katholische Theologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

MI 17.10.2012 16.15-17.45 Hörsaal 2 Schenkenstraße 8-10 5.OG
MI 24.10.2012 16.15-17.45 Hörsaal 2 Schenkenstraße 8-10 5.OG
MI 14.11.2012 16.15-17.45 Hörsaal 3 Schenkenstraße 8-10
MI 21.11.2012 16.15-17.45 Seminarraum 2 (Kath) Schenkenstraße EG
MI 28.11.2012 16.15-17.45 Seminarraum 2 (Kath) Schenkenstraße EG
MI 05.12.2012 18.30-20.00 Seminarraum 1 (Kath) Schenkenstraße EG

Das Seminar findet als Blockveranstaltung statt. Integraler Bestandteil des Seminars ist die verpflichtende Teilnahme an der Fachtagung "Hieronymus als Exeget und Theologe", die vom 08.11.2012 (18.00 Uhr) bis 10.11.2012 (18:00 Uhr) in Wien (Dekanat, Sitzungssaal) stattfindet.

An/Abmeldung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine

Zur Zeit sind keine Termine bekannt.

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

In der Frage nach einer angemessenen Hermeneutik für das Verständnis der Bücher des Alten Bundes blickt die zeitgenössische exegetische Wissenschaft neu und unvoreingenommen auf die Prinzipien und Praxis vormoderner Formen von Schriftauslegung, umso mehr als der Geltungsanspruch einer historisch-kritischen Exegese an seine Grenzen stößt. Nicht nur die sog. Kanonische Exegese, sondern auch die theologische Rehabilitierung des geistlichen Schriftsinns greifen das Anliegen einer Jahrhunderte alten Bibelauslegung auf, die den inneren wie äußeren Zusammenhang der biblischen Schriften voraussetzt.

Das Mittelalter präsentiert sich dabei als eine besonders vielfältige Epoche der Theologiegeschichte. Mittelalterliche Theologie entfaltete sich in der Aneignung und kritischen Diskussion patristischer Texte sowie in der Übernahme philosophischer Plausibilitätspostulate, die zu einem besonderen Wissenschaftsverständnis von Theologie führten. Dabei wurde methodologisch kaum zwischen Schriftauslegung und systematischer Theologie unterschieden; beide stellten lediglich verschiedene Stile des einen großen theologischen Unterfangens dar, das Anselm von Canterbury mit der klassischen Formel des fides quaerens intellectum beschrieben hat.

Das Seminar wird zum einen einige klassische Texte der mittelalterlichen Bibelauslegung und Hermeneutik untersuchen und die mittelalterliche Auslegungspraxis anhand ausgewählter alttestamentlicher Bibelkommentare untersuchen. Parallel dazu wird anhand ausgewählter Exegesen nach der Valenz solcher Schriftauslegung für die gegenwärtigen Bemühungen um eine neue Bibelhermeneutik gefragt werden.

Behandelt werden die Autoren Hieronymus, die Viktoriner, Thomas von Aquin, Bonaventura und Nikolaus von Lyra.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Voraussetzungen für den Erwerb eines Seminarzeugnisses sind regelmäßige und aktive Teilnahme; mindestens ein Kurzreferat sowie ein schriftliche Seminararbeit (15-20 Seiten).

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Das Forschungsseminar soll mit den aktuellen Forschungsfragen und Problemen sowohl der neuen Bibelhermeneutik als auch der mittelalterlichen Theologiegeschichte vertraut machen. Die Studierenden sollen dadurch befähigt werden, aus der Kenntnis klassischer traditioneller Argumentationen, die eigene wissenschaftliche Fragestellungen zu schärfen und mittels einer aufmerksamen Analyse historischer exegetischer Texte Grundfragen des theologischen Denkens in je unterschiedlichen Kontexten zu erkennen.

Prüfungsstoff

Gemeinsame Lektüre, Analyse und Interpretation mittelalterlicher exegetischer Texte;
Begleitende Referate über Formen und Praxis mittelalterlicher Schriftauslegung;
Vergleich von mittelalterlichen und heutigen Auslegungen alttestamentlicher Texte hinsichtlich der zugrunde liegenden Intentionen und Ergebnisse.

Literatur

Den Seminarteilnehmern werden die Quellentexte in Form eines Readers am Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt.
Beryl Smalley, The Study of the Bible in the Middle Ages, Oxford 1952 (Nd. Notre Dame 1978).
- Gilbert Dahan, L'exégèse chrétienne de la Bible en Occident médiévale, XII-XIV siècles, Paris 1999.
- Henri de Lubac, Exégèse médiévale. Le quattre sens de l'écriture, 4 Bde., Lyon 1959 (Nd. Paris 1993).
- --, Typologie, Allegorie, geistiger Sinn. Studien zur Geschichte der christlichen Schriftauslegung. Aus dem Französischen übertragen und eingeleitet von Rudolf Voderholzer, Freiburg 1999.
- Magne Saboe (Ed.), Hebrew Bible / Old Testament, The History of Its Interpretation, 1/2: The Middle Ages, Göttingen 2000.
- Alastair Minnis, Medieval Theory of Authorship, London 1984.
- Alastair Minnis, A.B. Scott, Medieval Literary Theory and Criticism, 1100-1375, Oxford 1988.
- Thomas Prügl, "Medieval Biblical 'principia' as reflections on the nature of theology", in: What is 'Theology in the Middle Ages? Religious Cultures of europe (11th - 15th Centuries) as reflected in their Self-Understanding, ed. Mikolaj Olszewski (Archa Verbi, Subsidia 1), Münster: Aschendorff, 2007, 253-275.
- Thomas Prügl, "Thomas Aquinas as a Scriptural Exegete", in: The Theology of Thomas Aquinas, ed. Rik van Nieuwenhove and Joseph Wawrykow, Notre Dame 2005, 386-415.
- Ludger Schwienhorst-Schönberger, "Er wird wie Christus sein". Psalm 1 in der Auslegung des Hieronymus, in: Egbert Ballhorn / Georg Steins (Hg.), Der Bibelkanon in der Bibelauslegung. Methodenreflexion und Beispielexegesen, Stuttgart 2007, 212-230.
- --, "Eines hat Gott gesagt, zweierleii habe ich gehört" (Ps 62,12). Sinnoffenheit als Kriterium einer biblischen Theologie: JBTh 25 (2010) 45-61.
- --, Wiederentdeckung des geistigen Schriftverständnisses. Zur Bedeutung der Kirchenväterhermeneutik: ThGl 101 (2011) 402-425.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

LV für Doktorat 780 (09W) und 080 (02W), für 011(08W, 11W) D31 oder DAM, für 066 793 (08W) MAM, Fächerkontingentseminar 1 oder (freies) Wahlfach für 011(02W),012 (02W) und 020, für 066 800 M8 oder M22

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:26