Universität Wien FIND

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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

030325 KU Entstehung und Auswirkungen illegaler Märkte (2016W)

am Beispiel von Drogenmärkten und Sexarbeit

3.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 3 - Rechtswissenschaften
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Persönliche Anmeldung per E-Mail an katharina.beclin@univie.ac.at (von 12.09.2016 bis 12.10.2016). Sie erhalten umgehend eine Rückmeldung, ob Sie in den Kurs aufgenommen sind. Eventuelle Restplätze werden in der Vorbesprechung vergeben.

Details

max. 28 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine

Vorbesprechung am 13.10.2016, 18:00 bis 19:30 Uhr
Ort: Seminarraum Schenkenstraße 4

Weitere Termine: 03.11., 10.11., 24.11., 01.12., 15.12.2016 und 12.01.2017 von 16-19:30 Uhr


Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Inhalte:
Diese Lehrveranstaltung untersucht zum einen das Phänomen der illegalen Drogen aus einer multidisziplinären Perspektive (Kriminologie, Soziologie, Ökonomie, Politikwissenschaft). Ausgangspunkt ist die Einschätzung, dass bei der Kontroverse um illegale Drogen Stereotypen und Mythen auf der einen sowie rationale Argumente und Studienergebnisse auf der anderen Seite weit auseinanderklaffen. Das Ziel des Kurses ist es, diese Zwiespältigkeit offenzulegen, indem Verbindungslinien zwischen der politischen Ökonomie illegaler Drogen und Drogenpolitiken beleuchtet und diskutiert werden.
Weiters werden die Unterschiede zwischen legalen und illegalen Märkten sowie Eigenheiten von Drogenmärkten erarbeitet. Darüber hinaus wird erörtert, wie Prohibitionspolitik das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage beeinflussen kann und der Organisierten Kriminalität lukrative Geschäftsfelder eröffnet. Schließlich wird die neuartige Erscheinungsform der anonymen Drogenmärkte im Internet beleuchtet. In diesem Zusammenhang wird die Funktionsweise der illegalen Märkte im Internet dargestellt und es werden die Folgen der veränderten Rahmenbedingungen sowie daraus resultierende Herausforderungen für Strafermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden diskutiert.
Der zweite Teil des Kurses beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern verschiedene Prostitutionspolitiken wie Prohibition, Abolitionismus oder Reglementierung die Größe des illegalen Marktanteils in der Sexarbeit beeinflussen und damit die staatliche Kontrolle und den Schutz der Betroffenen erleichtern bzw. erschweren bzw. Anreize für die Organisierte Kriminalität im Bereich des Menschenhandels bieten oder zumindest Arbeitsausbeutung erleichtern – oder aber, im Gegenteil, diesen Phänomenen entgegenwirken können.
Zu diesem Zweck werden anhand der schwedischen Evaluationsstudie die Auswirkungen des Sexkauf-Verbots in Schweden untersucht und anhand einer Studie im Auftrag der Wiener MA 57 aus dem Jahr 2013 die unterschiedlichen politischen Zugänge und ihre Auswirkungen auf den Sexarbeitsmarkt und die Betroffenen in Österreich und in den Niederlanden erörtert.
Schließlich wird versucht, anhand von Literatur und öffentlichen Stellungnahmen den Meinungsstand von SexarbeiterInnen und der Polizei bzw. Verwaltungsbehörden zum optimalen staatlichen Regelungsmodell dieses Lebens- und Arbeitsbereiches zu erheben.

Themen:
- Legale versus illegale Märkte
- Organisierte Kriminalität
- Drogenprohibition
- Politische Ökonomie
- Drogendistribution
- Illegale Drogenmärkte im Internet

- Modelle verschiedener Prostitutionspolitiken
- Das schwedische Modell (und die Ergebnisse der schwedischen Evaluationsstudie)
- Die deutsche Regelung und die politische Debatte im Vorfeld der Novelle 2016
- Vergleich der Situation in Österreich und den Niederlanden (Studie der MA 57 aus 2013)
- Interessen bzw. Empfehlungen durch Sexarbeiterinnen
- Meinungsstand bzw. Empfehlungen der Exekutive in Österreich

Methoden: Einführungen durch die Lehrveranstaltungsleiterinnen, vorbereitende Textlektüre, Präsentation ausgewählter Texte durch Studierende, vertiefende Diskussion in der Gruppe, ev. Gastvortrag.

Ziele: Die Studierenden sollen nach dieser Lehrveranstaltung einerseits ein Grundverständnis von gesellschaftspolitischen Dimensionen illegaler Märkte erhalten.
Andererseits sollen sie Einblick in die Wechselwirkungen von Verboten und Reglementierungen auf der einen und Ausweichstrategien und Verdrängungseffekten auf der anderen Seite bekommen.
Darüber hinaus sollen die Studierenden ihre Argumentations- und analytischen Fähigkeiten ausbauen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

- Vorbereitende Lektüre ausgewählter Texte
- Aktive Mitarbeit an Diskussionen und Kleingruppenarbeiten während der Einheiten
- mündliche Referate inkl. Powerpoint-Präsentationen oder Handouts und Diskussionseinleitung
- Anwesenheitspflicht

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Positive Beurteilung: 51% der Gesamtpunkteanzahl; davon können Sie bei den einzelnen Leistungskontrollen erlangen: Referate: 30%; aktive Mitarbeit: 40%; Gruppenarbeiten: 30%.

Prüfungsstoff

Literatur

Amesberger, Helga (2014). Sexarbeit in Österreich - Ein Politikfeld zwischen Pragmatismus, Moralisierung und Resistenz, Wien, new academic press.
Augustin, Laura Maria (2007; 2. Auflage 2008). Sex at the Margins: Migration, Labor Markets and the Rescue Industry, London, Zed Books Ltd.
Beare, Margaret E. (Ed.) (2003). Critical Reflections on Transnational Organized Crime, Money Laundering, and Corruption, Toronto/ Buffalo/ London: University of Toronto Press.
Beckert, Jens & Wehinger, Frank (2011). In the Shadow: Illegal Markets and Economic Sociology. MPIfG Discussion Paper 11/9. Cologne: Max Planck Institute for the Study of Societies.
Besozzi, Claudio (2001). Illegal, legal–egal? Zu Entstehung, Struktur und Auswirkungen illegaler Märkte, Bern/Stuttgart/Wien: Haupt.
Buxton, Julia (2006). The Political Economy of Narcotics: Production, Consumption & Global Markets, London: Zed Books.
Coomber, Ross (2015). A Tale of Two Cities Understanding Differences in Levels of Heroin/Crack Market-Related Violence—A Two City Comparison. Criminal Justice Review, 40, 7-31. DOI: 10.1177/0734016814565817
EMCDDA (2015). The Internet and drug markets. Summary of results from an EMCDDA Trendspotter study. Luxembourg: Publications Office of the European Union.
Erlei, Matthias (Hrg.) (1995). Mit dem Markt gegen Drogen!? Lösungsansätze für das Drogenproblem aus ökonomischer Sicht, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag.
Hough, Mike & Natarajan, Mangai (2000): Introduction: Illegal Drug Markets, Research and Policy. In M. Natarajan & M. Hough (Eds). Illegal Drug Markets: From Research to Prevention Policy (pp.1-17). Crime Prevention Studies. Vol. 11. Monsey, NY: Criminal Justice Press.
Kreutzer, Mary & Milborn, Corinna (2008). Ware Frau – Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa. Salzburg: Ecowin Verlag GmbH.
Lampe, Klaus von (2016). Organized Crime: Analyzing Illegal Activities, Criminal Structures, and Extra-legal Governance, Thousand Oaks, CA: Sage.
Marez, Curtis (2004). Drug Wars: The Political Economy of Narcotics. Minneapolis, MN: University of Minnesota Press.
May, Tiggey & Hough, Mike (2004). Drugmarkets and distribution systems. Addiction Research&Theory, 12, 549–563.
Nautz, Jürgen & Sauer, Birgit (2008) Frauenhandel. Diskurse und Praktiken, Göttingen: V&R unipress.
Reuter, Peter (2009). Systemic violence in drug markets. Crime, law and social change 52(3), 275-284.
Stevens, Alex (2011). Drugs Crime and Public Health: The Political Economy of Drug Policy, London: Routledge.
Swedish Institute (2010). The Ban against the Purchase of Sexual Services. An evaluation 1999-2008. Selected extracts of the Swedish government report SOU 2010:49, https://ec.europa.eu/anti-trafficking/sites/antitrafficking/files/the_ban_against_the_purchase_of_sexual_services._an_evaluation_1999-2008_1.pdf.
Tzanetakis, Meropi, Kamphausen, Gerrit, Werse, Bernd & von Laufenberg, Roger (2015). The transparency paradox. Building trust, resolving disputes and optimising logistics on conventional and online drugs markets. International Journal of Drug Policy. Special Issue ‘Drug Cryptomarkets’, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.drugpo.2015.12.010.
Wagenaar, Hendrik, Altink, Sietske & Amesberger, Helga (2013). Internationale vergleichende Studie zu ProstitutionsPolitiken: Niederlande, Österreich (Exkurs Schweden). Wien: Stadt Wien, MA 57 – Frauenabteilung der Stadt Wien (Hrsg.).
Werse, Bernd (Hrg.) (2008). Drogenmärkte. Strukturen und Szenen des Kleinhandels. Frankfurt: Campus Verlag.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:47