Universität Wien

070064 PS BA-Proseminar - Der Untergang der Donaumonarchie und die Gründung der Republik Österreich (2021S)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 7 - Geschichte
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
DIGITAL

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Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Freitag 19.03. 13:15 - 14:45 Digital
Freitag 16.04. 13:15 - 14:45 Digital
Freitag 23.04. 13:15 - 14:45 Digital
Freitag 07.05. 13:15 - 14:45 Digital
Freitag 21.05. 13:15 - 14:45 Digital
Freitag 28.05. 13:15 - 14:45 Digital
Freitag 11.06. 13:15 - 15:45 Digital
Freitag 18.06. 13:15 - 15:45 Digital
Freitag 25.06. 13:15 - 15:45 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Aus dem Blickwinkel der Nachbetrachtung nimmt die Geschichte bisweilen deterministische Züge an. Offene Entscheidungssituationen und alternative Entwicklungsmöglichkeiten verschwinden aus dem Blickfeld. Nicht selten haben diese Darstellungen von Zwängen und Unvermeidlichkeiten geschichtspolitische Funktion. Die Habsburgermonarchie ist dafür ein gutes Beispiel, entlastet sie doch die Verantwortlichen, indem sie die Eliten, Regierungen, "gekrönten Häupter und ihre Berater" als Opfer einer unerbittlichen Geschichtslogik und unhinterfragten Vergangenheitskonstruktion präsentieren. Die Lehrveranstaltung untersucht den Prozess des Untergangs eines supranationalen Reiches, das der gängigen Auffassung nach vor allem an der Dynamik der ethnischen Gegensätze scheiterte. Gab es diesbezüglich aber nicht auch Kompromissmöglichkeiten? Wurden sie von den Verantwortlichen genutzt? Wie verhielten sich die Streitparteien? Welche Rolle spielten internationale Kräfteverhältnisse, traditionelle Konfliktlösungsmechanismen, althergebrachte Ehrbegriffe und Werthaltungen, aber auch "Modernisierungseffekte", die unter anderem mit dem Stichwort von der "Demokratisierung" verbunden sind? Inwiefern beschleunigten einzelne Ereignisse die Entwicklungen, inwiefern mittel- und längerfristige Umschichtungen der Gesellschaft? Konnte man in Anlehnung an die Charakterisierung des späten Osmanischen Reiches vom "kranken Mann an der Donau" sprechen? Oder ließen sich etwa im Gegensatz zur oft kolportierten Rückständigkeit in technischen oder wirtschaftlichen Belangen Zukunftspotentiale ausmachen? Die Lehrveranstaltung geht diesen Fragestellungen anhand einzelner Themenfelder, ausgewählter Quellen und Untersuchungsbereiche ebenso nach wie den Besonderheiten der Gründung der Republik und den "langen Schatten" der habsburgischen Vergangenheit in der österreichischen Zeitgeschichte. Überprüft werden vorherrschende Narrative und historische Erklärungsmodelle sowie abweichende Interpretationen und neue Zugänge zu einem zentralen Arbeitsfeld der österreichischen Geschichtswissenschaft. Damit sollen Grundkenntnisse über den Forschungsstand, über Theorie-, Quellen- und Methodenfragen sowie das Verständnis für die Unabgeschlossenheit und Vielfalt historischen Wissens anhand eines breiten Themengebietes vermittelt werden, das mehrere historische Epochen und Zäsuren umfasst.

Die einzelnen Einheiten im Überblick:
1. Einführung. Vorbedingungen und Grundgedanken, Konzept der Lehrveranstaltung (Eine Einheit)
2. Orientierungshilfe. Annäherung an die wissenschaftliche Untersuchung des Themenbereiches: Forschungsstand, Schlüsselbegriffe, Arbeitsbereiche und Diskussionen; Texte zur späten Donaumonarchie (ca. 1815 bis 1918), zur Gründung der Republik und zum "Erbe der Donaumonarchie" bis in die Gegenwart, Themenvergabe. (Zwei bis drei Einheiten)
3. Vorträge der LV-Teilnehmer zu ausgewählten Themen, Präsentation der diesbezüglichen Abschlussarbeiten und Diskussion (in mehreren Einheiten).

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Im Zuge der Einführung in den Untersuchungsgegenstand und der Vorstellung themenrelevanter Quellen, Überblicks- und Schlüsseltexte wird eine rege Diskussionsbeteiligung erwartet. In dieser einleitenden Phase wählen die Seminarteilnehmer spezifische Untersuchungsbereiche aus. Dazu ist abschließend eine Präsentation zu den jeweiligen Forschungsfragen, zur Methodik, zum Aufbau der Arbeit sowie zu deren Ergebnissen vorgesehen. Eine entsprechende Proseminararbeit im Umfang von rund 40.000 Zeichen (einschließlich Leerzeichen, Fußnoten, Titelblatt, Inhaltsverzeichnis) muss vorgelegt werden. Ohne Graphiken hat sie zirka 15 Manuskriptseiten (eineinhalbzeilig, 12pkt.) zu umfassen.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Grundkenntnisse der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts gelten als Mindestanforderung. Beurteilt wird die Bereitschaft zur Mitarbeit und Diskussion im Rahmen der Lehrveranstaltung sowie die Behandlung eines ausgewählten Themas in Form eines mündlichen Referates und einer schriftlichen Arbeit (siehe auch: Art der Leistungskontrolle). Grundfähigkeiten, Informationen professionell zu recherchieren, wissenschaftlich zu argumentieren beziehungsweise Kritik zu üben sowie Erkenntnisse mündlich und schriftlich zu präsentieren, sollen dadurch beurteilt werden. Damit sind Anforderungen verbunden, theoretisch reflektiert historische Strukturen und Entwicklungszusammenhänge herauszuarbeiten, geschichtswissenschaftliche Fragestellungen zu formulieren, den Forschungsstand zu erfassen und entsprechende Fachliteratur beziehungsweise Quellen zu verwerten.

Prüfungsstoff

Inhaltlich ist neben der Mitarbeit und Diskussion im Rahmen der Lehrveranstaltung vor allem die Auswahl eines Themas aus dem Bereich des gesamten Untersuchungsfeldes wichtig. Hierfür werden vom LV-Leiter einführende Vorträge zur Orientierung und mögliche Arbeitsschwerpunkte präsentiert.

Literatur

Canis, Konrad: Die bedrängte Großmacht Österreich-Ungarn und das europäische Mächtesystem 1866/67-1914. Paderborn u.a. 2016
Cornwall, Mark (Hg.): Die letzten Jahre der Donaumonarchie. Der erste Vielvölkerstaat im Europa des frühen 20. Jahrhunderts. Wegberg 2004
Gero, András (Hg.): The Austro-Hungarian Monarchy Revisited. New York 2009
Judson, Pieter M.: The Habsburg Empire. A New History. Cambridge/London 2016
Karner, Stefan/Mikoletzky, Lorenz (Hg.): Österreich. 90 Jahre Republik. Beitragsband der Ausstellung im Parlament. Innsbruck/Wien/Bozen 2008
Konrad, Helmut/Maderthaner, Wolfgang (Hg.): … der Rest ist Österreich. Das Werden der Ersten Republik. Wien 2008
Leidinger, Hannes: Der Untergang der Habsburgermonarchie. Innsbruck/Wien 2017
Moos, Carlo: Habsburg post mortem. Betrachtungen zum Weiterleben der Habsburgermonarchie. Wien/Köln/Weimar 2016
Moritz, Verena: 1917. Österreichische Stimmen zur Russischen Revolution. Salzburg/Wien 2017
Rauchensteiner, Manfried: Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie 1914-1918. Wien/Köln/Weimar 2013
Rumpler, Helmut: Die Habsburgermonarchie 1848-1918. Band XI, 1. Teilband: Die Habsburgermonarchie und der Erste Weltkrieg. Wien 2016

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

AER: Österreichische Geschichte 2.
BA Geschichte (Version 2012): Bachelor-Modul 1, Proseminar (5 ECTS).
BA Geschichte (Version 2019): M6 Historisches Arbeiten, PS Proseminar (5 ECTS).
BEd UF GSP: UF GSP 04 Aspekte und Räume 2, PS Proseminar zu einem Fach (5 ECTS).
Interdisziplinäres MA Zeitgeschichte und Medien (Version 2016): M2a Einführung in den Forschungsprozess. Design und Methoden 1, PS aus Zeitgeschichte (5 ECTS).

Letzte Änderung: Fr 12.05.2023 00:13