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Jetzt impfen lassen für ein sicheres Miteinander im Herbst!

Um allen Angehörigen der Universität Wien einen guten und sicheren Semesterbeginn zu ermöglichen, gibt es von Samstag, 18. September, bis Montag, 20. September die Möglichkeit einer COVID-19-Impfung ohne Terminvereinbarung am Campus der Universität Wien. Details unter https://www.univie.ac.at/ueber-uns/weitere-informationen/coronavirus/.

Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

070065 VO Weitere Zugänge - Politisches Denken in Russland 1500-2020 (2021W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 7 - Geschichte
DIGITAL
Do 07.10. 09:00-10:30 Digital

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Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 14.10. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 21.10. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 28.10. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 04.11. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 11.11. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 18.11. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 25.11. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 02.12. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 09.12. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 16.12. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 13.01. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 20.01. 09:00 - 10:30 Digital
Donnerstag 27.01. 09:00 - 10:30 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die LV bietet einen Überblick über die Entwicklung des politischen Denkens in Russland von der Neuzeit bis zur Gegenwart. Nachdem im Mittelalter und der Frühneuzeit die Herrschaftslegitimation des Moskauer Staates eine zentrale Rolle eingenommen hatte, wovon etwa die Theorie vom „Dritten Rom“ zeugt, intensivierten sich im Zeitalter des Barock und der Aufklärung die Übernahmen und Translationen westlichen Gedankenguts, was allerdings ab der Sturm-und-Drang-Periode auf frühnationalistische Kritik stieß. Das Zeitalter der Revolutionen inspirierte nicht nur liberale Denker und motivierte Staatsreformpläne, sondern stimulierte auch die Gegenreaktion des russischen Konservatismus. Durch das Scheitern des Aufstandes der Dekabristen, deren Projekte für eine russische Republik auf Ideen der amerikanischen und französischen Revolution aufgebaut hatten, kamen die Reformpläne zum Stillstand. Angeregt vom kritischen Denken Pjotr Tschaadajews, der die „Rückständigkeit“ Russlands kritisierte, spaltete sich das intellektuelle Spektrum in die Schulen der „Westler“, die Reformen nach westlichem Vorbild befürworteten, und der „Slawophilen“, die sich für Besinnung auf die idealisierte nationale Vergangenheit und einen russischen Sonderweg aussprachen. Unter dem Einfluss des wachsenden Nationalismus und Imperialismus transformierte sich die Slawophilie in antiwestliche Strömungen und den Panslawismus, der für die Vereinigung aller Slawen unter Herrschaft des Zaren eintrat. Auch rechtsextremes und antisemitisches Gedankengut fand im frühen 20. JH eine wachsende Anhängerschaft in den Schwarzhundertschaften, die für antijüdische Pogrome verantwortlich waren. Auf Seiten der Linken waren aus bzw. neben Linksliberalen und Populisten („Narodniki“), die für eine Verbesserung der Lage der Landbevölkerung auftraten, anarchistische, nihilistische und marxistische Gruppen entstanden, die mit Attentaten und Terrorismus den Staat bekämpften. Nachdem die Februarrevolution 1917 kurzfristig Liberale und Linksliberale an die Macht gebracht hatte, schaltete der sich auf die marxistisch-leninistische Ideologie berufende Sowjetstaat bald alternative Denkmodelle aus bzw. drängte sie in Exil und Untergrund. Vor allem unter Emigranten fand der Eurasismus, der einen Sonderstatus Russlands zwischen Europa und Asien propagierte, Anklang. Innerhalb der Sowjetunion schuf der Stalinismus ein totalitäres System, das auch auf nationale Legitimationsmodelle rekurrierte und imperialistische Züge trug. Im Zuge des „Tauwetters“ nach Stalins Tod, aber auch in der Breshnew-Ära entstanden am Rande der Gesellschaft konservative, nationalistische sowie Gruppen, die Ideen des Kultur- und Umweltschutzes propagierten. In der „Perestrojka“ Michail Gorbatschows wurde die Staatsideologie selbst zuerst einer grundlegenden Reform im Zeichen universaler (westlicher) Werte unterzogen und schließlich demontiert. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden in Russland u.a. liberale, später auch eurasische, nationalistische und Großmachtideen propagiert.

Ziel der VO ist die Vermittlung von Kenntnissen über 1) die wichtigsten Strömungen des politischen Denkens in Russland im Kontext der Geschichte Russlands und der euro-atlantischen Kulturgeschichte, 2) zentrale Werke politischer Denker Russlands vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 3) Diskussionen in der einschlägigen Fachliteratur; sowie die Vermittlung der Fähigkeit, 1) Strömungen des politischen Denkens und ihre Vertreter zu- und einzuordnen und 2) kritisch zu erfassen.

Die LV umfasst audiovisuelle Vorträge (PPP) mit kürzeren interaktiven Komponenten (Beantwortung von Fragen).

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Prüfung ist ein Online-Multiple-Choice-Test aus ca. 30 Fragen, die in 40 Min. zu beantworten sind.

Vorauss. Prüfungstermine: 3.2, 24.2, 21.4, 1.7 jeweils 9h online

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Mindestanforderung ist die Wiedergabe der Grundzüge des Prüfungsstoffes. 50-62% der max. erreichbaren Punkte=Genügend (4), 63-75%=Befriedigend (3), 76-88%=Gut (2), 89-100% Sehr gut (1).

Prüfungsstoff

Prüfungsstoff ist der im Semester besprochene Inhalt lt. Folien sowie ausgewählte Literatur auf Moodle.

Literatur

Beyme, Klaus von. Politische Theorien in Russland 1789–1945. Wiesbaden: Westdt. Verl., 2001.
Fenske, Hans; Mertens, Dieter; Reinhard, Wolfgang; Rosen, Klaus. Geschichte der politischen Ideen: Von Homer bis zur Gegenwart. Frankfurt: Fischer, 1992.
Idei v Rossii. Ideas in Russia. Red. Andrzej de Lazari. 9 vols. Warszawa: Semper 1999–2015.
Lauer, Reinhard. Geschichte der russischen Literatur. München: Beck, 2000.
McLean, H. et al. Hg. Russian Thought and Politics. Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1957.
Ottmann, Henning. Geschichte des politischen Denkens: von den Anfängen bei den Griechen bis auf unsere Zeit. Bd. 3/1–2: Die Neuzeit; Bd. 4/1–2: Das 20. Jahrhundert. Stuttgart: Metzler 2006–12.
Scherrer, Jutta. Politische Ideen im revolutionären und vorrevolutionären Russland. In: Fetscher, Iring; Münckler, Herfried. Hg. Pipers Handbuch der Politischen Ideen. Bd. 5. München: Piper, 1987. S. 203-281.
Tschižewskij, Dmitrij [Čyževskyj, Dmytro]. Russische Geistesgeschichte. München: Fink, 1974.
Utechin, Sergej. Geschichte der politischen Ideen in Russland. Stuttgart: Kohlhammer, 1966.
Walicki, Andrzej. A History of Russian Thought. Stanford: Univ. Press, 1979.
Žuravlev, Valerij V. Obščestvennaja mysl' Rossii XVIII–načala XX veka: ėnciklopedija. Moskva: ROSSPĖN 2005.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mi 15.09.2021 10:08