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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

070072 PS BA-Proseminar - Langzeitdenken in Europa, 1400-1900 (2020S)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 7 - Geschichte
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Bitte beachten Sie, dass es für die erste Sitzung bereits Pflichtlektüre von ca. 70 Seiten gibt (auf Moodle verfügbar oder über die UB):

Vera Keller, „The “New World of Sciences”: The Temporality of the Research Agenda and the Unending Ambitions of Science“, Isis 103, Nr. 4 (2012): 727–34.

Francis Bacon, „New Atlantis: A Work Unfinished“, in The Works of Francis Bacon, hg. von James Spedding, Robert Leslie Ellis, und Douglas Denon Heath, Bd. 3 (Cambridge: Cambridge University Press, 2011), 127–66. Es geht vor allem um das Solomon's House, d.h. der erste Teil kann überflogen werden. Es gibt deutsche Übersetzungen unter "Neu-Atlantis" in der UB.

Francis Bacon, „Magnalia Naturae“, in The Works of Francis Bacon, hg. von James Spedding, Robert Leslie Ellis, und Douglas Denon Heath, Bd. 3 (Cambridge: Cambridge University Press, 2011), 167–68.

Lorraine Daston, „The Immortal Archive: Nineteenth-Century Science Imagines the Future“, in Science in the Archives: Pasts, Presents, Futures, hg. von Lorraine Daston (Chicago: University of Chicago Press, 2017), 159–82.

Dienstag 10.03. 13:15 - 16:30 Seminarraum 3, Währinger Straße 29 1.UG
Dienstag 24.03. 13:15 - 16:30 Seminarraum 3, Währinger Straße 29 1.UG
Dienstag 21.04. 13:15 - 16:30 Seminarraum 3, Währinger Straße 29 1.UG
Dienstag 28.04. 13:15 - 16:30 Seminarraum 3, Währinger Straße 29 1.UG
Dienstag 12.05. 13:15 - 16:30 Seminarraum 3, Währinger Straße 29 1.UG
Dienstag 26.05. 13:15 - 16:30 Seminarraum 3, Währinger Straße 29 1.UG
Dienstag 09.06. 13:15 - 16:30 Seminarraum 3, Währinger Straße 29 1.UG

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Warum entstand Langzeitdenken und was sind seine Folgen? Langzeitdenken meint hier die Überzeugung von Akteur_innen, dass man gewissen Probleme nur dann rational begegnen kann, wenn man lange Zeiträume in Betracht nimmt. Langzeitdenken (so die These, der wir gemeinsam nachgehen wollen) ist in einer rhetorisch schwächeren Situation: seine Annahmen und Schlüsse sind oft kontraintuitiv, sind nicht durch direkte Beobachtung abgesichert, beleidigen den gesunden Menschenverstand und widersprechen dem antiken Topos vom Mensch als Maß aller Dinge. Anders als Kurzzeitdenken, das sich aus leicht beobachtbaren Naturphänomenen und der menschlichen Physiologie (schlafen, essen, altern) speist, ist Langzeitdenken voraussetzungsreich. Um zu überzeugen, benötigt es oft ‘übermenschliche’ Hilfsmittel in Form von Datensammlungen, die auf Grundlage von Modellen aufwendig analysiert werden müssen.

In diesem forschungsorientierten Proseminar werden wir mit Methoden der Wissenschaftsgeschichte den Ursprüngen von Langzeitdenken in der europäischen Neuzeit (ca. 1400-1900) nachgehen. Dazu lesen wir anschauliche historische Fallstudien und Primärquellen aus Politik, Finanz und Wissenschaft und üben systematisch alle Fertigkeiten, die für das Verfassen einer Proseminar- bzw. Bachelorarbeit nötig sind. Behandelt werden die ‘neue’ Wissenschaft des 17. Jahrhunderts, Handelskapitalismus und die Finanzielle Revolution des 17. und 18. Jahrhunderts, Forstwirtschaft, Geologie, Meteorologie und frühe Klimaforschung.

Wann, wie und warum entstand Langzeitdenken in bestimmten historischen Situationen? Wer widersetzte sich mit welchen Mitteln dem Langzeitdenken (etwa durch Argumentieren, Ignorieren oder Lächerlich-Machen)? Wie wurden Macht und Ressourcen dort neu verteilt, wo sich Langzeitdenken durchsetzte?

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Bewertet wird die aktive Teilnahme an der Diskussion und inwieweit diese ein Verständnis der Lektüre zeigt; Teilnahme an nichtbenoteten kleinen Übungen; und die Erledigung der folgenden schriftlichen Aufgaben:

1) Der Kurs findet in 7 Doppelsitzungen statt. Zu den Sitzungen 2 und 4 fertigen Sie jeweils ein Exzerpt an (800-1000 Wörter) zu einem der Pflichttexte dieser Sitzung an (nur Sekundärliteratur!). Das erste Exzerpt bleibt unbenotet, aber Sie bekommen Feedback. Das zweite Exzerpt wird benotet und geht zu 10% in die Gesamtnote ein.
2) Aus jedem zu lesenden Pflichttext (nur Sekundärliteratur) zu den Sitzungen 1-4 kopieren Sie mindestens 7 Quellenzitate mit vollständigen bibliographischen Angaben aus dem PDF und legen es zu jeder Sitzung 1-4 in einem digitalen Ordner ab (siehe Template). Sie geben dabei stets an, was für eine Funktion diese Quelle in der Argumentation spielt. Diese Aufgabe wird nicht benotet.
3) Eine Woche nach Sitzung 4 reichen Sie einen begründeten Vorschlag für die gemeinsame Quellenlektüre in den Sitzungen 6 und 7 ein. Diese Aufgabe wird nicht benotet.
4) Zu Sitzung 5 reichen Sie ein Exposé für Ihre geplante PS- bzw. BA-Arbeit ein (1000 Wörter) und stellen es als mündlichen Vortrag zur Diskussion (ca. 7 min). Diese Aufgabe wird nicht benotet, aber Sie bekommen Feedback sowohl von mir als auch von den anderen Teilnehmenden.
5) Falls Sie Ihre BA-Arbeit in diesem Seminar schreiben, geben Sie bis eine Woche nach Sitzung 7 eine Rohfassung ab. Diese wird nicht benotet, aber Sie bekommen Feedback.
6) Bis spätestens 20. September geben Sie Ihre PS- bzw. BA-Arbeit ab (je nach Studienordnung ca. 6000 oder 9000 Wörter). Diese wird benotet und macht 70% der Gesamtnote aus.

Mündliche Mitarbeit an der Diskussion und nichtbenotete schriftliche Leistungen fließen zu 20% in die Gesamtnote ein.
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UPDATE wegen Umstellung auf Online-Lehre (25.04.2020):

Bewertet wird die aktive Teilnahme an der Diskussion und inwieweit diese ein Verständnis der Lektüre zeigt; Teilnahme an nichtbenoteten kleinen Übungen; und die Erledigung der folgenden schriftlichen Aufgaben:

1) Der Kurs findet in 6 Doppelsitzungen sowie als Online-Lehre statt. Zu den Sitzungen 2 und 4 fertigen Sie jeweils ein Exzerpt an (800-1000 Wörter) zu einem der Pflichttexte dieser Sitzung an (nur Sekundärliteratur!). Das erste Exzerpt bleibt unbenotet, aber Sie bekommen Feedback. Das zweite Exzerpt wird benotet und geht zu 10% in die Gesamtnote ein.
2) Aus jedem zu lesenden Pflichttext (nur Sekundärliteratur) zu den Sitzungen 1-4 kopieren Sie mindestens 7 Quellenzitate mit vollständigen bibliographischen Angaben aus dem PDF und legen es zu jeder Sitzung 1-4 in einem digitalen Ordner ab (siehe Template). Sie geben dabei stets an, was für eine Funktion diese Quelle in der Argumentation spielt. Diese Aufgabe wird nicht benotet.
3) Zum 12. Mai reichen Sie einen begründeten Vorschlag für die gemeinsame Quellenlektüre ein bzw. äußern einen Wunsch, welche Arbeitstechnik besprochen werden soll in den Workshop-Sitzungen 6 und 7. Diese Aufgabe wird nicht benotet.
4) Zum 19. Mai reichen Sie ein ausgearbeitetes Exposé für Ihre geplante PS-Arbeit ein (mind. 800 Wörter ohne Bibliographie). Diese Aufgabe wird nicht benotet, aber Sie bekommen Feedback.
5) Zum 23. Juni geben Sie eine Rohfassung Ihrer PS-Arbeit ab. Diese wird nicht benotet, aber Sie bekommen Feedback.
6) Bis spätestens 20. September geben Sie Ihre PS-Arbeit ab (laut Studienordnung ca. 6000 Wörter). Diese wird benotet und macht 70% der Gesamtnote aus.

Mündliche Mitarbeit an der Diskussion und nichtbenotete schriftliche Leistungen fließen zu 20% in die Gesamtnote ein.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Teilleistungen werden anhand entsprechend der auf Moodle einsehbaren Beurteilungsschemata mit den Noten 1-5 beurteilt. Die Gesamtnote wird anhand der oben angegebenen Gewichtung berechnet. Für einen erfolgreichen Abschluss muss sich mindestens ein Schnitt von 4.4 ergeben.

Bei verspäteten Abgaben ohne akzeptable Entschuldigung ziehe ich für jeden Tag 0.2 von der jeweiligen Teilnote ab. Bei Nichteinhaltung der Wortlimits ziehe ich 0.2 für jede 10% ab, die Ihr Text ober- oder unterhalb des Wortlimits ist.

Der Kurs findet in 6 Doppelsitzungen statt. Es besteht Anwesenheitspflicht. Fehlen bei einer Doppelsitzung muss nicht entschuldigt werden. Wenn Sie zwei oder drei Doppelsitzungen fehlen, müssen Sie eine plausible Erklärung geben und eine Zusatzleistung anfertigen. Fehlen Sie bei mehr Terminen, können Sie den Kurs leider nicht abschließen.

Prüfungsstoff

Literatur

Pflichtlektüre wird über Moodle bereitgestellt.

Vera Keller, „The “New World of Sciences”: The Temporality of the Research Agenda and the Unending Ambitions of Science“, Isis 103, Nr. 4 (2012): 727–34.

Francis Bacon, „New Atlantis: A Work Unfinished“, in The Works of Francis Bacon, hg. von James Spedding, Robert Leslie Ellis, und Douglas Denon Heath, Bd. 3 (Cambridge: Cambridge University Press, 2011), 127–66.

Lorraine Daston, ‘The Immortal Archive: Nineteenth-Century Science Imagines the Future’, in Science in the Archives: Pasts, Presents, Futures, ed. Lorraine Daston (Chicago: University of Chicago Press, 2017), 159–82."

Lydia Barnett, After the Flood: Imagining the Global Environment in Early Modern Europe (Baltimore: Johns Hopkins University Press, 2019.

Deborah R. Coen, Climate in Motion: Science, Empire, and the Problem of Scale (Chicago: University of Chicago Press, 2018).

Marianne Klemun, ‘Geognosie versus Geologie: Nationale Denkstile und kulturelle Praktiken bezüglich Raum und Zeit im Widerstreit’, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 38 (2015): 227–42."

Martin J.S Rudwick, Bursting the Limits of Time: The Reconstruction of Geohistory in the Age of Revolution (Chicago: The University of Chicago Press, 2005).

Karl Appuhn, A Forest on the Sea: Environmental Expertise in Renaissance Venice (JHU Press, 2009).

James C. Scott, Seeing like a State: How Certain Schemes to Improve the Human Condition Have Failed (New Haven: Yale University Press, 1998), Kap. 1."

Woodruff D. Smith, ‘The Function of Commercial Centers in the Modernization of European Capitalism: Amsterdam as an Information Exchange in the Seventeenth Century’, The Journal of Economic History 44, no. 4 (1984): 985–1005.

William Peter Deringer, ‘Pricing the Future in the Seventeenth Century: Calculating Technologies in Competition’, Technology and Culture 58 (2017): 506–28.

Lars Behrisch, Die Berechnung der Glückseligkeit. Statistik und Politik in Deutschland und Frankreich im späten Ancien Régime (Ostfildern: Thorbecke, 2016).

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA Geschichte (2012): Mittelalter, Neuzeit
BEd UF Geschichte: Globalgeschichte, Hist.-kulturwiss. Europaforschung, Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:20