Universität Wien
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070164 SE Forschungsseminar - Die Kulturtechnik der Nummerierung (2022W)

10.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 7 - Geschichte
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Die ersten Termine finden zur angegebenen Zeit statt, für die Mentoringsphase werden Einzeltermine vereibart, der Termin für den Abschlussblock im Jänner (voraussichtlich Dienstag/Mittwochs unter Tags) wird noch bekanntgegeben.

Dienstag 11.10. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 18.10. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 25.10. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 08.11. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 15.11. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 22.11. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 29.11. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 06.12. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 13.12. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 10.01. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 17.01. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
Dienstag 24.01. 11:30 - 18:00 Seminarraum 5 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Mittwoch 25.01. 09:45 - 16:00 Seminarraum 1 Porzellangasse 4, EG03
Dienstag 31.01. 16:45 - 18:15 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Nummerierung kann als Kulturtechnik definiert werden, die einem Objekt oder einem Subjekt – ganz gleich ob einem Haus, einem Fiaker, einem Tragsessel, einer Buchseite, einem Lottoschein, einer Banknote, einem Sträfling oder einer Polizistin – eine Zahl vergibt, um Objekt oder Subjekt eindeutig identifizierbar zu machen. Die Erforschung dieser Kulturtechnik steckt noch in den Anfängen - umso mehr ist es berechtigt, ihr ein Seminar zu widmen. Sie werden in der Einführungsphase mit dem Forschungsstand vertraut gemacht, des Weiteren wird eine breite Palette an möglichen zu bearbeitenden Themen vorgestellt, die vom Mittelalter bis in die Zeitgeschichte reichen; Sie können mehr den Schwerpunkt auf Quellenforschung (in diesem Fall sind Kurrentlesekenntnisse sehr erwünscht) oder mehr auf theoretische Zugänge legen.

Beispiele für ein paar willkürlich herausgegriffene Themen - mit geographischem Fokus je nach Ihrer Wahl und insbesondere Ihren Sprachkenntnissen:

-Auseinandersetzungen um die Kennzeichnungspflicht für Polizisten und Polizistinnen
-Nummern für InsassInnen geschlossener Anstalten: Wäsch- und Zellennummern
-Debatten um die Einführung von Matrikel- und Sozialversicherungsnummern
-Inventarnummern in frühneuzeitlichen Sammlungen
-Das Verschwinden der "jüdischen Hausnummern" in Böhmen und Mähren
-Die Praxis der Nummerierung von Akten bei habsburgischen Behörden
-Nummerierungslob und -skepsis im 20. Jahrhundert (von Karl Kraus, Jewgeni Samjatin, Hugo Sonnenschein über Jura Soyfer bis hin zu Wolfgang Ambros und Iron Maiden)
-begriffsgeschichtliche Wortfeldanalysen zu Nummer/Nummerierung... / numéro/numérotation/numération/numérotage...
-Entwicklung von Modellen zur Analyse großer online zugänglicher Textbestände

Das Seminar kombiniert Präsenzeinheiten in der Gruppe, persönliches Mentoring und E-Learning. Ab dem Ende der Einführungsphase sollen Sie im Rahmen der E-Learning-Plattform Moodle ein Forschungsjournal führen, in dem Sie die Fortschritte ihrer Erkenntnisse präsentieren; in der Mentoringphase werden in persönlichen Beratungsgesprächen Probleme der Arbeit besprochen und zu Beginn der zweiten Halbzeit des Semesters ist in einem in die E-Learningplattform integrierten Wiki eine Bibliographie zu erstellen, die darauf zusammen mit einem Zwischenbericht in der Gesamtgruppe präsentiert wird. Am Schluss des Semesters wird in Form von mündlichen Präsentationen die Seminararbeit vorgestellt.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Es handelt sich um eine prüfungsimmanente Lehrveranstaltung, Ihre Beteiligung an den Diskussionen sowie an den Online-Aktivitäten ist erforderlich.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Beteiligung an Vorbereitung und mündliche Präsentation (je 15%), Verfassen einer Seminararbeit im Umfang von ca. 65.000 Zeichen (70%) - Teil der Seminararbeit kann eine Kurzfassung sein, die als Blogbeitrag auf der wissenschaftlichen Blogplattform "Hypotheses" veröffentlicht wird.

Prüfungsstoff

Literatur

Zum Einstieg drei essayistische Kurztexte ohne streng-wissenschaftlichen Anspruch:

Adensamer, Angelika/Tantner, Anton: Nummern für die Polizei! Geschichte und Gegenwart einer alten Forderung, in: Geschichte der Gegenwart, 5.5.2019, https://geschichtedergegenwart.ch/nummern-fuer-die-polizei-geschichte-und-gegenwart-einer-alten-forderung/ - in erweiterter Fassung erschienen in: Malmoe, Nr. 87, Juni 2019, S.9, https://www.malmoe.org/2019/06/07/nummern-fuer-die-polizei/

Tantner, Anton: «Fort mit dem Nummernzwang!» [Zur Geschichte der Fahrradkennzeichen in Österreich], in: Augustin. Die erste österreichische Boulevardzeitung, Nr. 488, 28.8.2019, S. 22, https://augustin.or.at/fort-mit-dem-nummernzwang/

Tantner, Anton: Die Nummern der toten Kommunarden, in: Versorgerin 132, Dezember 2021, S.9.
https://versorgerin.stwst.at/artikel/dec-2-2021-1311/die-nummern-der-toten-kommunarden

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Blog:
Nummerierung. Materialien zur Geschichte einer unscheinbaren Kulturtechnik: https://nummer.hypotheses.org/

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Auswahl aus der Literatur, auf weitere wird während der Lehrveranstaltung hingewiesen:

Lehmann, Paul: Blätter, Seiten, Spalten, Zeilen. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen 53 (1936), S. 333–361, 411–442.
Smith, Margaret M.: Printed foliation: forerunner to printed page-numbers?, in: Gutenberg-Jahrbuch 63 (1988), S. 54–70.
Stolz, Otto: Das Aufkommen der Nummerierung der Akten in den Registraturen, in: Archivalische Zeitschrift 45 (1939), S. 128–132.
Tantner, Anton: Nummerierung. Auf den Spuren einer ambivalenten Kulturtechnik, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für Europäisches Denken, Nr. 785, 2014/10, S. 939–945.
Tantner, Anton: Nummerierung – eine neuzeitliche Kulturtechnik? Aufriss einer Forschungslandschaft, in: Lucci, Antonio/Skowronek, Thomas (Hg.): Potential Regieren. Zur Genealogie des möglichen Menschen. Paderborn: Wilhelm Fink, 2018, S. 159–170, DOI: 10.30965/9783846762622_011 - UAccess: https://doi-org.uaccess.univie.ac.at/10.30965/9783846762622_011
Tantner, Anton: Nummern für Subjekte. Präliminarien zur Geschichte einer ambivalenten Kulturtechnik, in: Zahlmann, Stefan (Hg.): Medienkulturen (=Die Wirklichkeit der Steine III). Weitra: Bibliothek der Provinz, 2021, S. 171–183.
Tantner, Anton (Erscheinen für November 2022 angekündigt): Nummerieren, in: Historisches Wörterbuch des Mediengebrauchs, Bd.3, hg. von Christians, Heiko / Wegmann, Nikolaus / Bickenbach, Matthias, Brill, 2022.
Watson, Ian: An Unusually Open Identification Number System: The Icelandic Kennitala. In: About, Ilsen/Brown, James/Lonergan, Gayle (Hg.): Identification and Registration Practices in Transnational Perspective. London: Palgrave, 2013, S. 132–144.
DOI: 10.1057/9781137367310_9, UAcess: https://doi-org.uaccess.univie.ac.at/10.1057/9781137367310_9
Wiese, Heike: Sprachvermögen und Zahlbegriff. Zur Rolle der Sprache für die Entwicklung numerischer Kognition. In: Schneider, Pablo/Wedell, Moritz (Hg.): Grenzfälle. Transformationen von Bild, Schrift und Zahl. Weimar: Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, S. 123–145.
Wiese, Heike: Numbers, Language, and the Human Mind, Cambridge: Cambridge University Press, 2009.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

MA Geschichte: SP Neuzeit, Zeitgeschichte, Österr. Geschichte, Digital Humanities, Europafoschung, Wissenschaftsgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Letzte Änderung: Mo 19.09.2022 17:08