Universität Wien FIND

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070215 SE BA-Seminar - Staat und Bürger*innen (2021S)

Interaktionen im Kontext der street-level-bureaucracy

10.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 7 - Geschichte
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
GEMISCHT

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Die Lehrveranstaltung wird teilgeblockt abgehalten, d.h. es sind Doppeleinheiten am 26.4.2021, am 14.6.2021 und am 21.6.2021 (=letzte Einheit im Semester) geplant.

Montag 08.03. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 15.03. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 22.03. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 12.04. 13:15 - 14:45 Hybride Lehre
Hörsaal 41 Gerda-Lerner Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 8
Montag 19.04. 13:15 - 14:45 Hybride Lehre
Hörsaal 41 Gerda-Lerner Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 8
Montag 26.04. 13:15 - 14:45 Hybride Lehre
Hörsaal 41 Gerda-Lerner Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 8
Montag 26.04. 15:00 - 16:30 Hybride Lehre
Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 03.05. 13:15 - 14:45 Hybride Lehre
Hörsaal 41 Gerda-Lerner Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 8
Montag 10.05. 13:15 - 14:45 Hybride Lehre
Hörsaal 41 Gerda-Lerner Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 8
Montag 14.06. 13:15 - 14:45 Hybride Lehre
Hörsaal 41 Gerda-Lerner Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 8
Montag 14.06. 15:00 - 16:30 Hybride Lehre
Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Montag 21.06. 13:15 - 14:45 Hybride Lehre
Hörsaal 41 Gerda-Lerner Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 8
Montag 21.06. 15:00 - 16:30 Hybride Lehre
Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Seit dem späten 19. Jahrhundert verändert sich das Verhältnis von Bürger*in und Staat grundlegend. Staaten beginnen, immer mehr in wesentliche Tatbestände des Lebens der Bürger*innen zu intervenieren. Zugleich werden – im Rahmen der Entstehung moderner Sozialstaaten – neue Rechte für und Pflichten von Bürger*innen durchgesetzt und etabliert. Die Erfassung und Kategorisierung von Personen, Zugehörigkeiten sowie die Interaktionen mit Behörden gewinnen dabei an Bedeutung. Bürger*innen stellen in diesem Zusammenhang jedoch nicht nur das passive Objekt der Verwaltung dar, sie nutzen und provozieren Verwaltung und tragen wesentlich zur Verwaltung bei. Dies lässt sich auch an vielfältigen freiwilligen wie unfreiwilligen Begegnungen im Rahmen der „street level bureaucracy“ (Lipsky) nachvollziehen und untersuchen.
Auch in dieser Perspektive sind Verwaltungsakten eine wichtige Quelle für Historiker*innen. Sie können auf unterschiedliche Art und Weise gelesen und interpretiert werden. Oft, vor allem von Seiten der Geschichtsschreibung, werden die offensichtlichen Inhalte der Akten in den Vordergrund gestellt, häufig gilt das das Interesse auch der Wissensproduktion und ihren Werkzeugen, etwa den Formularen. In den Sozialwissenschaften hingegen werden zahlreiche Studien unternommen, die das Gewicht auf die Frage der Interaktion zwischen Vertreter*innen bestimmter Behörden und Parteien legen. Dabei stellt sich auch die Frage, inwiefern sich in diesen Interaktionen nicht nur bestimmte Attitüden der Parteien oder Klient*innen, sondern auch spezifische (nationale oder auch behördenspezifische) Verwaltungskulturen feststellen lassen.
Das Seminar befasst sich konzeptionell wie empirisch mit den Facetten und Problemen der wissenschaftlichen Erforschung solcher bürokratischen Begegnungen. Am Beginn des Semesters wird ein Überblick über Zugänge der Forschung erarbeitet, es werden gemeinsam Grundlagentexte gelesen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit diesem Phänomen befassen. Gemeinsam werden mögliche Themen und Fragestellungen empirischer Arbeiten, dafür in Frage kommende und verfügbare Quellen und methodische Herangehensweisen besprochen. Die Studierenden werden dabei unterstützt, ein Thema zu wählen und auf der Grundlage der Fachliteratur auszuarbeiten. Exemplarisch sollen dafür auch Quellen analysiert und interpretiert werden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

• Gemeinsame Lektüre und Diskussion von Texten
• Vermittlung von Fähigkeiten der Auswahl adäquater Quellen und Methoden zu deren Interpretation und Analyse
• Individuelle Betreuung der Studierenden bei der Themenfindung und Präzisierung des Gegenstandes und der Fragestellungen ihrer Bachelorarbeit
• Kurzpräsentation der BA-Arbeit, Diskussion und Feedback zur Rohfassung der Arbeit

https://mtbl.univie.ac.at/storage/media/mtbl02/2018_2019/2018_2019_188.pdf

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

• Regelmäßige Teilnahme (maximal 2 Fehlstunden), Mitarbeit und Engagement in der Lehrveranstaltung (30%)
• Präsentation und Kommentar (20%)
• Schriftliche Arbeiten (50%): Verfassen und fristgerechte Abgabe eines Exposés (1 Seite +Bibliographie) und einer Abschlussarbeit: Bachelorarbeit 2 im Umfang von ca. 65.000 Zeichen, (± 5%), einschließlich Leerzeichen, Fußnoten, Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Bibliographie, ohne Grafiken (= ca. 25 Manuskriptseiten, 1½ zeilig, 12pkt.); Kurzzusammenfassung (Abstract) von ca. 1.000 Zeichen.

Prüfungsstoff

Literatur

Pierre Bourdieu: Über den Staat. Vorlesungen am Collège de France 1989-1992. Hsg. von Patrick Champagne, Remi Lenoir, Franck Poupeau, Marie-Christine Rivière. Frankfurt/M. 2014.
Keith Breckenridge and Simon Szreter (Hg.): Registration and Recognition. Documenting the Person in World History. Oxford 2012.
Vincent Dubois: The Bureaucrat and the Poor. Encounters in French Welfare Offices. Ashgate, Farnham 2010.
Michel Foucault: Die Gouvernementalität. In: Ders.: Analytik der Macht. Frankfurt/M. 1994, 148-174.
Robert Garot: Sprachspiele im Wohnungsamt. In: Peter Becker (Hg.): Sprachvollzug im Amt. Kommunikation und Verwaltung im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts. Bielefeld 2011, 157-184.
Charles T. Goodsell (Hg.): The Public Encounter. Where State and Citizen Meet. Bloomington 1981.
Waltraud Heindl: Josephinische Mandarine. Bürokratie und Beamte in Österreich. Vol. 2: 1848 bis 1914. Wien, Köln, Graz 2013.
Michael Lipsky: Street-Level Bureaucracy. Dilemmas of the Individual in Public Services. New York 1980.
Otto Penz et al.: Affektive Interaktionsarbeit in der öffentlichen Arbeitsvermittlung in Österreich, Deutschland und der Schweiz. AIS-Studien, 8 (1) 2015, 21-36.
Axel Pohn-Weidinger: Akten und Fakten: Zur Konstruktion von Beweisen im Kontakt zwischen BürgerInnen und Behörden. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 2017/42, 281-299.
Thomas Scheffer: Asylgewährung. Eine ethnographische Verfahrensanalyse. Berlin, Boston Oldenbourg 2016.
Wolfgang Seibel: Verwaltung verstehen. Eine theoriegeschichtliche Einführung. Berlin 2016.
Pavla Vošahlíková: Von Amts wegen: K. k. Beamte erzählen. Wien 1998.
Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Frankfurt/Main 2005.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA Geschichte (2019): 10 ECTS
BA Geschichte (2012): 9 ECTS
BEd UF Geschichte: 8 ECTS

Letzte Änderung: Di 02.11.2021 14:28