Universität Wien FIND
Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

070271 VO Ringvorlesung (2018S)

Revolutionen und Guerillabewegungen in Kontinentalamerika und der Karibik im 19. und 20. Jahrhundert

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 7 - Geschichte

An/Abmeldung

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Beginn 12.4.! Blocktermine 14.6., 21.6., 28.6.. Schriftl. Prüfung 5.7.
Die Ringvorlesung findet in Kooperation mit dem Forschungs- und Kulturverein für Kontinentalamerika (KonaK Wien) statt.
Die spanischsprachigen Vorträge werden ins Deutsche übersetzt.

Donnerstag 12.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 32 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 19.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 32 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 26.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 32 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 03.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 32 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 17.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 32 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 24.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 32 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 07.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 32 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 14.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 32 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 14.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 21.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 32 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 21.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 28.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 32 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Donnerstag 28.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Das Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen brachte in Lateinamerika und der Karibik andere Resultate als in Europa. Im Gefolge der Französischen Revolution schaffte bereits die erste Revolution des 19. Jahrhunderts, die Sklavenrevolution in der französischen Kolonie Saint-Domingue (1791-1804), die Sklaverei ab und erkämpfte die Unabhängigkeit von Frankreich (1804). Insbesondere der Sieg der "schwarzen Guerrillaarmee" gegen die französische Armee, der mit dem Massaker der Kolonisten einherging, verbreitete Furcht und Schrecken in der westlichen Hemisphäre. Andererseits ermutigte der Fall Haiti Antikolonialisten und Abolitionisten in ihrem Kampf gegen die Metropolen. Während die Revolutionäre in Haiti die weiße Oberschicht eliminierten, hielt sich diese im Prozess der Unabhängigkeit der spanischen und portugiesischen Kolonien Süd- und Mittelamerikas an der Macht. Im nördlichen Südamerika entstanden mehrere Unabhängigkeitsbewegungen, vor allem, nachdem Spanien 1808 bonapartistisch wurde. Das erfolgreichste "revolutionäre" Unabhängigkeitsprojekt in Südamerika war die Gründung der Republik Großkolumbien (1821-1830) durch den aus Venezuela stammenden "Befreier" Simón Bolivar.
Im Gegensatz zu Europa fanden in Lateinamerika und der Karibik im 19. Jh. keine bürgerlichen Revolutionen sowie keine Agrarreformen statt. So durchlief die erste Revolution des 20. Jahrhunderts, die mexikanische Revolution (1911-1940), über 3 Jahrzehnte verschiedene revolutionäre Phasen (eine liberal-bürgerliche, eine bäuerliche und eine proletarische) und institutionalisierte letztlich eine eigenes politisches System mit einer Staatspartei "der institutionalisierten Revolution". 1952 mündeten Minenarbeiterstreiks in Bolivien in eine Revolution unter Víctor Paz Estenssoro, der ähnlich wie ein Jahr zuvor in Guatemala unter Jacobo Arbenz (1951-54), eine Agrarreform sowie die Verstaatlichung der Bergbaubetriebe in Angriff nahm. Von Paz Estenssoro begeistert zeigte sich der junge argentinische Arzt Ernesto Guevara, der Bolivien 1953 bereiste und 1955 in Mexiko-Stadt auf den kubanischen Rebellen Fidel Castro traf. Gemeinsam kämpften sie ab 1956 Seite an Seite auf Kuba in der Guerrilla. Die Revolution auf Kuba war die Folge ihres Sieges. Die Agrarreform Castros war ein erster Meilenstein des revolutionären Prozesses. Der Sieg der kubanischen Revolution löste einen Zyklus revolutionärer Bewegungen in Lateinamerika aus - in weiterer Folge auch einen Zyklus "anti-imperialistischer" Revolutionen und Bewegungen in Afrika und Asien. Die revolutionären Regierungen in Peru (1968-75), Chile (1970-73) und Nicaragua (1979-1990) wären ohne die Ausstrahlung und den Einfluss des kubanischen Beispiels wahrscheinlich nicht zustande gekommen. Sogar auf die englischsprachige Karibik strahlte die kubanische Revolution aus - auf Grenada, Jamaika und in Guyana etablierten sich zeitweise Regierungen, die sich als revolutionär verstanden. Anfang der 1990er Jahre versammelte das Wahlbündnis für eine neue Republik in Venezuela verschiedene urbane Protestbewegungen und Linksparteien unter der Führung des 1992 aus der Armee entlassenen Oberstleutnants Hugo Chávez. Nach dem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 1998 entstand daraus die "bolivarische Revolution".
Die RV verwendet einen weiten Revolutionsbegriff, der auch die rein politische Zäsur der Unabhängigkeitskriege und Revolutionen "von oben" (des Militärs in Peru) includiert. Da wenige Revolutionen in den 2 Jahrhunderten des post-kolonialen Lateinamerika langfristig erfolgreich in dem Projekt einer sozialen Umwälzung waren (neben Saint Domingue/Haití: Mexico, Cuba; z.T. Nicaragua, Bolivien, Venezuela) wird der Blick auch auf revolutionäre Guerrillabewegungen ausgeweitet. Übergeordnete Fragestellung ist, inwieweit sich lateinamerikanische Revolutionen in globale Revolutionszyklen einordnen lassen, ob sie eigene revolutionäre Zyklen ausbildeten und welche Spezifica diese in einem globalgeschichtlichen Blickwinkel aufweisen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Prüfung

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Beteiligung an der Diskussion
Schriftliche Prüfung (Vorträge + angegebene Lit.)

Prüfungsstoff

Programm:
1 Do. 12.4.2018 Theorien und Konzepte: Revolution und Guerrilla Berthold Unfried, Universität Wien / Christian Cwik, Univ. of the West Indies
2 Do. 19.4.2018 Die Sklavenrevolution in Saint-Domingue (1789-1804): Überblick, Folgen und Kontroversen Ulrike Schmieder, Universität Hannover
3 Do. 26.4.2018 Die Revolution des Militärs in Peru Uwe Plachetka, Universität Wien
4 Do. 03.5.2018 Guerrilla und Volksbewegungen in Guatemala (1960-2000) Berthold Molden, Universität Wien
5 Do. 17.5.2018 Strukturen und Kulturen der Guerrilla am Beispiel von El Salvador, Nicaragua und Chiapas Leo Gabriel, Wien
6 Do. 24.5.2018 Revolutionen in Bolivien Robert Lessmann, Universität Köln
7 Do. 7.6.2018 Reservetermin
8-9 Block Do. 14.6.2018:
La revolución mexicana y la lucha de clases Bernardo García Diáz, Univ. Veracruz
Die chilenische Volksfront 1970-73 Georg Schendl Konak Wien
10-11 Block Do. 21.6.2018:
Guerrilla und Revolution in Kuba 1953-2018 Michael Zeuske, Universität Bonn
Las diferentes etapas del proceso revolucionario en Cuba Sergio Guerra Vilaboy, Univ. de La Habana
12-14 Block Do. 28.6.2018:
Widerstand in Kolumbien. Entstehungsbedingungen und Wirken der revolutionären Guerrilla in den 1950er-1990er Jahren Hans Joachim König, Katholische Universität Eichstätt
Die Bolivarische Revolution: Guerrilla, Militär und ziviler Widerstand in Venezuela Christian Cwik, Univ. of the West Indies
Caribbean Socialism: The cases of Guyana and Grenada Michael Toussaint, Univ. of the West Indies
15 Do. 05.7.2018 Prüfung

Literatur

DeFronzo James, Revolutions and revolutionary movements, 3. Aufl. Boulder 2007
oder: DeFronzo James, Revolutionary movements in world history. From 1750 to the present, Bd. 1-3, Sta. Barbara-Denver-Oxford 2006
Wickham-Crowley Timothy, Guerrillas and revolution in Latin America. A comparative study of insurgents and regimes since 1956, Princeton 1993

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

MA Globalgeschichte & Global Studies: VO Vertiefung 1 (4 ECTS) | MA Geschichte: VO im PM4 (4 ECTS)

Letzte Änderung: Do 05.09.2019 12:49