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070287 KU Globalgeschichtliche Arbeitstechniken (2015W)

The cross-linked global world of the 19th century

3.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 7 - Geschichte
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Englisch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 15.10. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 22.10. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 29.10. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 05.11. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 12.11. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 19.11. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 26.11. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 03.12. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 10.12. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 17.12. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 07.01. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 14.01. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 21.01. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)
Donnerstag 28.01. 15:00 - 16:30 (ehem. Hörsaal 46 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8)

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Durchdringung Afrikas durch europäische Mächte kann ohne Zweifel als Beginn einer neuen historischen Phase des Kontinents betrachtet werden. Sie führte zwar zur Destabilisierung bestehender Gesellschaftsstrukturen, konnte diese dennoch nicht komplett ausradieren. Die aktuelle afrikanische Historiographie bestätigt die Existenz von komplexen präkolonialen Gesellschaften, die dem transatlantischen Sklavenhandel wie auch dem Kolonialismus vorangegangen sind: etwa die großen Kaiserreiche Ghana, Mali, Gao (7. bis 12. Jahrhundert) oder die Königreiche Tekrur, Waalo, Fuuta Tooro.
Der Sklavenhandel [auch Dreieckhandel genannt] sowie der Kolonialismus stellen eigentlich zwei wesentliche Momente der Globalisierung in Afrika dar. Zweimal wurde in vielen afrikanischen Regionen den natürlichen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Entwicklungslauf entscheidend gestört. Dies führte jedes Mal zu einer Destabilisierung der betroffenen Gesellschaften. So löste der Sklavenhandel [Anfang des 16. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts] einen demographischen Aderlass und zugleich ein ökonomisches Desaster aus. Durch den Kolonialismus [begann im Grunde mit Kolumbus‘ Entdeckung Amerikas (Bahamas, 1492); konkret wird aber die Phase nach der Berliner Konferenz (Wettlauf um Afrika, 1884) gemeint] wurde der schon bestehende Destabilisierungsprozess automatisch fortgesetzt.
Überzeugt von der Überlegenheit der europäischen Zivilisation begannen Franzosen oder Engländer, eigene Kolonialreiche zu errichten. In dieser Hinsicht hat Frankreich, um seine Kolonial- sowie Assimilationspolitik legitimieren zu können, auf die universalen Ideale der Revolution zurückgreifen müssen. Frankreich war die einzige Metropole, die versucht hat, das Konzept der Assimilation in die Tat umzusetzen. Dies führte im Laufe des Kolonisierungsprozesses zu einer intensiven Debatte über zwei Herrschaftsmodelle: Assimilation und/oder Assoziation. Das Assoziationsprinzip fußte auf dem Argument, außereuropäische Völker hätten eigene soziale und kulturelle Werte, die auf jeden Fall anerkannt werden mussten. Assimilation hingegen bedeutete die vollständige Integration in die „grande Nation“, also die unbeschränkte Identifizierung zwischen Kolonialherren und Dominierten. Die Logik der Assimilation bestand also darin, spezifische Zivilisationsmerkmale kolonisierter Völker einfach zu negieren. Diese sollten nämlich durch die Übernahme der metropolitanen Kultur von ihrer „historischen Stagnation“ befreit werden. Dennoch waren Verfechter beider Konzepte sich darüber einig, dass weder Assimilation noch Assoziation ein Hindernis für die französische Vorherrschaft darstellen sollten. Die Briten hatten ebenfalls eine eigene Zivilisierungsdoktrin, die allerdings nicht so intensiv und nüchtern betrieben wurde wie die französische Mission civilisatrice. Der britische Führungsanspruch wurde später dadurch bestätigt, zumal London sich rühmen konnte, das größte Kolonialreich zu besitzen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Voraussetzungen für einen positiven Abschluss: regelmäßige und aktive Teilnahme; kurze Referate halten; Verfassen von kleinen Hausaufgaben bzw. einer schriftlichen Arbeit.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Aufgabe der LV ist es, anhand von Archivdokumenten und wissenschaftlichen Texten die ideologische Basis der „Mission civilisatrice“ zu beleuchten bzw. das französische Sendungsbewusstsein [in Zusammenhang mit der europäischen Kolonialexpansion] zu analysieren. Ferner werden Auswirkungen der von der Kolonialadministration konsequent durchgeführten Assimilationspolitik auf die Emanzipationsbewegungen sowie die massive Einflussnahme der kulturellen Werte Frankreichs auf die Grundhaltung afrikanischer Antikolonialisten erläutert. Am Beispiel von historischen Quellen und Werken wird der Versuch unternommen, durch regelmäßige Übungen Themen zu finden, Fragestellungen zu formulieren, eigene Thesen aufzustellen, vorhandene Theorien zu analysieren und deuten, Quellen zu suchen bzw. auswählen, Quellen in Referaten und schriftlichen Arbeiten zu verwenden, Quellen und Thesen zu belegen oder widerlegen, Zitierregeln richtig anzuwenden etc… Am Ende des Semesters sollten die Kurs-TeilnehmerInnen in der Lage sein, sich der geschichtswissenschaftlichen Techniken selbstständig zu bedienen und somit auch Referate zu halten und schriftliche Arbeiten zu verfassen.

Prüfungsstoff

Literatur

1. Albertini, Rudolf: Europäische Kolonialherrschaft 1800-1840, Atlantis Verlag, Zürich/Freiburg 1976.
2. Ansprenger, Franz: Politik im Schwarzen Afrika: Die modernen politischen Bewegungen in Afrika französischer Prägung, Westdeutscher Verlag, Köln/Opladen 1961.
3. Balibar, Etienne / Wallerstein, Immanuel: Rasse, Klasse, Nation: ambivalente Identitäten, Suhrkamp Verlag, Hamburg/Berlin 1990.
4. Betts, Raymond F.: Assimilation and Association in French Colonial Theory, University of Nebraska Press 2005.c
5. Césaire, Aimé: Über den Kolonialismus, Berlin 1968.
6. Chafer, Tony / Sackur, Amanda: Promoting the Colonial Idea. Propaganda and Visions of Empire in France, Palgrave Macmillan 2002.
7. Conklin, Alice L.: A Mission to Civilize: The Republican Idea of Empire in France and West Africa, Stanford University Press 1997.
8. Daus, Ronald: Die Erfindung des Kolonialismus, Hammer Verlag, Wuppertal 1983.
9. Fanon, Frantz: Die Verdammten dieser Erde, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1981.
10. Fanon, Frantz: Schwarze Haut, weiße Masken, Syndikat Verlag, Frankfurt am Main 1980.
11. Frobenius, Leo : Kulturgeschichte Afrikas. Prolegomena zu einer historischen Gestaltlehre, Zürich 1900 / Wuppertal 1998.
12. Geiss, Immanuel: Geschichte des Rassismus, Frankfurt am Main 1988.
13. Ginio, Ruth: French Colonialism Unmasked: The Vichy Years in French West Africa, University of Nebraska Press, Lincoln/London 2006.
14. Gobineau, Joseph Arthur (Comte de): Essai sur l’inégalité des races humaines, Editions Pierre Belfond, Paris 1967.
15. Hänel, Karl: Das französische Kolonialreich, Wilhelm Goldmann Verlag, Leipzig 1940.
16. Harding, Leonhard: Einführung in das Studium der afrikanischen Geschichte. LIT Verlag, Hamburg 1994.
17. Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte [Band 12], Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1970.
18. Leclerc, Gérard: Anthropologie und Kolonialismus, Carl Hanser Verlag, München 1973.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

MA Globalgeschichte und Global Studies: APM Grundlagen der Globalgeschichte, Globalgeschichtliche Arbeitstechniken (3ECTS) |

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:30