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080021 UE Übung: "UdSSR im Bau" (1930-1940): Zwischen Produktion und Propaganda (2022W)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

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Details

Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 10.10. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 17.10. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 24.10. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 31.10. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 07.11. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 14.11. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 21.11. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 28.11. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 05.12. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 12.12. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 09.01. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 16.01. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 23.01. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20
Montag 30.01. 09:00 - 10:30 Seminarraum 2 d. Inst. f. Kunstgeschichte UniCampus Hof 9 3F-EG-20

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die propagandistische Reportage-Zeitschrift USSR im BAU wurde in Moskau von 1930 bis 1941 auf vier Sprachen herausgegeben, gestaltet von bedeutenden Künstler*Innen und Fotograf*Innen, die das sozial-zweckmässige Schaffen im staatlichen Auftrag begrüßten. Auf diverse Themen ausgerichtete Nummern sollten auch das ausländische Publikum von der Richtigkeit des sozialistischen Weges überzeugen. Das Massenmedium aus der Zeit der Industrialisierung ist eine hervorragende Quelle, die die sozial- und geopolitischen bzw. politökonomischen Prozesse im engen Zusammenhang mit der Geschichte der sozialistischen Ästhetik und konkurrierender Kunstideologien der 1920er bis 1930er Jahre vorführt. Experimente im Bereich der Konstruktions- und Materialästhetik, zu deren Plattform USSR im BAU sich zunächst entwickelte, gehen am Ende der 1930er Jahre mit der Totalisierung der staatlichen Doktrin des Sozialistischen Realismus rasant zurück.

Die Bilderzählungen öffnen den Blick in die optimistische Moderne mit ihrem Glauben an die unendlichen Möglichkeiten der Vernunft und der Technik, an die «Beherrschung der Natur» durch Arbeitsorganisation und Enthusiasmus. Alle Bereiche des «sozialistischen Lebensbaus» umfassend, dienten sie nicht zuletzt der Vermittlung des dialektisch-materialistischen Wissens. Trotz ethischer und epistemischer Kluft beschäftigen uns auch heute Aspekte der damaligen marxistischen Aufklärung, wie die materielle Verbundenheit von natürlichen und sozialwirtschaftlichen Systemen oder das Sichtbarmachen der Arbeit und der Produktionsabläufe.

Auf den Seiten der Zeitschrift lässt sich die fatale Veränderung der politischen Realität verfolgen: Das Territorium des multinationalen Kolonialimperiums wird innerhalb des Jahrzehnts politisch und wirtschaftlich zentralisiert, der integrative Kult des Parteiführers Stalin erreicht eine beispiellose Dimension, die Kriegsmaschine wird durch den Staatsapparat entwickelt. USSR im BAU begleitete und prägte die fortschreitende Umwandlung des postrevolutionären Russlands und kolonisierten Territorien in eine totalitäre Diktatur. Wie lässt sich die Herausbildung, Verfestigung und Ikonisierung des totalitären Regimes Jahr für Jahr rekonstruieren? Diese Frage steht heute wieder schmerzhaft und benötigt die Aufmerksamkeit.

In der Übung erschließen wir das wenig erforschte Medium als eine (kunst)historische Ressource, die uns heute über die Industrialisierung und materiell-wirtschaftliche Produktion, Kolonisierung, Kollektivierung des Bodens, Naturbeherrschung und Rohstoffgewinn, Gleichstellung der Frau, Verehrung der Parteiführer mehr erzählt, als ihre offiziell verordnete Botschaft es vorsah. In der genauen Betrachtung der thematisch ausgewählten Ausgaben beschäftigen wir uns sowohl mit Inhalten und Ikonografien, als auch mit Diversität der formal-konstruktiven und materialästhetischen Gesten der Gestalter*innen, wenn möglich, im Kontext ihrer eigenen Schriften. Mit Originalheften auf dem Tisch und mit relevanten Diskursbeispielen aus den Kunst- und Kulturmanifesten, Filmgeschichte, Bildtheorie, Politökonomie und Arbeitswissenschaft ausgerüstet, üben wir das Medium in seiner historischen Komplexität und materieller Konkretion exemplarisch zu erfassen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

-Aktive Arbeit mit Bild- und Textquellen und Beteiligung an Diskussion
-Präsentationen der „Close Readings“ von einzelnen Heften oder der Studien von mehreren thematischen Ausgaben in Einzel- oder Gruppenarbeit in Form von Essay oder Referaten.
-Zusammenfassung eigener Beobachtungen in Moodle

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

- Anwesenheitspflicht. Bei Absenz wegen Krankheit oder familiärer Ausnahmesituation ist ein schriftlicher Nachweis vorzulegen.
- Für einen positiven Abschluss der Lehrveranstaltung müssen alle Teilleistungen erbracht werden.

Beurteilungsmaßstab:

- Beteiligung an Diskussionen 30%
- Präsentation 40%
- Aktivität in Moodle 30%

Prüfungsstoff

Literatur

Eine Literaturliste wird in einem zu der ersten Sitzung zusammengestellten Programm enthalten sein. Fotokopien von UdSSR im BAU und Pflichtlektüre werden im Moodle zur Verfügung gestellt.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 26.09.2022 14:28