Universität Wien FIND

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Regelungen zum Lehrbetrieb vor Ort inkl. Eintrittstests finden Sie unter https://studieren.univie.ac.at/info.

Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

080072 SE B610 Gesellschaft: Dingräume und Dingkrisen. Mensch-Ding-Beziehungen im urbanen Kontext (2021S)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
DIGITAL

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Samstag, 13. März 2021/ Einführung 11.00 bis 13.00 Uhr

Samstag, 24. April 2021/ 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr und 14.00 bis 16.00 Uhr (Diskussion per moodle bis zum nächsten Termin)

Samstag, 15. Mai 2021/ 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr und 14.00 bis 16.00 Uhr
(Diskussion per moodle bis zum nächsten Termin)

Samstag, 29. Mai 2021/ 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr und 14.00 bis 16.00 Uhr (Eventuell Hybrid?) Diskussion per moodle bis zum nächsten Termin

Samstag, 05. Juni 2021/ 11.00 bis 13.00 Uhr
(Abschlusssitzung und Vorbesprechung der Hausarbeiten)

Samstag 13.03. 11:00 - 13:00 Digital
Samstag 24.04. 11:00 - 13:00 Digital
Samstag 24.04. 14:00 - 16:00 Digital
Samstag 15.05. 11:00 - 13:00 Digital
Samstag 15.05. 14:00 - 16:00 Digital
Samstag 29.05. 11:00 - 13:00 Digital
Samstag 29.05. 14:00 - 16:00 Digital
Samstag 05.06. 11:00 - 13:00 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die meisten Menschen besitzen so viele Dinge wie nie zuvor in der Geschichte. Hatte ein Bewohner eines bäuerlichen Haushalts im Mittelalter einige Dutzend Gegenstände, so sind es heute pro Person im Schnitt 10.000 hoch 1. Diese Dinge konkurrieren mehr und mehr mit den Menschen um ihre Räum-vor allem in der Stadt, wo Platz eine umkämpfte Ressource ist und es immer weniger "Dingräume" gibt. In den Häusern sind die Dachböden hell und bewohnt, die Keller verschwunden. Ganze Straßenzüge werden aus Kostengründen ohne Unterkellerung gebaut. Im effizient geschnittenen Apartment gibt es keine Speise-und Rumpelkammern. Bezahlbare Wohnungen sind ein knappes Gut geworden, und manchmal finden die Dinge auch in einem Selfstorage-Abteilein Zuhause; den neusten Dingräumen, in sich verändernden urbanen Infrastrukturen. Die materielle Präsenz der Dinge ist aber nicht nur Anlass zu praktischen Fragen des Gebrauchs, der Sorge und Entsorgung, sondern oft genug Ausgangspunkt einer innigen, sentimentalen Beziehung, einer "Hingabe an die Dinge". Dinge verbinden uns mit unserer eigenen Geschichte und mit unserer Umgebung.
Der britische Anthropologe Daniel Miller konstatiert, dass "unser Verhältnis zu den Dingen keineswegs oberflächlich ist und dass es sich sogar förderlich auf unsere Beziehungen zu anderen Menschen auswirkt". Die mit der eigenen Geschichte behafteten Gegenstände zu kuratieren, ist nicht immer leicht. Sie auszuwählen und handzuhaben ist eine hochindividualisierte Konsumpraxis: Capitalisme sentimental. Es erfordert fortwährende Konsum-und Entsorgungsentscheidungen, Zeit, Geld, eine unaufhörliche Ordnung und Aktualisierung von Gefühlen und ein planmäßiges Management von Ausstellungsräumen und Depots.
Das Seminar vermittelt entlang der Beschäftigung mit "Dingräumen" eine erste kurze Einführung in Raumtheorien und Mensch-Ding-Beziehungen-ausgehend "Von der Poetik des Raums" bis hin zum "Trost der Dinge", von Heterotopien zu Archiven des Selbst, vom Imperativ eines neuen Minimalismus zu Fragen der Nachhaltigkeit. Der materielle Raum wird dabei mit Halbwachs als zentrales Erinnerungsmedium verstanden und mit Ingold alsprozessual verschränktes und nicht rein topologisches Modell.Neben der Lektüre soll in kleineren Übungen das theoretisch-methodische Forschungswissen exemplarisch angewandt und erprobt werden, um die Dinge zum Sprechen zu bringen. Als Ausgangspunkt dient dabei das literarische Konzept derZimmerreise, das hier als ethnographische Methode angewandt wird.
Geplant ist außerdem ein Exkursionsnachmittag in die Wiener Selfstorage-Landschaft.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Anforderungen für einen Leistungsnachweis und Allgemeine Teilnahmebedingungen:
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
1.Anwesenheit im gesamten Block
2.Teilnahme an Gruppenarbeit, Textvorstellung (15 Punkte)
3.Mitarbeit im Seminar (10 Punkte)
4.Diskussionsbeiträge auf Moodle (min. 4 Kurzkommentare zur Lektüre) (20 Punkte)
5.Übung I und II (je ca. 2 Seiten) (je 15 Punkte)
6.Teilnahme an Exkursion (fällt voraussichtlich aus)
7.Hausarbeit (25 Punkte)

Allgemeine Erwartungen
Anmeldung im Moodle-Kurs.
Regelmäßiges Lesen der Mitteilungen.
Anwesenheit bei den Sitzungen.
Abmeldung per Mail bei begründetem Fehlen.
Lesen der Pflichttexte.
Mitarbeit im Seminar.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Für den erfolgreichen Abschluss der LV sind zumindest 50 von 100 möglichen Punkten zu erreichen.
Notenskala:
>= 87,5 sehr gut (1)
>= 75 gut (2)
>= 62,5 befriedigend (3)
>= 50 genügend (4)
< 50 nicht genügend (5)

Prüfungsstoff

Literatur

Assmann, Aleida: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses, München 1999

Bachelard, Gaston: Poetik des Raumes, Frankfurt 1987

Beck, Petra: Capitalisme sentimental, in: Martina Nußbaumer, Peter Stuiber/ Museum Wien (Hg.): Wo Dinge wohnen. Das Phänomen Selfstorage, Zürich, Park Books 2018

Bodei, Remo: Das Leben der Dinge, Berlin 2020

Carsten, Janet/ Hugh-Jones, Stephen (Hg.): About the house. Lévi-Strauss and beyond, Cambridge 1995

De Certeau, Michel: Kunst des Handelns, Berlin 1988

Clifford, James: sich selbst sammeln, in: Korff, Gottfried: Das historische Museum, Frankfurt 1990, 87-106

Foucault, Michel: Von anderen Räumen, in: Dünne, Jörg/ Günzel, Stephan: Raumtheorie, Frankfurt 2006

Hahn, Hans Peter: Von der Ethnografie des Wohnzimmers-zur "Topographie des Zufalls", in: Tietmeyer, Elisabeth/ Hirschberger, Claudia/ Noack, Karoline/ Redlin, Jane (Hg.): Die Sprache der Dinge. Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf materielle Kultur, Münster 2010, S. 9-22

Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis und der Raum, in: Fleckner, Uwe: Die Schatzkammern der Mnemosyne, Dresden 1995

Hendon, Julia A.: Having and Holding. Memory, Knowledge and Social Relations, American Anthropologist, New Series, Vol. 102, No. 1, March 2000, 42-53

Ingold, Tim: ThePerception of the Environment, Oxon 2011

König, Gudrun M.: Konsumkultur. Inszenierte Warenwelt um 1900,Wien 2009

Kondo, Marie: Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert, Hamburg 2013

Knorr Cetina, Karin: Sozialität mit Objekten, in: Rammert, Werner (Hg.): Technik und Sozialtheorie, Frankfurt 1998, 83-120.

Marcoux, Jean-Sébastien: The ‚Casser Maison’ Ritual: Constructing the Self by Emptying the Home, in: Journal of Material Culture 2001/ 6, 213 - 235

Miller, Daniel (Hg.): Home Possessions, London 2001

Miller, Daniel: Der Trost der Dinge, Frankfurt 2011

Stiegler, Bernd: Reisender Stillstand. Eine kleine Geschichte der Reisen in und um das Zimmer herum, Frankfurt 2010

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mi 26.05.2021 14:48