Universität Wien FIND

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100015 VO NdL: Bauformen der Imagination. Literarische Architekturdarstellungen vom 19.Jhdt. bis zur Gegenwart (2020W)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 10 - Deutsche Philologie
Mo 07.12. 11:30-13:00 Digital

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Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Ab 9. 11. wird die Vorlesung bis auf Widerruf nicht mehr in Präsenz abgehalten. Stattdessen werden auf Moodle Vorlesungsskripten bereitgestellt.

Montag 05.10. 11:30 - 13:00 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Montag 12.10. 11:30 - 13:00 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Montag 19.10. 11:30 - 13:00 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Montag 09.11. 11:30 - 13:00 Digital
Montag 16.11. 11:30 - 13:00 Digital
Montag 23.11. 11:30 - 13:00 Digital
Montag 30.11. 11:30 - 13:00 Digital
Montag 14.12. 11:30 - 13:00 Digital
Montag 11.01. 11:30 - 13:00 Digital
Montag 18.01. 11:30 - 13:00 Digital
Montag 25.01. 11:30 - 13:00 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Nicht erst seit dem sogenannten topographical oder spacial turn gehört die Raumdarstellung zu den Grundkategorien der Literatur. Ereignisse, Stimmungen, selbst Denkvorgänge sind aufs engste mit einer sie begleitenden, ihnen einen Rahmen verleihenden Raumvorstellung verbunden. Was auf das alltägliche Leben zutrifft, gilt umso mehr für die Literatur. Hier ist die Darstellung fiktiver Ereignisabläufe immer an die Konstruktion eines fiktiven Raumes gebunden. Doch in einem Punkt unterscheidet sich die alltägliche Raumwahrnehmung wesentlich von derjenigen, die im Leseprozess entsteht. Denn in jener erscheint der Raum als etwas Zusammenhängendes, als ein Kontinuum, während der Fiktionsraum, den die Literatur eröffnet, diskontinuierlich, bruchstückhaft, löchrig ist.
Das selbe gilt für die Architektur als einen Bereich der Raumwahrnehmung. Während wir im sogenannten wirklichen Leben davon ausgehen, dass wir einen Innenraum oder ein Bauwerk jederzeit zusammenhängend und kohärent wahrnehmen können, sind wir in der Literatur auf einzelne Markierungen angewiesen. Die Lücken oder Leerstellen müssen wir selbst ausfüllen. Nun ist selbstverständlich schon die Wahrnehmung realer Architektur in hohem Maße von den Fähigkeiten und Intentionen, von den historischen, sozialen, kulturellen und psychologischen Voraussetzungen des Wahrnehmenden abhängig. Diese Differenzen verstärken sich, die Bandbreite der Vorstellungen von architektonischen Räumen und Strukturen vergrößert sich noch, wenn es sich um beschriebene Architektur handelt.
Wie sich beschriebene fiktive Architektur nicht bruchlos und eindeutig in einen Bauplan überführen lässt, so lässt sich gebaute Architektur nicht ohne weiteres in einen literarischen Text transponieren. Der Medienwechsel von der Architektur zur Literatur ist ein äußerst komplexer Vorgang. Die Materialien, Verfahren und Regeln, mit denen Architektur ihre Produkte hervorbringt, unterscheiden sich grundsätzlich von denen der Literatur. Literatur arbeitet mit Worten, mit Sprache, nicht mit Holz, Stein, Stahl oder Beton, nicht mit Statik-Berechnungen, nicht mit optischen Erscheinungsbildern. Was sich in der Architektur zuweilen mit einem Blick erfassen lässt, lässt sich in der Literatur nicht einmal durch endlose Beschreibungen wiedergeben. Die Architektur leistet also bei der Überführung in Literatur einen Widerstand, sie kann nicht fugenlos in ihre Formen und Regeln eingepasst werden. Aber gerade dieser Widerstand ist es, der literarisch produktiv werden kann. Die Auseinandersetzung mit den materiellen Eigenschaften und technischen Möglichkeiten der Architektur trägt zur Entfaltung literarischer Imagination und Erkenntnis bei.
Beschriebene Architektur wird dabei Teil eines literarischen Systems. Die Bedeutung und Funktion vertexteter Architektur in diesem System hat Priorität vor jeder Bedeutung außerhalb des Textes, d.h. Architektur im literarischen Text gehorcht in erster Linie der Logik des literarischen Textes. Daher ist stets nach der Funktion der Architekturdarstellung im Kontext des gesamten Werkes zu fragen. Erst wenn diese Funktion der Vertextung von Architektur geklärt ist, lassen sich ihre psychologischen, sozialen, politischen und historischen Bedeutungen diskutieren.

Drei Fragestellungen sind für die Vorlesung von zentraler Bedeutung:
1. Wie kann Architektur in einen Text ‚übersetzt‘ werden?
2. Welche spezifischen Probleme stellen sich dabei in der modernen Literatur?
3. Welche Funktionen erfüllt die Architektur in modernen literarischen Texten?

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Prüfung über den Vorlesungsstoff. Keine Hilfsmittel sind erlaubt.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Von 7 Fragen müssen mindestens 4 richtig beantwortet werden bzw. muss bei teilweiser richtiger Beanwortung ein äquivalenter Wert erreicht werden.

Prüfungsstoff

Der Stoff der gesamten Vorlesung

Literatur

Die Literatur zu den einzelnen Vorlesungen wird auf Moodle gestellt.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Do 03.12.2020 15:07