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100019 VO Neuere deutsche Literatur: Medea - Mythen - Medien: (2015S)

Das Nachleben der Antike in Literatur, Oper, Film und Kunst im 20. und 21. Jahrhundert

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 10 - Deutsche Philologie

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Details

max. 999 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 03.03. 13:15 - 14:45 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Dienstag 10.03. 13:15 - 14:45 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Dienstag 17.03. 13:15 - 14:45 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Dienstag 24.03. 13:15 - 14:45 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Dienstag 14.04. 13:15 - 14:45 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Dienstag 21.04. 13:15 - 14:45 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Dienstag 28.04. 13:15 - 14:45 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Dienstag 05.05. 13:15 - 14:45 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Dienstag 12.05. 13:15 - 14:45 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Dienstag 19.05. 13:15 - 14:45 Hörsaal 7 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 7
Freitag 29.05. 18:00 - 21:00 Hörsaal 41 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 8
Samstag 30.05. 09:45 - 18:15 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Am Beispiel von Medea, um die sich als Mörderin des Bruders, des Onkels, der Nebenbuhlerin und der beiden Kinder eine Aura aus Schrecken und Faszination gebildet hat, werde ich der Frage nachgehen, was die Provokation dieser Figur ausmacht und warum sie gerade in der Gegenwart zu einer Ikone in aktuellen Geschlechter- und Alteritätsdebatten geworden ist.

Dazu einige Stichworte: Medea wird immer dann als Bewältigungsfigur aufgerufen, wenn politische und familiale Ordnungen in die Krise geraten, wie z.B. nach dem Zweiten Weltkrieg, als über die 'Schuld' der Mütter debattiert wurde, oder nach 1989, als die Geschlechterordnungen in Ost- und West politisch neu verhandelt wurden. Vor allem der Frauenbewegung nach 1968 und der feministischen Neuorientierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts diente die 'mörderische Mutter' als positive oder negative Identifikationsfigur im 'Kampf der Geschlechter'. Je nach politischer Einstellung wurde sie entweder zum Schreckbild weiblicher 'Emanzipation' oder zum Wunschbild starker 'Weiblichkeit' stilisiert. In der Gegenwart ist sie eine zentrale Projektionsfigur in den Auseinandersetzungen um Ethnizität und Rassismus. Als 'Fremde' und 'Ausländerin', als die sie bereits bei Euripides erscheint, bietet sie eine grandiose Projektionsfläche für abweichendes und fremdartiges Verhalten. Nicht zufällig wird Medea im 20. Jahrhundert häufig als 'Zigeunerin', 'Negerin oder 'Jüdin' imaginiert oder als hybride Figur der Vermischung entworfen. Schließlich ist sie eine wichtige Reflexionsfigur in den Auseinandersetzungen um die Bedeutung von Gewalt. Die Frage nach der Legitimität von Gewalt stellt sich im Falle von Medea in besonderer Schärfe, da sie mit ihren Taten in archaische Praktiken der Blutrache und des Menschenopfers zurückfällt, die in den politischen Auseinandersetzungen der Gegenwart eine bestürzende Aktualität gewonnen haben.

In der Vorlesung werde ich nicht nur zentrale literarische Rezeptionszeugnisse vorstellen, sondern auch auf Filme sowie ausgewählte Musik- und Theaterproduktionen eingehen, die eine wichtige Rolle bei der Neukonzeptionierung der Figur spielen: Medea ist zu einer Figur der Überschreitung avanciert, die nicht nur Antike, Moderne und Postmoderne verbindet, sondern auch einen produktiven Austausch zwischen verschiedenen Medien initiiert hat.

Zusätzlich zu der Vorlesung wird eine Filmreihe angeboten, in der neben den beiden 'klassischen' Medea-Filmen von Pasolini und Trier auch eher unbekannte Produktionen (Dassin, Stöckl, van Gogh, Krebitz) Berücksichtigung finden werden. Darüberhinaus werden Mitschnitte von spektakulären internationalen Theater- und Opernaufführungen gezeigt, die in sehr unterschiedlicher Weise mit dem 'blutigen Erbe' Medeas umgehen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

(I 1242, I 2240, I 2900) - Diese LV kann als Gender-LV angerechnet werden.

Letzte Änderung: Di 17.12.2019 16:52