Universität Wien FIND
Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

100096 PS Neuere deutsche Literatur: Hermaphroditismus in zeitgenössischer Literatur (2012S)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 10 - Deutsche Philologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 40 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 08.03. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 15.03. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 22.03. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 29.03. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 19.04. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 26.04. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 03.05. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 10.05. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 24.05. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 31.05. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 14.06. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 21.06. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)
Donnerstag 28.06. 08:30 - 10:00 (ehem.Übungsraum 1 Germanistik Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9)

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Hermaphroditen als zwischen- oder zweigeschlechtliche Wesen füllen die Seiten der Literatur seit Jahrtausenden. Antiken Traditionen folgend werden Hermaphroditen dabei hauptsächlich als Symbol für Vollkommenheit und Harmonie aufgegriffen. Als Verkörperungen eines abstrakten Konzepts von Androgynie synthetisieren sie männliche und weibliche Eigenschaften zu einem vollkommenen Ganzen. Ohne diese Traditionen gänzlich aus den Augen zu verlieren, stellen sich zeitgenössische literarische Texte zum Thema in eine neue Tradition: Hermaphroditismus ist zu einer Krankheit im medizinischen Sinne geworden. In der Medizin wird Hermaphroditismus (resp. Intersexualität oder DSD) seit dem 19. Jahrhundert als embryonale Fehlentwicklung im Sinne einer Störung der somatosexuellen Geschlechtsdifferenzierung eingestuft. Die Pathologisierung des Phänomens führt nun dazu, dass Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen MedizinerInnen überantwortet werden, deren Aufgabe es ist, geschlechtliche Eindeutigkeit herbeizuführen. Die medizinische Standardbehandlung sieht dabei seit den 1950er Jahren operative Eingriffe im Kleinkindalter (und später) und Hormonbehandlungen vor. Die schwierige Frage nach der Zuweisung des Geschlechts hat indes zur Folge, dass sich Hermaphroditismus zu einem paradigmatischen Streitthema innerhalb der Medizin (nature-nurture-Frage) entwickelt. In diesem Zusammenhang werden seit den 1990er Jahren auch die Gender Studies vermehrt auf das Thema aufmerksam und unterziehen sowohl die Behandlungsmethoden als auch das diesen zugrunde liegende binär ausgerichtete System des Geschlechterdimorphismus heftiger Kritik. Im Rahmen der LV gilt es nun, sich zum einen mit diesen theoretischen Diskussionen auseinander zu setzen und zum anderen zu analysieren, auf welche Weise diese Eingang in die zeitgenössische Literatur (Autobiographie, Familienroman, Kriminalroman u.a.) gefunden haben. Dabei werden wir auch einen Blick auf das zeitgenössische Filmschaffen zum Thema sowie in historische Texte (Griech./Röm. Mythologie und ihre weitere Verarbeitung; historische Autobiographien) werfen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Note setzt sich zusammen aus: regelmäßige Anwesenheit; Mitarbeit; vorbereitende Lektüre und Erstellen kleinerer schriftlicher Arbeiten während des Semesters; Gruppenreferat, Verfassen einer eigenständigen, wissenschaftlichen Arbeit (ca.15 Seiten)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Auseinandersetzung mit den verschiedenen theoretischen Zugängen zur Thematik; Überblick über das zeitgenössische deutschsprachige und internationale literarische (und ggf. filmische) Schaffen zum Thema sowie über literarische Traditionen; Fähigkeit zur Übertragung der theoretischen Ansätze auf die konkrete Arbeit am Text.

Prüfungsstoff

Theoretischer Input, Vorbereitung von Theorie-Texten, abwechselnd Arbeit in Kleingruppen und Diskussionen der Themenfelder im Plenum; angeleitete und eigenständige Textanalyse.

Literatur

Von allen zu lesen ist: Jeffrey Eugenides: Middlesex (USA 2002)

Weiterführende Literatur:
Aurnhammer, Achim: Androgynie. Studien zu einem Motiv der europäischen Literatur. Böhlau: Köln/Wien 1986.
Butler, Judith: Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen. Suhrkamp: Frankfurt/Main 2009.
Diamond, Milton/Sigmundsen, Keith: Sex Reassignment at Birth: A Long Term Review and Clinical Implications. In: Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine 151. 1997: S. 298-304.
Dreger, Alice Domurat: Hermaphrodites and The Medical Invention of Sex. Harvard University Press: Cambridge/London 2000.
Fausto-Sterling, Anne: Sexing the Body: Gender Politics and the Construction of Sexuality. Basic Books: New York 2000.
Groneberg, Michael/Zehnder, Kathrin (Hg.):‚Intersex‘. Geschlechtsanpassung zum Wohl des Kindes? Erfahrungen und Analysen. Academic Press Fribourg: Freiburg 2008.
Jagow, Bettina von/Steger, Florian (Hg.): Repräsentationen. Medizin und Ethik in Literatur und Kunst der Moderne. Winter: Heidelberg 2004.
Lang, Claudia: Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus: Frankfurt/New York 2006.
Laqueur, Thomas: Making Sex. Body and Gender from the Greeks to Freud. Harvard University Press: Cambridge/London 1992.
MacLeod, Catriona: Embodying Ambiguity. Androgyny and Aesthetics from Winckelmann to Keller. Wayne State University Press: Detroit 1998.
Voß, Heinz Jürgen: Making Sex Revisited. Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive. Transcript: Bielefeld 2010.
Zehnder, Kathrin: Zwitter beim Namen nennen. Intersexualität zwischen Pathologie, Selbstbestimmung und leiblicher Erfahrung. Transcript: Bielefeld 2010.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

(I 1231, I 2900)

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:49