Universität Wien FIND

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100102 PS NdL: Glashauslektüren zwischen Literatur und Architektur (2020W)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 10 - Deutsche Philologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Die Sitzungen finden ab sofort im digitalen Modus (synchron) statt. Informationen zur verwendeten Online-Plattform werden im Moodle sowie per Mail bekannt gegeben.

Dienstag 06.10. 16:45 - 18:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7
Dienstag 13.10. 16:45 - 18:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7
Dienstag 20.10. 16:45 - 18:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7
Dienstag 27.10. 16:45 - 18:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7
Dienstag 03.11. 16:45 - 18:15 Digital
Dienstag 10.11. 16:45 - 18:15 Digital
Dienstag 17.11. 16:45 - 18:15 Digital
Dienstag 24.11. 16:45 - 18:15 Digital
Dienstag 01.12. 16:45 - 18:15 Digital
Dienstag 15.12. 16:45 - 18:15 Digital
Dienstag 12.01. 16:45 - 18:15 Digital
Dienstag 19.01. 16:45 - 18:15 Digital
Dienstag 26.01. 16:45 - 18:15 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Das Seminar nimmt architektonische und literarische Glashäuser zum Anlass für einen Parcours durch die Wissensgeschichte vom frühen 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Den theoretischen Einstieg in das Thema bildet Michel Foucaults „Die Ordnung der Dinge“ (1966). Ein Kerngedanke des Buches ist, dass in der abendländischen Kultur das Verhältnis von Wörtern und Dingen, also die Art und Weise, sich auf die Welt zu beziehen, Wissen zu erzeugen und dieses verbindlich zu organisieren, große historische Variabilität aufweist. Die moderne Wissensordnung ist in dieser Sicht nicht das Ergebnis einer kontinuierlichen Fortschrittsgeschichte. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Episteme unter vielen, deren historische Abfolge von großen Umbrüchen geprägt ist.
Glashäuser bieten mit ihren transparenten Grenzen hervorragende Gegenstände, um einige der ‚Gesetze‘ nachzuvollziehen, die die Relation des Sagbaren und Sichtbaren im westlichen Denken ordnen. Im Laufe des Semesters befassen wir uns mit unterschiedlichen Glashaus-Typen in literarischen Erzähltexten: Gewächshäusern, gefüllt nicht nur mit exotischen Pflanzen, die eines künstlichen Klimas bedürfen, sondern auch mit Figuren des Dritten, die in binär strukturierten Taxonomien keinen Platz mehr finden; Ausstellungsbauten wie dem berühmten Kristallpalast, in dem der Mensch sich mit Foucault gesprochen „als Relais definiert findet“, durch das die Produkte der industrialisierten Welt nach einer kolonialen Logik zirkulieren; Palmenhäusern und Wintergärten, deren schwüle Atmosphäre bürgerliche Subjekte in tiefe Krise stürzt. Durch die von Walter Benjamin eindrücklich beschriebenen Passagen der Moderne gelangen wir zum Glashaus als imaginärem Wohnhaus und als politischer Metapher im 20. Jahrhundert. Bei diesen Typen angekommen setzen wir uns mit Bruno Latours These „Wir sind nie modern gewesen“ (1991) auseinander. Basis der Seminargespräche bilden selbständige Textlektüren und Recherchen, schriftliche Reflexionen über die Erzähltexte im Programm, Impulsreferate und Dozenteninputs.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Es handelt sich um eine theorie- und lektüreintensive Veranstaltung. Neben der regelmäßigen Anwesenheit (max. drei Fehltermine) wird eine aktive Beteiligung am Seminargespräch erwartet.
1. Als primäre Diskussionsgrundlage dienen vorab verfasste Statements zu mindestens fünf Erzählwerken aus dem Programm im Umfang von max. einer A4 Seite, die spätestens 24 Stunden vor Beginn der jeweiligen Sitzung hochgeladen werden sollen. Die Statements sollen nicht etwa Romanhandlungen nacherzählen oder biografische Angaben zu den Autoren zusammenfassen, sondern eigene Überlegungen, Interpretationen und Fragen auch und vor allem auf der Basis der vorgeschlagenen Theorieansätze ausformulieren.
2. Die Kontextualisierung der Primärwerke (Autor, Epoche, Rezeption des Werkes) wird durch kleine Expertengruppen sichergestellt, die sich über diese Zusammenhänge informieren und kurze, instruktive mündliche Inputs (ohne Handouts oder Folien) zum Seminargespräch beisteuern.
3. Verfassen einer Hausarbeit im Umfang von 15 Seiten (Haupttext). Frist der Einreichung: 28.02.2021

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Um das Seminar zu absolvieren, muss jede einzelne Teilleistung (regelmäßige Teilnahme, aktive Mitarbeit, schriftliche Statements, Hausarbeit) erbracht werden. Für die Benotung ist aber die Hausarbeit maßgeblich.

Prüfungsstoff

Semesterprogramm

Literatur

Sämtliche theoretische Referenztexte werden über Moodle bereitgestellt. Die Primärtexte jedoch sind anzuschaffen und können gerne bereits vor Semesterbeginn gelesen werden.

Liste der anzuschaffenden Werke:
Fjodor Dostojewskij (1864): Aufzeichnungen aus dem Kellerloch. Aus dem Russischen von Swetlana Geier. Stuttgart: Reclam 1986 (Reclams Universal-Bibliothek Band 8021).
Theodor Fontane (1880): L’Adultera. Novelle. Stuttgart: Reclam 1986 (Reclams Universal-Bibliothek Band 7921).
Thomas Hettche (2014): Pfaueninsel. Roman. Köln: Kiepenheuer und Witsch.
Joris-Karl Huysmans (1884): Gegen den Strich. Roman. Aus dem Französischen von Brigitta Restorff. München: dtv 1995.
Wolfgang Koeppen (1953): Das Treibhaus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972.
Jewgenij Samjatin (1924): Wir. Roman. Aus dem Russischen von Gisela Drohla. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2006.
Paul Scheerbart (1914): Das graue Tuch und zehn Prozent Weiß. Ein Damenroman. München: edition text + kritik 1986.

Literaturhinweise:
Benjamin, Walter (1927/1940): Das Passagen-Werk. In: Ders.: Gesammelte Schriften. Hg. v. Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Unter Mitarbeit v. Theodor W. Adorno und Gershom Scholem. Bd. 5. 1. Hg. v. Rolf Tiedemann. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1991.
Michel Foucault (1966): Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften. Aus dem Französischen von Ulrich Köppen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1978.
Bruno Latour (1991): Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Aus dem Französischen von Gustav Roßler. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2013.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Do 03.12.2020 14:27