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Jetzt impfen lassen für ein sicheres Miteinander im Herbst!

Um allen Angehörigen der Universität Wien einen guten und sicheren Semesterbeginn zu ermöglichen, gibt es von Samstag, 18. September, bis Montag, 20. September die Möglichkeit einer COVID-19-Impfung ohne Terminvereinbarung am Campus der Universität Wien. Details unter https://www.univie.ac.at/ueber-uns/weitere-informationen/coronavirus/.

Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

100231 VO NdL: Norm und Abweichung. Überschreitung von Regeln in der Literatur und im Literaturbetrieb (2021S)

Ernst-Jandl-Dozentur für Poetik: Franzobel

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 10 - Deutsche Philologie
DIGITAL

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Die Poetikvorlesungen von Franzobel finden in der Alten Schmiede statt. Anmeldung an den LV-Leiter bei phsyischer Teilnahme erforderlich.
MO, 7.6.2021. 19.00-21.00
Franzobel
Im Hirnsaal I: Formale Kuriositäten
1. Poetik-Vorlesung
Ort: Alte Schmiede, Schönlaterngasse 9, 1010 Wien

MO, 14.6.2021, 19.00-21.00
Franzobel
Im Hirnsaal II: Essenz und Stränge
2. Poetik-Vorlesung
Ort: Alte Schmiede, Schönlaterngasse 9, 1010 Wien

DI, 15.6.2021, 17.00-19.00 Uhr: Vorbereitung Konversatorium
Ort: Alte Schmiede, Schönlaterngasse 9, 1010 Wien

DI, 15.6.2021, 19.00-21.00: Konversatorium zu den Vorlesungen
Ort: Alte Schmiede, Schönlaterngasse 9, 1010 Wien

Siehe auch:
https://alte-schmiede.at/programm/recital/ijandl-poetikdozentur-ii-franzobel
Youtube: https://youtu.be/QlNjZrSoMng

Montag 08.03. 18:30 - 20:00 Digital
Montag 22.03. 18:30 - 20:00 Digital
Montag 12.04. 18:30 - 20:00 Digital
Montag 19.04. 18:30 - 20:00 Digital
Montag 26.04. 18:30 - 20:00 Digital
Montag 10.05. 18:30 - 20:00 Digital
Montag 31.05. 18:30 - 20:00 Digital
Montag 07.06. 18:30 - 21:00 Digital
Montag 14.06. 18:30 - 21:00 Digital
Montag 21.06. 18:30 - 20:00 Digital
Montag 28.06. 18:30 - 20:00 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Das Verhältnis von Norm und Abweichung ist in vielen historisch wie systematisch relevanten Konzeptionen als ein grundlegendes Modell der ästhetischen Verfasstheit und Wirkungsweise von literarischen Texten betrachtet worden. Ganz allgemein versteht man darunter, dass literarische Texte von sprachlichen Normen abweichen und ihr ästhetisches Potenzial aus dieser Abweichung herrührt. So verbreitet wie die Konzeption ist auch die Kritik daran, literarische Texte im Rahmen einer „Abweichungspoetik“ zu lesen.
In der Vorlesung sollen pointiert ausgewählte Aspekte des Verhältnisses von „Norm und Abweichung“ theoretisch beleuchtet werden, zumeist mit Blick auf darstellungsästhetische und rezeptionsästhetische Aspekte. Auf der Darstellungsebene steht dabei vor allem das auf den Russischen Formalismus zurückgehende Konzept der Verfremdung/Desautomatisierung (ostranenie im russischen Original, wirkmächtig als estrangement in der englischsprachigen theoretischen Literatur) im Vordergrund, also die Vorstellung, dass bestimmte Elemente und Passagen in literarischen Texten von der Alltagssprache aber auch von gewohnten Mustern, wie z.B. gattungsspezifisch und historisch motivierten Erwartungen an die Textgestalt, abweichen. Auf rezeptionsästhetischer Ebene ist es vor allem eine gegenwärtige psychologische Befragung der Textverarbeitung, die als „foregrounding“, also das gestalttheoretisch fundierte Verhältnis von Figur (Abweichung) und Hintergrund (Norm), mit den Mitteln der empirischen Forschung, z.B. einer „numerically aided phenomenology“, auf individualpsychologischer Ebene untersucht wird. Ein sozialpsychologischer Ansatz wiederum geht davon aus, dass „Literarizität“ nicht ein Merkmal des Texts ist, sondern ein Phänomen des Diskurses mit und über Literatur. Den Stärken und Schwächen der jeweiligen Modelle und Methoden sollen mit Blick auf das Verhältnis von „Norm und Abweichung“ nachgegangen werden.
In produktionsästhetischer Perspektive, die auf die Intention der Autor*innen fokussiert, kann der Normbruch ebenfalls als ein mehrfacher betrachtet werden. Autor*innen können mit den Gegenständen und Stoffen, die sie in ihren Texten modellieren, qua Regelbruch provozieren, z.B. indem sie gegen je in einer Epoche gültige Ideologien verstoßen. Sie können aber auch auf formaler Ebene revoltieren und etwa gegen implizite Formdogmen einer literarischen Schule bewusst verstoßen. Aber auch eine kritische Relation der Sprache von Autor*innen zu Geboten der so genannten „political correctness“ soll in der Semestervorlesung aus theoretischer Hinsicht dargestellt werden. Dazu wird vor allem der Ernst-Jandl-Dozent, der Schriftsteller Franzobel, in seinen beiden Vorträgen sprechen.

Als Textcorpus kommen neben den Romanen, Prosastücken und dramatischen Texten und Essays von Franzobel vor allem literarische Werke in den Blick, anhand deren das Verhältnis von „Norm und Abweichung“ augenfällig wird. (Literatur der Avantgarde und der Neo-Avantgarde, politisches und postdramatisches Theater etc.)

Der Schriftsteller Franzobel wird im Rahmen der Semestervorlesung zwei Poetikvorlesungen zu Norm und Abweichung halten. Dabei wird er auf die Möglichkeiten zu sprechen kommen, wie mit Stoffen/Inhalten und formal gegen Regeln in ästhetischer Hinsicht, aber auch gehen die Konventionen des literarischen Lebens und des Betriebs heute und in den letzten 30 Jahren verstoßen werden kann. Franzobel zählt seit seinen frühesten, noch eher der experimentellen Literatur nahestehenden Texten (z.B. „Die Krautflut“, 1995) mit seinen großen Romanen und seinen dramatischen Teten zu den meistdiskutierten österreichischen Gegenwartsautor*innen. Seine Intervention in reale sozialpolitische Debatten (z.B. sein Plan, Arigona Zogaj auf den Opernball einzuladen) ist in diesem Zusammenhang zu nennen, aber auch seine umfassend die Personen einer Region einbindenden Theaterstücke („hunt“ und „zipf“ im Kohlebrecher Wolfsegg, 2005/06) als eine aktuelle Version des „radikalen Volkstheaters“.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mündliche Prüfungen (online oder live) in der letzten Einheit; weitere Prüfungen in den Folgesemestern

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Textkenntnis; theoretische Durchdringung und Anwendung auf die vorgestellten Texte

Prüfungsstoff

gesamte LV, inkl. der beiden Poetik-Vorlesungen von Franzobel und der mit dem Autor im Rahmen des Konversatoriums (15.6.) diskutierten Inhalte

Literatur

wird in der Vorlesung bekanntgegeben und großteils via Moodle bereitgestellt

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Di 29.06.2021 11:08