Universität Wien FIND
Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

117584 VO Einführung in Christliche Ikonographie (2004W)

Rückblenden in die Poetik christlicher Bilderwelten. Vorlesungen zur Einführung in Christliche Ikonographie

teilweise geblockt (14:00-18:00)

Details

Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine

Zur Zeit sind keine Termine bekannt.

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die berühmten Thesen vom "Ende der Geschichte des Gottesbildes im Abendland" von Wolfgang Schöne (1957) subversiv weitertreibend basieren die Überlegungen in der Vorlesung auf zwei Grundthesen:
1. Christliche Ikonographie ist abgelaufen.
2. Aber sie ist nicht vergangen.
In einer Generation, der das Wissen um die Poetik christlicher Imaginationen zunehmend abhanden gekommen und deren "kreative Deutbarkeit" somit aufs Erste nicht mehr in Erwägung zu ziehen ist, wird der Anspruch auf die Kenntnis christlicher Ikonographie zwar kleiner sein müssen, umso ungezwungener sind dafür die Entdeckungs- und Erkenntniszusammenhänge: Was bereits vor "unserer" Zeit außer Gebrauch gestellt wurde, kann als Fundstücke in Rumpelkammern plötzlich wieder entdeckt werden (ohne gleich restaurativ sein zu müssen) und zur Quelle der Inspiration werden. Was kunstgeschichtlich und bildwissenschaftlich ins Heute übertragen wurde, kann auf seine theologische Inspiration hin erweitert werden.
Um dem Verdacht der Vermessenheit zu entkommen werden zu Beginn eines jeden Kapitels auf der Matrix des Zufalls Positionen der Gegenwartskunst (B. Viola, A. Rainer, M. Wallinger, M. Wallin, B. Rheims/S. Bramly, H. Weigand, E. Honetschläger, Muntean/Rosenblum, C. Schink, A.+B. Blume, J. Beuys, A. Kapoor, A. Abad, A. Gormley u.a.) vorgestellt, die sich direkt oder indirekt auf christliche Bildwelten beziehen, um anschließend - ebenso zufallsartig - in diese einzutauchen und deren ikonographische Ausfaltungen aufzuzeigen.
Behandelt werden somit Topoi wie performative Ankündigung, Begegnung, Geburt, Liebe, Gewalt, Rache, Heilen, Leiden, Martyrium, Tod, Trauer, Grab, Verwandlung, Transfiguration, Erhebung, Wunder, Magie - all jene menschlichen Phänomene, die über einige Jahrhunderte hinweg in unserem Kulturkreis dezidiert an die christlichen Imaginationen gebunden waren, mittlerweile aber anderswohin gewandert sind. Wohin, ist für die Theologie - aber nicht nur für sie - nicht unerheblich.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Studierenden sollen auf der Basis einer Einführung in den Basisbildschatz christlicher Imaginationen in der Lage sein, christliches Kulturerbe nicht bloß als museale Bildwelt zu entschlüsseln, sondern auch ausgehend von den Splittern, Spiegelungen und Transformationen in ausgewählten Positionen der Gegenwartskunst jene in ihren weiterführenden sowie begrenzten Inspirationen für die Gegenwart zu thematisieren.

Prüfungsstoff

Vorlesung mit Bildanalyse

Literatur

Heinrich Krauss/Eva Uthemann, Was Bilder erzählen. Die klassischen Geschichten aus Antike und Christentum in der abendländischen Malerei, München ²1988.
Hannelore Sachs/Ernst Badstüber/Helga Neumann, Christliche Ikonographie in Stichworten, München 71998.
Gertrud Schiller, Ikonographie der christlichen Kunst in vier Teilen, Gütersloh 1966-1980.
Lexikon der Christlichen Ikonographie, hg. von E. Kirschbaum, 8 Bde, Freiburg 1968-1976.
L. Réau, Iconographie de l'Art chrétienne II. Iconographie de la Bible. 2. Nouveau Testament, Paris 1957.

Alex Stock, Poetische Dogmatik. Christologie. Bd. 1: Namen. Bd. 2: Schrift und Gesicht; Bd. 3: Leib und Leben; Bd. 4: Figuren, Paderborn u.a. 1995-2001.
W. Schöne/J. Kollwitz/H.v. Campenhausen, Das Gottesbild im Abendland, Witten u. Berlin 1957.
Francois Boespflug, Trinität. Dreifaltigkeitsbilder im späten Mittelalter, IKON. Bild und Theologie, Paderborn 2001.
Wolfgang Kemp, Christliche Kunst. Ihre Anfänge. Ihre Strukturen, München 1994.
Hans Belting, Bild und Kult. Eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst, München 1990.
Johannes Rauchenberger, Biblische Bildlichkeit. Kunst - Raum theologischer Erkenntnis (IKON. Bild und Theologie), Paderborn u.a. 1999.
Günter Rombold/Horst Schwebel, Das Christusbild im 20. Jahrhundert, Freiburg u.a. 1983.
Günter Rombold, Der Streit um das Bild. Zum Verhältnis von moderner Kunst und Religion, Stuttgart 1988.
Werner Hofmann, Luther und die Folgen für die Kunst, München u.a. 1984.
Nissan Perrez, Corpus Christi. Das Christusbild in der Fotografie von 1850-2001, Edition Braus, Heidelberg 2003.
Georges Didi-Huberman, Fra Angelico. Unähnlichkeit und Figuration (Reihe Bild+Text), München 1994.
HIMMELSCHWER. Transformationen der Schwerkraft. Hg. von R. Hoeps/A.Kölbl/E.Louis/J.Rauchenberger, München 2003.
WARUM! Bilder diesseits und jenseits des Menschen, hg. von F. Meschede und M. Flügge im Auftrag des Guardini-Stiftung Berlin und der Stiftung St. Matthäus, Ostfildern/Ruit 2003

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Zur Zeit sind keine Zuordnungsinformation verfügbar.

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:50