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135051 PS Soz.geschichte (PS): Slave Narratives (2019W)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Moodle; Do 05.12. 16:15-17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG

An/Abmeldung

Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Englisch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 03.10. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 10.10. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 17.10. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 24.10. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 31.10. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 07.11. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 14.11. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 21.11. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 28.11. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 12.12. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 09.01. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 16.01. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 23.01. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 30.01. 16:15 - 17:45 Hörsaal 1 Sensengasse 3a 1.OG

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Slave narratives geben einen beispiellosen Einblick in das Leben und die Erfahrungen von Sklav*innen. Obgleich die frühesten überlieferten Texte bereits aus der ersten Hälfte des 18. Jhs. stammen, gelangte das Genre erst in Zusammenhang mit dem Atlantischen Sklav*innenhandel zu größerer Berühmtheit. Allein in den USA sind zwischen 1760 –1865 ca. 100 slave narratives publiziert worden. Während jedoch Harriet Beecher Stowes Antisklavereiroman Uncle Tom’s Cabin (1852), der sich u.a. auf solche Erzählungen stützt, heute zweifelsohne zur Weltliteratur gehört, wurde und wird die Bedeutung der slave narratives unterschätzt. Zunächst als abolitionistische Pamphlete und später als rein historische Berichte gelesen, interessierte sich die Literaturwissenschaft lange Zeit nicht für sie; ein Desinteresse, das auf zwei unzulänglichen Vorannahmen beruht: “the idea that these narratives are valuable only for the historical information they provide and the idea that they died out after the Emancipation Proclamation.” (Drake 2014, xvii) Nach heutigem Stand der Forschung werden slave narratives meist als Subgenre der Autobiographie definiert, die bestimmten Genrekonventionen folgen und ein relativ konstantes Repertoire an Plotelementen aufweisen. Die Texte als literarische, aber dennoch wahrheitsgetreue Produktionen zu begreifen, führt unweigerlich zum Spannungsfeld von Fakt und Fiktion: Inwiefern haben Genrekonventionen, der gesellschaftspolitische Kontext und die intendierte, in der Regel weiße Leser*innenschaft die Erzähler*innen in ihrer Mission zu überzeugen, aber gleichzeitig den Fakten treu zu bleiben, eingeschränkt? Wie authentisch kann eine Erzählung sein, wenn der/die Autor*in sich nicht frei ausdrücken kann? Derlei Restriktionen verschärften sich noch, wenn es Frauen waren, die ihre Geschichte erzählten. Ehemalige Sklavinnen wie Mary Prince, Sojourner Truth und Harriet Jacobs waren nicht nur mit rassistischen, sondern auch mit sexistischen Vorurteilen und entsprechend höheren Erwartungshaltungen konfrontiert.
Eine breitere Dokumentation der Erfahrungen von Sklav*innen fand erst im 20. Jh. statt. Im Rahmen des Federal Writers' Project 1936-1938 wurden 2300 Ex-Sklav*innen interviewt – eine große Anzahl der Erzählungen erschien jedoch erst in den 1970er Jahren, nachdem Bürgerrechtsaktivist*innen die Aufarbeitung der frühen afroamerikanischen Geschichte gefordert hatten. Zora Neale Hurstons Barracoon: The Story of the Last "Black Cargo" erschien 2018 mit 90jähriger (!) Verspätung.
In der zweiten Hälfte des 20. Jhs. haben sich die Auseinandersetzungen mit Authentizität verlagert. Neo-Slave Narratives wie Toni Morrison’s Beloved (1987) und jüngst Colson Whiteheads The Underground Railroad (2016) sind nicht mehr verpflichtet, die Leser*innen von der Notwendigkeit gesetzlicher Änderungen zu überzeugen, sondern stellen sich der komplexen Herausforderung, mittels Fiktionalisierung eine tiefere historische Wahrheit des Horrors der Sklaverei und ihres toxischen Vermächtnisses sichtbar zu machen.
Von Sklaverei einzig als historischem Vermächtnis zu sprechen würde jedoch der Gegenwart nicht gerecht. Schätzungen zufolge befinden sich weltweit ca. 27 Mio. Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen. Sie schuften in ausbeuterischen Betrieben, als Sexsklav*innen, Wanderarbeiter*innen oder Hausangestellte – in Ländern, in denen große Armut herrscht, aber auch in den USA und hier, in Wien, mitten unter uns. Das moderne slave narrative floriert im 21. Jh. einmal mehr.
Wir werden das Genre des slave narrative von seinen Anfängen bis in die Gegenwart in unterschiedlichen Ausprägungen (Autobiographien, Interviews, Romane, Berichte, ev. auch Verfilmungen) untersuchen. Das wird durch Input seitens der Lehrenden, Präsentationen von Studierenden, Gruppenarbeiten und Diskussionen im Plenum erfolgen, wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel von Fakt und Fiktion unter Berücksichtigung des jeweiligen sozialgeschichtlichen Kontexts liegt.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Maßgeblich für die Benotung sind folgende Punkte:
• Mitarbeit (inkl. laufender Vorbereitung der Texte und Textausschnitte, die auf Moodle oder in einem Reader bereitgestellt werden)
• (Mit-)Gestaltung einer Einheit: In einer Kleingruppe ein slave narrative (es werden in der ersten Einheit einige Texte zur Auswahl gestellt) in Bezug auf das übergeordneten Seminarthema vorbereiten und vorstellen. Wichtig ist hierbei, dass nicht nur frontal vorgetragen, sondern die Gruppe mittels Aufgabenstellungen miteinbezogen wird (z.B. Vorbereitung von Diskussionsfragen, die dann zunächst in Kleingruppen erarbeitet werden können).
• Gegen Ende des Semesters Abgabe eines Themenvorschlags für die Abschlussarbeit (kann, muss aber nicht jenes Thema sein, zu dem bereits präsentiert wurde), in dem die geplante Vorgehensweise beschrieben wird und auch, welche Literatur miteinbezogen werden soll (Kurzbibliographie)
• Nach Ablauf des Semesters Abgabe der Abschlussarbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Um die Lehrveranstaltung positiv abzuschließen, wird von den Teilnehmer*innen eine regelmäßige und aktive Teilnahme erwartet. Es werden jede Woche kürzere Texte oder Textausschnitte (die im Vorhinein auf Moodle zugänglich gemacht werden) zu lesen und vorzubereiten sein. Da viele der Texte in englischer Sprache verfasst sind und die Lehrveranstaltung primär auf Englisch abgehalten wird, werden gute Englischkenntnisse vorausgesetzt.
Jede*r Studierende*r hat im Laufe des Semesters eine Einheit mitzugestalten und eine Abschlussarbeit (beides optional: auf Deutsch oder Englisch) abzugeben, die vorher in der Form eines Themenvorschlags (inkl. Kurzbibliographie) kommuniziert wurde.
Die Endnote setzt sich folglich aus vier Teilleistungen zusammen: Aktive Mitarbeit (15%), Gestaltung einer Einheit (20%), Abgabe des Themenvorschlags inkl. Kurzbibliographie (15%), Abgabe eines Essays im Umfang von 10–15 Seiten (50%).

Prüfungsstoff

Die während des Semesters besprochene Literatur. Die einführenden theoretischen Texte, die wir in den ersten Einheiten besprechen, sind von allen verpflichtend zu lesen. Von den Primärwerken werden Ausschnitte zur Verfügung gestellt – je nach persönlicher Schwerpunktsetzung (Gestaltung einer Einheit, Thema Abschlussarbeit) ist mind. ein Werk komplett zu lesen.

Literatur

Primärliteratur (Auswahl – wird laufend ergänzt):
Hurston, Zora Neale: Barracoon: The Story of the Last ‚Black Cargo’ (2018)
Jacobs, Harriet A.: Incidents in the Life of a Slave Girl (1861)
Kreutzer, Mary/Milborn, Corinna: Ware Frau: auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa (2008)
Morrison, Toni: Beloved (1987)
Northup, Solomon: Twelve Years a Slave (1853)
Prince, Mary: The History of Mary Prince, a West Indian Slave (1831)
Sage, Jesse/Kasten, Liora (Hg.): Enslaved: True Stories of Modern Day Slavery (2006)
Whitehead, Colson: The Underground Railroad (2016)

Sekundärliteratur (Auswahl):
Drake, Kimberly: “On the Slave Narrative.“ In: Dieselbe (Hg.): The Slave Narrative. Ipswich, MA/Amenia, NY: Salem and Grey House 2014, S. xvi–xxxi.
Thomas, Helen: “The Slave Narrative.” In: Julia Straub (Hg.): Handbook of Transatlantic North American Studies. 3. Bd. Berlin/Boston: de Gruyter 2016, S. 373–390.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M5

Letzte Änderung: Do 28.11.2019 14:48