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135054 PS Soz.gesch. der Lit.(PS): Weltliteratur - Frauenliteratur: Berührungspunkte (2017W)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 05.10. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 12.10. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 19.10. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 09.11. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 16.11. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 23.11. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 30.11. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 07.12. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 14.12. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 11.01. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 18.01. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG
Donnerstag 25.01. 16:30 - 18:00 Seminarraum 2 Sensengasse 3a 1.OG

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Weltliteratur – euro- und androzentrischer Kanon, Menge aller Texte und/oder global zirkulierende Literatur? Frauenliteratur – wenig prestigeträchtige Subkategorie, feministische Ermächtigungsstrategie und/oder Marketingstreich? Je nach Definition können diese zwei vieldiskutierten Termini der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft ein (relativ) strikt voneinander getrenntes Dasein fristen oder aber sich überschneiden. Die immer breiter angelegten und medial sehr präsenten Zählaktionen der Organisation "VIDA – Women in Literary Arts" (2015 wurde neben der Kategorie gender auch race, ethnicity, sexual identity und ability berücksichtigt) oder die im November 2016 erstmals ausschließlich Autorinnen, Übersetzerinnen und Rezensentinnen gewidmete "World Literature Today"-Ausgabe "Women Writers cover to cover" weisen auf die Aktualität des Themas hin.
Wird Frauenliteratur primär als Literatur von Frauen und Weltliteratur als eine Art von inter-/transnationalem Kanon verstanden, so stellen Werke von Autorinnen, die übersetzt wurden und über ihr Herkunftsland hinaus Verbreitung gefunden haben, die naheliegendste Verbindung der beiden Diskurse dar. Eine Voraussetzung für Zirkulation ist Anerkennung, die entweder durch Prestige – Literaturpreise oder Besprechungen in Feuilletons – oder aber durch Verkaufszahlen erzielt werden kann; sogenannte Bestseller verbreiten sich schnell und weit. Ein relativ aktuelles Beispiel dafür stellt Chick lit, die sogenannte neue Frauenliteratur, dar. Ursprünglich als angloamerikanisches Phänomen gehandelt, hat sie sich seit ihrer Entstehung Mitte der 1990er Jahre rasch verändert und sowohl Genre und Gender als auch kulturelle, geographische und linguistische Grenzen überschritten. Letztere Entwicklung wurde in der New York Times einmal als "The Chick Lit Pandemic" bezeichnet – ein Titel, der wohl dazu bestimmt war, Literaturkritiker_innen zu ärgern, die Chick lit, wenn überhaupt, nur als ‘leichte Sommerlektüre’ wahrnahmen. Das ironische Bild der Pandemie bot sich für die globale Expansion des Genres an, die als überaus erfolgreicher Transfer vom angloamerikanischen Zentrum in die Peripherie, vom originalen Genre hin zu zahlreichen adaptierten Subgenres wahrgenommen wurde. Für letztere hat sich u.a. der problematische Terminus "Ethnic Chick lit" etabliert. Darunter werden im engeren Sinne Chick lit-Texte von Autorinnen und mit Protagonistinnen, die einer ‚ethnischen’ Minderheit in den USA oder in Großbritannien angehören, verstanden; im weiteren Sinne jedoch alle Chick lit-Texte von Autorinnen bzw. mit Protagonistinnen, die andere als sogenannte „westliche“ soziokulturelle Hintergründe haben.
Anhand von Primärliteraturbeispielen aus verschiedenen Sprach- und Kulturräumen soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern diese vermeintlichen „globalen Varianten“ einer Genrekonfiguration, die anhand von prototypischen Chick lit-Romanen wie Bridget Jones’s Diary festgelegt wurde, folgen oder auch davon abweichen. Die Primärliteraturvorschläge werden so ausgewählt, dass sich starke Kontraste ergeben, z.B. stehen sehr renommierte Werke, die von vornherein nicht mit einem solchen Label belegt wurden oder sich explizit dagegen stellten neben quasi idealtypischer Unterhaltungsliteratur. Und auch zwischen diesen beiden Extrempolen tut sich ein weites Feld auf: nicht überall, wo Chick lit (oder Vergleichbares wie z.B. Sastra wangi) oben steht, ist auch Chick lit drin.
Ziel ist es, mithilfe von Konzepten/Methoden einer genderorientierten Literaturwissenschaft (Intersektionalitätstheorie, Postcolonial Theory, Queer Theory/Reading) und der Komparatistik/Weltliteraturforschung die vorwiegend anglozentrische Perspektive in der theoriegeleiteten Forschung infrage zu stellen und lokale Eigenheiten hinter dem globalen Labelling sichtbar zu machen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Maßgeblich für die Benotung sind folgende Punkte:
- Mitarbeit (inkl. Vorbereitung der Pflichtliteratur)
- Abgabe eines Handouts (Kriterien werden in der ersten Einheit genannt) vor dem Referat & Referat
- Abgabe eines Themenvorschlags für die PS-Arbeit u. einer Kurzbibliographie
- Verfassen einer wissenschaftlichen Hausarbeit zu einem der im Proseminar behandelten Schwerpunktthemen im Umfang von etwa 10-15 Seiten

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Gute Englischkenntnisse sind Voraussetzung, da viele Werke sowohl der Primär- als auch der Sekundärliteratur nur auf Englisch verfügbar sind. Weiters wird die Bereitschaft vorausgesetzt, sich auf Fragestellungen aus den Bereichen der Gender, Postcolonial & Queer Studies einzulassen und Kategorien wie sex, gender, race, ethnicity usw. in eigenen Analysen zu fokussieren.

Prüfungsstoff

Literatur

Eine Inspiration/Motivation für die Organisation dieser Lehrveranstaltung stellte Alison Andersons Essay "Of Gatekeepers and Bedtime Stories: The Ongoing Struggle to Make Women's Voices Heard" (erschienen in der World Literature Today 90/6, S. 11-15) dar. Wer vorab hineinlesen möchte: https://www.worldliteraturetoday.org/2016/november/gatekeepers-and-bedtime-stories-ongoing-struggle-make-womens-voices-heard

Sekundärliteratur (Auswahl):
Susan Stanford Friedman: „World Modernisms, World Literature, and Comparativity“, in: Wollaeger, Mark A. (Hrsg.): The Oxford handbook of global modernisms, New York ua: Oxford Univ. Press 2012, S. 499–525.

Falko Schnicke: Terminologie, Erkenntnisinteresse, Methode und Kategorien – Grundfragen intersektionaler Forschung. In: Intersektionalität und Narratologie. Methoden – Konzepte – Analysen. Hg. v. Christian Klein u. Franko Schnicke. Trier: WVT 2014, S. 1-32.

Primärliteratur: es werden u.a. Bücher von Terry McMillan, Alisa Valdes-Rodriguez, Kavita Daswani, Kim Wong Keltner, Randa Abdel-Fattah, Ayu Utami, Weihui Zhou, Mian Mian, Swati Kaushal, Mala Kumar, Rajaa Alsanea, Gheda Abdelaal, Chimamanda Ngozi Adichie, Taiye Selasi...zur Auswahl stehen.

Vor der ersten Einheit wird ein Seminarplan und eine Liste mit Büchern zur Verfügung gestellt.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M5

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:42