Universität Wien FIND

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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

135812 SE Inszenierung von Spannung & Suspense - literarische Schocktherapien (2020W)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

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Details

max. 36 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

in 2 Gruppen: Mittwoch 9.00-10.30 bzw. 10.45-12.15 Uhr

Mittwoch 07.10. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 07.10. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 14.10. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 14.10. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 21.10. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 21.10. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 28.10. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 28.10. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 04.11. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 04.11. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 11.11. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 11.11. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 18.11. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 18.11. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 25.11. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 25.11. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 02.12. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 02.12. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 09.12. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 09.12. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 16.12. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 16.12. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 13.01. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 13.01. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 20.01. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 20.01. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 27.01. 09:00 - 10:30 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG
Mittwoch 27.01. 10:45 - 12:15 Seminarraum 3 Sensengasse 3a 1.OG

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Im Mittelpunkt des Seminars steht die Frage nach den Spannungs-Techniken in Film und Literatur und zwar sowohl auf Seiten des Autors als auch mit Blick auf die Rezipienten. Dabei geht es primär um erzähltechnische, aber auch thematische und kulturelle Motivationen und Motive, die in der gerade im angelsächsischen Raum seit langem zentralen Erforschung der "Suspense"-Techniken und -Effekte eher vernachlässigt werden. Dort geht es (beispielhaft in Patricia Highsmiths Schrift "Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt") primär um kalkulierte Effekte/Affekte der fiktionalen Identifikation wie der Emotionslenkung, wenn nicht Manipulation des Massenlesers. Es ist kein Zufall, dass die meisten Studien auf diesem Gebiet sich an der Suspense-Technik von Hitchcock-Filmen entzünden.
So wichtig solche Perspektiven sein mögen, interessiert uns hier eher die Erzähltechnik der Spannungserzeugung, mehr noch: die ästhetisch-künstlerische Konstruktion von Spannungsbögen (in allen Kunstformen, von der Architektur zur Musik), von Erwartungs-Stau und Erlösungs- wie Auflösungslust. Diese wahrnehmungspsychologischen Aspekte der metrischen, rhythmischen, dramatischen Steigerung und Bremsung bzw. Auslassung (Synkopentechnik) hat über die narrativ-fiktionalen Genres hinaus eine grundlegende Bedeutung für eine jede komplexe Gestaltwahrnehmung.
Spezifisch narrativ sind Spannungstechniken wie: Umstellung der Motivfolge (E.A. Poe), Technik der Zeitumkehrung (vgl. zuletzt den Film Tenet), der Auslassung entscheidender Informationen, der Verbündung des Autors/Erzählers mit dem Leser etc. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie sehr narrative Spannung mit Identifikation, Empathie, Innendarstellung, Parteinahme und Distanzierung zu tun hat, mit Akzellerierung und Retardierung, Über- und Unterinformation, Minus-Verfahren und Verschweigen u.a.m.
Auf der thematischen Ebene geht es um logisch-semantische Strukturen wie das Rätsel und seine Auflösung in Mythos und Märchen wie überhaupt die Frage-Antwort-Struktur einfacher Formen und Genres (Sprichwort, Anekdote, Witz etc.). Gleiches gilt für Kernstrukturen komplexer Genres wie "short story", Novelle und Romane, die jeweils auf gattungsspezifische Weise das Potential der Spannungserzeugung "verwalten" und organisieren.
Auf pragmatischer Ebene, d.h. im kommunikativen Rahmen von Spanungs-Genres geht es um die gattungsspezifischen "Verträge" zwischen dem Genre-Autor/Autorin mit Blick auf die kulturell und kontextuell zu diskutierende Frage, warum und wie Motive und Narrationen als "spannend" gelten: was wäre in einem solchen Rahmen überhaupt die Informativität eines "Ereignisses" (Abenteuerroman), was ist "action" (im Thriller) und was passiert mit Suspense-Genres unter der Herrschaft affirmativer Kunst- und Kultursysteme (Totalitarismus, religiöser Rigorismus etc.). Auch stellt sich die Frage, warum es im Rahmen der klassischen Avantgarden des vorigen Jahrhunderts eigentlich keine "Spannungs"-Genres geben konnte, da die narrativ-fiktionale Identifikation von Leser und Figur an und für sich schon verpönt war. Warum sind affirmative Genres der radikalen Avantgarden ebenso wie der Normästhetiken [Goethes "Novelle"] in Klassizismus und Totalitarismus) so langweilig und eben spannungslos. Und was passiert mit einer Unterhaltungs- und Massenkultur (Hollywood in allen Varianten), die nur noch das kalkulierte Spiel mit den kollektiven Emotionen und auf der Reiz-Reaktions-Orgel als Effekt- und Erfolgstechniken akzeptiert (Ästhetik und Ökonomie der Serien).
Diskutiert werden diese Fragen anhand eines überschaubaren Corpus von paradigmatischen Spannungstexten (Epen, Romanen, Novellen etc.) von Boccaccios "Decamerone" über E.A. Poes Detektiv-Geschichten zu Dostoevskijs Psycho-Techniken (etwa in "Der Spieler") oder Tolstojs Film-Effekten in den Großromanen. Ganz zentral wird die Auseinandersetzung mit Henry James "The Turn of the Screw" sein, ebenso wie mit Klassikern wie Agathe Christies "And Then There Were None".

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Seminarvortrag (mündlich)
Mitarbeit und Diskussion
Seminararbeit (schriftlich)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

Sekundärliteratur:
"The Paradox of Suspense", in: Stanford Encyklopedia of Philosophy, 2009 (= https://plato.stanford.edntries/paradox-suspense/)
Patricia Highsmith, Suspense, Zürich: Diogenes 1985 (als anschreckendes Beispiel)
Philip Hausenblas, Spannung und Textverstehen, Tübingen: Narr Verlag 2018.
Ralf Junkerjürgen, Spannung. Verfahrensweisen der Leseraktivierung. Frankfurt 2002 (hier die Einleitung, im Hauptteil gehts um Verne; langweilig, aber ein instruktiver Überblick)
Kathrin Ackermann / Judith Moser-Kroiss (Hg.) Gespannte Erwartungen (guter, historisch angelegter Sammelband)
Raimund Borgmeier / Peter Wenzel (Hg.), Spannung: Studien zur englischsprachigen Literatur, Trier 2001
Adrian Weibel, Spannung bei Hitchcock, Würzburg: Königshausen 2008
Ken Follet, The Art of Suspense (https://ken-follee.com/supense/)
Winfried Freund:Novelle(=Reclams Universal-BibliothekNr. 17607). Erweiterte und bibliographisch ergänzte Auflage. Reclam, Stuttgart 2009
Wolfram Ette, "Unendliche Spannung. Zu E.A. Poe’s "The Murders in the Rue Morgue"

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

MA M1

Letzte Änderung: So 27.09.2020 10:08