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140147 VO Die Erforschung Indiens und die Rezeption der indischen Kultur in Österreich (2019S)

Ausgewählte Persönlichkeiten vom 18. Jh. bis heute

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Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Freitag 03.05. 09:15 - 11:45 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Freitag 10.05. 09:15 - 11:45 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Freitag 17.05. 09:15 - 11:45 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Freitag 24.05. 09:15 - 11:45 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Freitag 31.05. 09:15 - 11:45 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Freitag 07.06. 09:15 - 11:45 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Freitag 14.06. 09:15 - 11:45 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Beziehungen zwischen Indien und Österreich sind vielfältig. Zunächst kamen Österreicher als Missionare nach Indien. Später wurde Indien zu einem Ziel von Reiselustigen, wodurch eine Reihe von interessanten Indienberichten entstand. Einige Persönlichkeiten haben ferner ihre Spuren als bedeutende Wissenschaftler hinterlassen. In der geplanten Vorlesung wird es darum gehen, anhand des Beitrags von fünf Persönlichkeiten mit verschiedenen Zugängen exemplarisch herauszuarbeiten, wie diese einen Beitrag zur Vermittlung und Übersetzung der indischen Kultur geleistet haben.
Josef Tieffenthaler (1710-1785) kam als jesuitischer Missionar nach Jaipur und lebte nach der Auflösung der Gesellschaft Jesu (1773) weiterhin selbstständig in Indien und erbrachte eine bemerkenswerte Leistung als Kartograph.
Carl Kellner (1851-1905), Chemiker, Mystiker und Freimaurer sowie Begründer des Ordo Templi orientis, beschäftigte sich in Wien als Vorreiter und auf einflussreiche Art und Weise mit Yoga, zu welchem er auch publizierte.
Stefan Fuchs (1908-2000) war ebenfalls als Missionar in Indien, der Styler-Mission angehörend, und leistete als Anthropologe, Soziologe und Volkskundler einen signifikanten Beitrag zur Kenntnis der Stammeskultur Indiens. Er kam 1934 nach Indore in Zentralindien, wo er sich nach Sprachstudien der Erforschung der Stämme widmete, und lebte über sechzig Jahre in Indien In seinem Werk Rebellious Prophets (1965) untersuchte er messianische Bewegungen in indischen Religionen. Er war ferner der Gründer des Institute of Indian Culture in Mumbai.
Gerhard Oberhammer (geb. 1929) verbrachte zwei Jahre in Madras, um im indischen Umfeld Philosophie und Sanskrit zu studieren. Als Indologe setzt er sich nach wie vor das Ziel, in seiner Forschung vor allem die literarischen Quellen des Viśiṣṭādvaita (Rāmānuja-Schule) aus religionshermeneutischer Sicht zu ergründen und darzustellen. Einer von Oberhammers Schlüsselbegriffen ist die Mythisierung (Versprachlichung) der Transzendenz. Er deutet dabei die Aussagen der autoritativen Texte des Hinduismus zum Atman, zum Brahman oder zu jenem Gott, von dem allein der Gläubige seine Errettung aus dem Wesenskreislauf erwartet, als Zeugnis echter Transendenzerfahrung. Er sagt hierzu: „Es handelt sich bei diesem Versuch um eine Extrapolation des untersuchenden Verstandes, die auch dann nicht gültig wäre, wenn es beim heutigen Stand der Forschung schon möglich wäre, die Vielfalt der hinduistischen Transzendenzerfahrung in ihren verschiedenen Spielarten enzyklopädisch zu besprechen. Als historische Wirklichkeit gibt es eine Transzendenzerfahrung ebenso wenig als es den „Hinduismus“ als eine einheitliche historische Wirklichkeit gibt.“
Josef Winkler (geb. 1953) hat als Schriftsteller in seinem Roman Domra. Am Ufer des Ganges die Totenrituale interpretiert, die in Benares durchgeführt werden. „Die Literarisierung hinduistischer Bestattungsrituale macht die kulturspezifische Diskrepanz – den Unterschied zu den westlichen Tabuisierungsstrategien im Umgang mit dem Tod – sichtbar. Das quirlige Leben zwischen den Leichenverbrennungen schließt den Tod als ein Teil des Daseins mit ein.“ (Carmen Ulrich)
Die genannten Persönlichkeiten präsentieren ihren Lesern das indische Kulturgut gemäß ihrem Verständnis; sie liefern sie keine einfachen Informationen. Sie betrachten die indische Gesellschaft aus ihren eigenen Perspektiven und vor dem Hintergrund ihrer eigenen kulturellen oder individuellen Prägung, kritisch, aber mit Sympathie, und verwenden selbstverständlich europäische Begrifflichkeiten in ihren Interpretationen der indischen Kultur. Dadurch lassen sich wiederum neue Einsichten gewinnen, die innerhalb der traditionellen indischen Kultur kein Gegenstück haben. Somit könnte man von einer kreativen kulturellen Übersetzung sprechen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

Literaturauswahl:

Joseph Tieffenthaler
• S. Noti, Jos. Tieffentaller, S. J. A Forgotten Geographer of India. Mumbai 1906.
• S.N. Sin, “Tieffenthaler on Latitudes and Longitudes in India”, in Indian Journal of the History of Science, Vol. 17, 1982, pp. 1–17.
• E. Bernleithner, “Austria's Share in World Cartography”, in Imago Mundi, Vol. 25, 1971, pp. 65-73.
Carl Kellner
• --- Yoga. Eine Skizze über den psycho-physiologischen Teil der alten indischen Yogalehre. München: Kastner & Lossen, 1896. Nachdruck in: Josef Dvorak: Satanismus. Geschichte und Gegenwart. Frankfurt am Main: Eichborn, 1989.
• Josef Dvorak, “Carl Kellner”. http://www.parareligion.ch/sunrise/kellner.htm
• Karl Baier, “Yoga within Viennese Occultism: Carl Kellner and Co.”, in: Yoga in Transformation. Historical and Contemporary Perspectives, ed. Karl Baier et al. Göttingen: V&R unipress – Vienna University Press, 2018, pp. 389-438.
Stefan Fuchs
• --- The Gond and Bhumia of Eastern Mandla. London : Asia Publ. House, 1960.
• --- The Korkus of the Vindhya Hills. New Delhi : Inter-India Publications, 1988.
• --- The Aboriginal Tribes of India. Delhi, Madras, Bombay: MacMillan, 1974.
• --- The Children of Hari. A Study of the Nimar Balahis in the Central Provinces of India. Wien: Verlag Herold, 1950 (Wiener Beiträge zur Kulturgeschichte und Linguistik Band VIII).
• --- Sagen und Geschichten aus Indien. St. Augustin: Steyler Verlag, 1972.
• --- Das Leben ist ein Tanz. Lieder der indischen Ureinwohner. Zürich: Benziger Verlag, 1990.
Gerhard Oberhammer
• --- “Transzendenz als Heil im älteren Nyāya”, in Epiphanie des Heils. Zur Heilsgegenwart in indischer und christlicher Religion. Arbeitsdokumentation eines Symposiums. Wien: Sammlung De Nobili, 1982, pp. 27-39.
• --- “Transzendenzerfahrung im Hinduismus. Das Zeugnis der Paramasaṃhitā”, in Acta Indologica, Vol. 6, 1984, pp. 347-367.
• --- Raum-zeitliche Vermittlung der Transzendenz. Zur "sakramentalen" Dimension religiöser Tradition. Arbeitsdokumentation eines Symposions. BKGA 30 Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1999.
• --- Mythisierung der Transzendenz als Entwurf ihrer Erfahrung. Arbeitsdokumentation eines Symposiums. BKGA 41 Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2003.
• --- Materialien zur Geschichte der Rāmānuja Schule. 9 Bände. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Josef Winkler
• --- Domra, Am Ufer des Ganges. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1996.
• Carmen Ulrich, Sinn und Sinnlichkeit des Reisens. Indien(be)schreibungen von Hubert Fichte, Günter Grass und Josef Winkler. München: iudicium, 2004.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA13, EC1/1, IMAK5A

Letzte Änderung: Do 05.09.2019 12:27