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140158 VO Protestbewegungen in der südindischen religiösen Kultur (2019S)

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Sprache: Deutsch

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Montag 06.05. 10:00 - 12:30 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Montag 13.05. 10:00 - 12:30 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Montag 20.05. 10:00 - 12:30 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Montag 27.05. 10:00 - 12:30 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Montag 03.06. 10:00 - 12:30 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37
Montag 17.06. 10:00 - 12:30 Seminarraum 6 ISTB UniCampus Hof 4 2C-O1-37

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

In der religiösen Kultur Indiens gab es immer wieder Protestbewegungen, da die indische Kultur aus vielen verschiedenen Komponenten besteht und ihre Stärke (und wohl auch Kohärenz) eben in dieser Vielfalt liegt. Wenn nun eine dominante Tradition überhand zu nehmen sucht, entsteht Protest seitens der anderen Gruppen. Als Haupttrennungslinie wird hierbei meistens diejenige zwischen den sogenannten vedischen und nicht-vedischen Traditionen betrachtet. Bekannte Strömungen außerhalb der vedischen Tradition sind vor allem der Buddhismus und der Jainismus sowie die Traditionen der Ājīvikas und Cārvākas (Lokāyata).
In dieser Vorlesung wird es um die in Südindien entstandenen Protestbewegungen gehen, die bereits in der alten tamilischen religiösen Literatur greifbar sind.
In dem vorrangig mit Ethik befassten Werk Tirukkuṟal (2. Jh. v. Chr.) wird eine ganz andere Haltung gegenüber der Welt gefordert als etwa in der bekannten, in Sanskrit verfassten Bhagavadgītā. Es klingt hier auch eine gewisse Kritik an den Brahmanen an (v. 134) sowie generell Religionskritik, die auch die Gottesvorstellungen beinhaltet: „Wenn der Schöpfer der Welt das Betteln als Mittel des Lebensunterhalts angeordnet hat, so möge er selbst betteln gehen und umkommen“ (v. 1062).
Im Epos Cilappatikāram kämpft die Heldin Kannagi gegen Ungerechtigkeit und verteidigt ihren unschuldigen Mann namens Kovalan vor dem Pandya-König, der ihn voreilig hatte umbringen lassen; Kannagi verbrennt daraufhin die weltliche und religiöse Hauptstadt Madurai.
Die tamilische devotionale Bewegung (Bhakti-Bewegung) des 6.-8. Jahrhunderts markiert eine wichtige Dimension des religiösen und gesellschaftlichen Protestes. Die shivaitischen und vishnuitischen Bhakti-Dichter legen ihr Augenmerk auf die Anerkennung des Individuums und die für alle offene Möglichkeit, die Gnade Gottes zu erreichen; unabhängig davon, welchen religiösen Rang und welche gesellschaftliche Stellung sie einnehmen. Ferner betonen sie das Zusammengehörigkeitsgefühl und Gemeinschaftsbewusstsein der gläubigen Anhänger Gottes.
Historisch gesehen folgen hierauf die shivaitischen Dichter-Heiligen (Cittars) mit ihren inbrünstigen Hymnen an Gott Shiva, aber auch ihrem darin zum Ausdruck kommenden Protest gegen Kastenwesen und Ikonenverehrung. Sie relativierten dabei auch den Glauben an Karma und Wiedergeburt.
Ramalinga Swamy (alias Vallalar) (1823-1874), ein shivaitischer Mystiker, setzte eine große Reformbewegung in Gang, samarasa-śuddha-sanmārga saṅgam genannt. Ihre Hauptziele waren die folgenden: Praktizieren von Barmherzigkeit gegenüber allen Lebewesen; Abschaffung des Tempelopfers, des Verzehrs von Fleisch und abergläubischer Bräuche; Verwerfung der Kastenunterschiede und Schaffung von der Einheit aller Menschen der verschiedenen Glaubensgemeinschaften in der Erkenntnis, dass durch die Liebe Einheit aller Seelen besteht.
Iyothee Dhas (1845-1914) begann seinen Befreiungskampf durch die Zuwendung zur buddhistischen Lehre schon viel früher als der bedeutend bekanntere B. R. Ambedkar. Im Jahr 1898 gründete er die Sakya Buddha Gesellschaft mit dem Ziel der Emanzipation von der brahmanisch-hinduistischen Unterdrückung durch Rückbesinnung auf die vermeintliche Religion der Ahnen. Er versucht, für die gesellschaftliche Gruppe der geschichtslosen Paraiyar ein „kollektives Gedächtnis“ und damit eine kollektive Identität zu erschaffen.
Im 20. Jh. wurden die Proteste anti-religiös und atheistisch. Die sogenannte dravidische Bewegung, ein herausragendes Beispiel, war dezidiert anti-brahmanisch und anti-religiös. Eine ihrer wichtigsten Figuren ist E. V. Ramasamy Periyar. Hier bestanden auch Einflüsse seitens verschiedener westlicher Denker wie unter anderem Feuerbach, Voltaire, Darwin, Shaw, Russell und Ingersoll. Die christlichen Missionaren in Südindien haben ebenfalls grundlegend zur Bildung der dravidischen Bewegung beigetragen, durch ihre Übersetzung der tamilischen Texte in europäische Sprachen (besonders Latein und Deutsch). Hier si

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

Bibliographie
• G. Aloysius, Religion as Emancipatory Identity. A Buddhist Movement among the Tamils under Colonialism. New Delhi, 1998.
• Anand Amaladass, Siva tanzt in Südindien, Salzburg, 2009.
• Michael Bergunder und Rahul Peter Das (Hrsg.), „Arier“ und „Draviden“. Konstruktionen der Vergangenheit als Grundlage für Selbst- und Fremdwahrnehmungen Südasiens. Halle, 2002.
• R. L. Hardgrave Jr., The Dravidian Movement. Bombay, 1965.
• E. F. Irschick, Politics and Social Conflict in South India. The Non-Brahmin Movement and Tamil Separatism 1916-1929. Berkeley, 1969.
• Martin Kämpchen, Überall lebt Franziskus. Freiburg, 1987.
• Hans-Joachim Klimkeit, Anti-religiöse Bewegungen in modernen Südindien. Bonn, 1971.
• Andreas Nehring, Orientalismus und Mission. Wiesbaden, 2003.
• A. K. Ramanujan, Speaking of Siva. New York, 1973.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA13, MASK6d-PR, EC1/1

Letzte Änderung: Do 05.09.2019 12:27