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140316 VO Postkoloniale, post-säkulare und Geschlechtertheorie (2017S)

am Beispiel der Diskurse um sexualisierte Gewalt und Homophobie versus solidarische Selbstimagination in Afrika

Details

Sprache: Deutsch

Lehrende

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Mittwoch 05.04. 17:00 - 19:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 1 UniCampus Hof 5 2M-O1-03
Mittwoch 03.05. 17:00 - 19:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 1 UniCampus Hof 5 2M-O1-03
Mittwoch 10.05. 17:00 - 19:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 1 UniCampus Hof 5 2M-O1-03
Mittwoch 17.05. 17:00 - 19:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 1 UniCampus Hof 5 2M-O1-03
Mittwoch 24.05. 17:00 - 19:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 1 UniCampus Hof 5 2M-O1-03
Mittwoch 31.05. 17:00 - 19:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 1 UniCampus Hof 5 2M-O1-03
Mittwoch 07.06. 17:00 - 19:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 1 UniCampus Hof 5 2M-O1-03
Mittwoch 14.06. 17:00 - 19:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 1 UniCampus Hof 5 2M-O1-03
Mittwoch 21.06. 17:00 - 19:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 1 UniCampus Hof 5 2M-O1-03
Mittwoch 28.06. 17:00 - 19:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 1 UniCampus Hof 5 2M-O1-03

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Bevor der homophobe Diskurs afrikanischer Institutionen kritisiert werden soll, müssen die Spannungen im westlichen (Flüchlings-)Diskurs um Familie-Gender-Sexualität-Nation aufgezeigt werden. Das dominierende Bild von Geflüchteten stellt diese entweder als ‚männlich‘, ‚jung‘, ‚gewaltbereit‘ dar, was sie zur Bedrohung der Mehrheitsgesellschaft des globalen Nordens macht, oder aber die Geflohenen werden als ‚familial‘, ‚mütterlich‘, ‚weiblich‘ und als solche schutzbedürftig dargestellt. Dieses Muster einer auf der Basis binär und heteronormativ definierten Gemeinschaft von Familie wie Nation wird in der Debatte über die sexualisierte Gewalt in der Silvesternacht 2015/16 in deutschen Städten reproduziert, von rechten Kreisen in Europa ausgebaut und selbst in migrationsaffinen Zusammenhängen nicht differenziert genug betrachtet.
In Zeiten starker sozialer und politischer Unsicherheiten, wenn Gesellschaften große Veränderungen durchlaufen, ist die symbolische Geschlechterordnung ein entscheidender Ort, wo Konflikte ausgetragen werden. Kritische postkoloniale, post-säkulare und Gender/Queere Ansätze beschreiben ‚Othering‘ und Ausschluss aufgrund von Sexismus, Homophobie, Rassismus, Nationalismus, etc. als ‚epistemische Gewalt‘ (Said; Spivak).
Die Studie von Amnesty International, 'Making Love a Crime: Criminalization of Same Sex Conduct in Sub-Sahara Africa' (2013) erarbeitet verschiedene Gründe für die anschnellende Entstehung eines gewaltvollen Diskurses in staatlichen Institutionen, Politik, Recht, Medien und Religion. In etlichen Ländern unterstützt die politische Führung Homophobie, um von eigener Misswirtschaft abzulenken. Einige Regierungen gestatten, dass bestimmte Medien Gewalt gegen LGBTIQ Individuen fördern, Stereotype verbreiten, und Homosexualität mit Pädophilie und Korruption verbinden. Bestimmte fundamentalistische Interpretationen von Religionen unterstützen geschlechterbasierte Gewalt. So entsteht ein dominanter Diskurs, der Heterosexualität und Sexismus sanktioniert und normalisiert, von der gesellschaftlichen Norm abweichende und insbesondere LGBTIQ Lebensweisen diskreditiert und sexualisierte Gewalt und Homophobie generiert.
Soziale Mobilisierungen und Aktivismus verstehen sich daher immer stärker als ein Widerstand, der nicht nur Ökonomie und Biopolitik kritisiert, sondern auch epistemische Ordnungen hinterfragt. Anderseits zeigt sich eine Verschiebung des Fokus von Repräsentation und ‚Identität‘ zur Frage individueller ‚Agency‘ mit dem Ziel gesamtgesellschaftlicher Veränderung. Das wird illustriert an der Verschiebung der Gewichtung bspw. von GALA in Südafrika. ‚The Gay and Lesbian Archive‘ gründete sich 1997, um die Erfahrungen der LGBTIQ Menschen, die in den offiziellen Archiven nicht vorkamen, aufzuzeichnen und avancierte zum größten Ressourcenzentrum in Afrika über queere afrikanische Geschichte. Seit 2007 änderten sie ihren Namen in ‚Gay and Lesbian Memory in Action‘, um zu unterstreichen, dass der Fokus sich ausdehnt, auf eine breite soziale Mobilisierung setzt, die auf eine insgesamt solidarische gerechte Gesellschaft abzielt. Der Entwurf einer solidarischen Gesellschaft im queeren Aktivismus wird besonders deutlich am Werk der südafrikanischen Fotografin und Filmemacherin Zanele Muholi. Ihre Arbeiten sind politischer Aktivismus und Performanz. Sie thematisiert Gewalt, ohne die Personen zu viktimisieren. Muholis visueller Aktivismus ist gleichsam ein Beitrag zum ‚radikalen gesellschaftlichen Imaginären‘, das eine Gesellschaft erst jeweils instituiert (Castoriadis) - hier aus der individuellen materialen Erfahrung und Perspektive der Selbstimagination der Künstlerin.
Die Vorlesung erarbeitet Grundkenntnisse einiger poststrukturalistischer Theorieansätze, die es ermöglichen, Gewalt, Sexismus und Widerstand komplexer zu analysieren und führt dieses am Beispiel des Homophobiediskurses im afrikanischen Kontext vor.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

SAG.VO.1, SAG.VO.2, GA.VO.1, GA.VO.2
IE: VM4 und VM7
MA-Globalgeschichte: VO Vertiefung 2 (4 ECTS)

Letzte Änderung: Fr 21.04.2017 13:09