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140343 VO+UE T I - VM1 - VM3 Was darf/kann/soll (k)ein Flüchtling sein? (2012W)

Interdisziplinäre De- und Rekonstruktionen des Flüchtlingsbegriffs

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 15.10. 14:00 - 15:30 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 29.10. 14:00 - 17:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 12.11. 14:00 - 17:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 26.11. 14:00 - 17:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 10.12. 14:00 - 17:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 07.01. 14:00 - 17:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Montag 21.01. 14:00 - 17:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die angebotene Lehrveranstaltung will sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Querschnittsmaterie Flucht und Asyl aufgreifen und zur Dekonstruktion des gesellschaftlich generierten Typus "Flüchtling" im österreichischen Kontext anregen. Ausgehend vom Flüchtlingsbegriff der GFK und der frühen Flüchtlingspolitik Österreichs soll zunächst der Paradigmenwechsel vom "Flüchtling" zum "Asylwerber"; herangezogen werden, um gesellschaftliche Zuschreibungsprozesse zu untersuchen: Durch rechtliche, soziale und mediale Praktiken und Diskurse werden Klassifizierungen und Kategorisierungen vorgenommen, die das festschreiben, was (k)ein Flüchtling ist, sein darf oder kann. Diese Zuschreibungen stehen natürlich in engem Zusammenhang zu anderen vorherrschenden Konzepten, wie dem der Nation oder des "Fremden", und bedingen sich gegenseitig.

Gleichzeitig entstehen und verändern sich die vorherrschenden Bedeutungen des Typus "Flüchtling"; in einem dynamischen System, in dem unterschiedliche Zuschreibungen miteinander konkurrieren: Gesetzlich Festgeschriebenes (z.B. GFK, AsylG etc.) kann im Gegensatz zur rechtlichen Praxis (z.B. BAA, AsylGH etc.) stehen; mediale und gesellschaftliche Diskurse werden nicht nur durch perpetuierte Bedeutungen der Politik und Ministerien sondern auch durch Zurufe zivilgesellschaftlicher AkteurInnen beeinflusst. Der "kriminelle asylmissbrauchende Mann aus Nigeria"; steht so als ein Typus neben dem "armen Kindersoldaten aus Somalia";, der "gebildeten, integrationswilligen Menschrechtsaktivistin aus Tschetschenien"; sowie der "bestens integrierten kosovarischen Familie";.

Die Lehrveranstaltung zielt darauf ab, Praktiken und Diskurse in Zusammenhang mit Flucht und Asyl als System zu diskutieren und zu überlegen, welche Kategorisierungen und Zuschreibungen in welchen Bereichen vorherrschen und wie diese zu anderen Konzepten in Verbindung stehen. Konsequenzen und Folgen unterschiedlicher Zuschreibungen und Festsetzungen sollen gemeinsam diskutiert werden.

Im Rahmen der Lehrveranstaltung sollen nach einer kurzen Einführung in den Bereich Asyl und Flucht v.a. folgende Bereiche und AkteurInnen behandelt werden: Asylgesetze; asylrechtliche Praxis; strukturelle und lebensweltliche Rahmenbedingungen; nicht-staatliche AkteurInnen und zivilgesellschaftliche Praxis; Medien und öffentliche Diskurse

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Lektüre der Texte zu den jeweiligen Einheiten
Mitarbeit
"Kumulative Seminararbeit" (pro Einheit ist ein Essay verfassen, am Abschluss sind diese Essays in einer Arbeit zusammenzuführen)
Referat oder Interviewführung als Gruppenarbeit inkl. Präsentation der Ergebnisse

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Studierenden sollen befähigt werden gesellschaftliche Konstitutionsprozesse im Praxisfeld Asyl zu rekonstruieren und diese (u.a. in Bezug auf ein "Recht auf Asyl") kritisch zu hinterfragen; damit zusammenhängende Konzeptualisierungen wie Ethnie, Race, Nation, Migrant_in etc. sollen thematisiert werden; eigene Vorstellungen und implizite Bedeutungen im Bereich Flucht und Asyl, die die Studierenden selbst mitbringen, sollen mittels Übungen und Diskussionen reflektiert werden.

Prüfungsstoff

Die Lehrveranstaltung arbeitet mit drei Säulen: das gemeinsame Lesen, Erarbeiten und Diskutieren von Texten; Analyse konkreter Dokumente und Diskurse (Gesetzestexte, Interviews etc.); geleitete und vorbereitete Diskussion mit Gästen aus der Praxis

Literatur

Vorbereitungslektüre für die erste Einheit:
Volf, Patrik-Paul (1995): Der politische Flüchtling als Symbol der 2. Republik. Zur Asyl- und Flüchtlingspolitik seit 1945. In: Zeitgeschichte, H. 11-12, S. 415-435.
Abrufbar unter:
http://www.demokratiezentrum.org/fileadmin/media/pdf/volf.pdf

Die weitere Literatur wird in der ersten Einheit bekannt gegeben.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

T I; VM!, VM3

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:51