Universität Wien FIND

140366 SE VM3 / VM4 - Körperpolitiken des Essens (2017S)

soziologische Perspektiven auf eine Alltagspraxis

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
NR

An/Abmeldung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 15.03. 12:00 - 15:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 26.04. 12:00 - 15:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 10.05. 12:00 - 15:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 24.05. 12:00 - 15:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 07.06. 12:00 - 15:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 21.06. 12:00 - 15:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Lebensmittelskandale, Sicherheit und Qualität von Nahrungsmitteln, Konsumethik, Kalorienzählen, Fettleibigkeit als Zivilisationskrankheiten, Mangelernährung und die (politische) Angst vor leeren Mägen – Essen ist paradox. Denn es beschert nicht nur Genuss und Befriedigung und ist sozial sinnstiftend. Gleichzeitig ist es Dreh- und Angelpunkt sozialer Ängste und steht damit vermehrt im Zentrum polit-ökonomischer, sozial-kritischer sowie individueller Auseinandersetzungen.
Dem Thema Essen kann sich niemand entziehen, denn es ist im wahrsten Sinne des Wortes Lebens-mittel und somit von höchster existentieller Bedeutung. In Bezug auf ernährungsbedingte gesundheitliche Herausforderungen ist eine doppelte Entwicklung zu beobachten: einerseits fehlt es nach wie vor vielen Menschen an Zugang zu vollwertiger Nahrung, gleichzeitig nehmen Wohlstandskrankheiten durch übermäßigen Lebensmittelkonsum zu. Essen avanciert zudem zum Regulationsschlüssel zur Formung des Körpers und der Identität. So sind Ernährungsregime, Esstabus- und störungen ein stets wachendes Feld, in dem sich Körperpolitiken und Unsicherheit über die richtige Ernährung überschneiden und in den Körper einschreiben. Hinzu kommen ethische Fragen über Herkunft und Produktionsbedingungen unseres Essens.
Dass Sorge rund um die Qualität und Angemessenheit dessen entsteht, was sich der Mensch einverleibt, ist aus soziologischer Sicht wenig überraschend. Denn Essen überschreitet körperliche und symbolische Grenzen und wirkt dabei verbindend oder abgrenzend zwischen dem Selbst und der Welt, dem Privaten und dem Öffentlichen. Belasco beispielsweise beschreibt Nahrung als eine starke, essbare Dynamik, die es vermag, Gegenwart und Vergangenheit, Individuum und Gesellschaft, den Haushalt mit der Weltwirtschaft und damit den Gaumen mit Macht in Verbindung zu setzen. Die soziologische Perspektive auf Essen als Alltagspraxis verlässt dabei die individuelle, pathologisierende Ebene und öffnet den Blick für diese Art der Grenzüberschreitung: im Seminar beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Formen von Ängsten und Unsicherheiten in Bezug auf Ernährung und hinterfragen deren Einbettung in gesellschaftliche Zusammenhänge. Dabei sind bspw. identitätsstiftende Aspekte von Essen und Verknüpfungen mit Macht, Geschlechter- und Körpernormen genauso von Interesse wie die Frage nach sozialer Ungleichheit. Ziel des Seminars ist es außerdem, die verschiedenen Dimensionen von Food Anxiety in einen gesellschaftsvergleichenden Blick zu nehmen und damit die geographisch-normative Einteilung der Welt von Hunger und Überfluss zu thematisieren. Erarbeitet werden diese Inhalte anhand von Basis- und weiterführender Lektüre, der Recherche zu Fallstudien, Gruppenarbeiten u.a.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Regelmäßige Teilnahme, Referate und schriftliche Seminararbeit.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Referate, Zusammenarbeit in Kleingruppen

Literatur

Literatur wird am 1. Seminartag bekanntgegeben.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

VM3, VM4

Letzte Änderung: So 12.03.2017 10:48