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160033 SE Klavier- und Liederzyklen des 19. und 20. Jahrhunderts (2017W)

aus Sicht der Gattungs-, Interpretations- und Rezeptionsgeschichte

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 20 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 17.10. 12:30 - 15:45 Seminarraum d. Inst. f. Musikwissenschaft UniCampus Hof 9 3A-O1-31
Dienstag 31.10. 12:30 - 15:45 Seminarraum d. Inst. f. Musikwissenschaft UniCampus Hof 9 3A-O1-31
Dienstag 14.11. 12:30 - 15:45 Seminarraum d. Inst. f. Musikwissenschaft UniCampus Hof 9 3A-O1-31
Dienstag 28.11. 12:30 - 15:45 Seminarraum d. Inst. f. Musikwissenschaft UniCampus Hof 9 3A-O1-31
Dienstag 12.12. 12:30 - 15:45 Seminarraum d. Inst. f. Musikwissenschaft UniCampus Hof 9 3A-O1-31
Dienstag 09.01. 12:30 - 15:45 Seminarraum d. Inst. f. Musikwissenschaft UniCampus Hof 9 3A-O1-31
Dienstag 23.01. 12:30 - 15:45 Seminarraum d. Inst. f. Musikwissenschaft UniCampus Hof 9 3A-O1-31

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Musikalische Zyklen im emphatischen Sinn sind erstmals in der mehrstimmigen Messe des 15. und 16. Jahrhunderts anzutreffen, setzen sich fort in systematisch angelegten Werksammlungen und zyklischen Kompositionen bei Bach (Das wohltemperierte Klavier; Brandenburgische Konzerte, „Goldberg-Variationen“), Haydn (Streichquartette op. 33), Mozart („Haydn“-Quartette), erfahren ihren Höhepunkt in den großen Lieder- und Instrumentalzyklen des 19. und 20. Jahrhunderts, etwa bei Beethoven, Schubert, Schumann, Chopin, Brahms, Fauré, Debussy, Schönberg und Kurtág, und reichen hinein in die Geschichte der populären Musik, etwa in den oft dezidiert zyklisch angelegten Konzeptalben seit den 1960er Jahren (The Beatles, Pink Floyd, Radiohead u.v.a.). Über den Aspekt einer bloßen Sammlung von Stücken nach bestimmten Prinzipien (z.B. Stimmenzahl, Tonart, Tempi etc.) hinaus zeigen viele dieser Zyklen deutliche Merkmale kompositorischer Integration (z.B. durch gemeinsames thematisch-motivisches Material/thèmes cycliques, beziehungsreichen Tonartenplan, gestische und/oder tonale Kontrastdramaturgien, „multifunktionale“ Verschränkung von Mehrsätzigkeit und Einsätzigkeit etc.), aber auch Tendenzen der Desintegration und Fragmentierung. Die Geschichte der Sonate bzw. Sinfonie kann als eine Prozess der Standardisierung und Deformation/Desintegration bestimmter zyklischer Aspekte verstanden werden.

Im Seminar wird der Begriff des musikalischen Zyklus zunächst aus gattungsgeschichtlicher Perspektive für die Musik des 19. und 20. Jahrhunderts diskutiert und problematisiert. Im Vordergrund sollen dabei vor allem musikalische Zyklen stehen, die sich nicht ohne weiteres in das Formparadigma der Sinfonie und Sonate einfügen und dabei eine komplexe und mehrdeutige Gesamtanlage schaffen. Dazu zählen neben den bekannten Liederzyklen insbesondere Charakterstück-Zyklen wie Schumanns Carnaval. Dabei wird anhand von Klavier- und Liedkompositionen der Gegensatz zwischen einem Verständnis von Zyklus als integralem Gesamtwerk einerseits und als „Zyklus von Fragmenten“ (Roland Barthes) andererseits thematisiert.

Insbesondere Interpretations- und Rezeptionsgeschichte musikalischer Zyklen bieten reichhaltiges Material, um zu erkunden, wie diese (relative) formale Offenheit zyklischer Werke oder Werkreihen durch Aufführung und Hörstrategien realisiert wurde bzw. werden kann. Besonders in den Liederzyklen entsteht durch die Präsenz der Textgrundlage ein vielfältiges Ineinandergreifen von textlicher, narrativer/inhaltlicher und musikalischer Dramaturgie, das detailliert beschrieben werden kann und u.a. vor dem sozial- oder ideengeschichtlichen Hintergrund, der Aufführungspraxis und Hörpraxis der Entstehungszeit und der folgenden interpretations- und rezeptionsgeschichtlichen Entwicklungen die Vieldeutigkeit zyklischer Werke erfahrbar macht. Einen Sonderfall bildet die kompositorische Rezeption zyklischer Werke, die diese Vieldeutigkeit gezielt abtasten kann, etwa in Hans Zenders „komponierten Interpretationen“ von Schuberts Winterreise und Beethovens „Diabelli-Variationen“.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

regelmäßige Mitarbeit und Vorbereitung ausgewählter Texte für das Seminar
Referat
Proseminar- oder Seminararbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Hilfreich sind Grundkenntnisse der Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts; wünschenswert ist ein Interesse an Interpretations- und Rezeptionsforschung.

Prüfungsstoff

Literatur

Agawu, Kofi (1992), Theory and Practice in the Analysis of the Nineteenth-Century Lied, in: Music Analysis 11/1, 3–36.
Barthes, Roland (1990), Schumann lieben [1982], in: ders., Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn. Kritische Essays III, Frankfurt a. M., 293–298.
Dürr, Walther (1984), Das deutsche Sololied im 19. Jahrhundert. Untersuchungen zu Sprache und Musik, Wilhelmshaven.
Edler, Arnfried (1997), Die Einheit von Form und Zyklus, in: Gattungen der Musik für Tasteninstrumente (Handbuch der musikalischen Gattungen 7,1), Laaber, 58–68.
Finscher, Ludwig (1998/2016), Zyklus, in: MGG Online, https://www.mgg-online.com.
Perrey, Beate J. (2002), Schumann’s Dichterliebe and Early Romantic Poetics. Fragmentation of Desire (Cambridge Studies in Music Theory and Analysis 17), Cambridge.
Schmierer, Elisabeth (2017), Geschichte des Kunstlieds. Eine Einführung, Laaber.
Sprau, Kilian (2017), Das Lied als Fragment. Zur Frage der Zyklizität in Liedkompositionen des 19. Jahrhunderts, in: Martin Skamletz / Michael Lehner / Stephan Zirwes (Hrsg.), Musiktheorie im 19. Jahrhundert. 11. Jahreskongress der Gesellschaft für Musiktheorie in Bern 2011, Schliengen 2017, 302–311.
Stenzl, Jürg (2016), Auf der Suche nach einer Rezeptions- und Interpretationsgeschichte von Beethovens “Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli, in: Ludwig van Beethoven „Diabelli-Variationen“ (Musik-Konzepte 171), hrsg. von Ulrich Tadday, München, 48–95.
Tunbridge, Laura (2010), The Song Cycle, Cambridge.
Utz, Christian (2017), Komponierte, interpretierte und wahrgenommene Zeit. Zur Integration temporaler Strukturen in eine performative Analyse – eine Diskussion anhand von Johann Sebastian Bachs „Goldberg-Variationen“, in: Musik & Ästhetik 21/81, 5–23.
Youens, Susan (2001), Song Cycle, in: Grove Music Online, http://www.oxfordmusiconline.com

weitere Literatur wird im Seminar bekannt gegeben.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA (2016): BAC, HIS-V2, INT, FRE
BA (2011): B03, B08, B10, B16, B17
MA: M01, M02, M04, M05, M13, M14

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:42