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160139 PS Literaturtheorie (PS): Schriftsteller interpretieren Schriftsteller (2011S)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 07.03. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 21.03. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 28.03. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 04.04. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 11.04. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 02.05. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 09.05. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 16.05. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 23.05. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 30.05. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 06.06. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 20.06. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 27.06. 16:00 - 17:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Lehrveranstaltung will eine Reihe von Texten untersuchen, in denen namhafte Schriftsteller die Werke anderer namhafter Schriftsteller interpretieren. Diese besondere rezeptionsgeschichtliche Konstellation - nicht selten ist sie als poetische Wahlverwandtschaft oder poetologisches Konkurrenzkorrektiv (Stichwort: Einflussangst) gekennzeichnet - eröffnet einige wesentliche Fragefelder der Literaturtheorie:

Zuoberst steht die Frage nach den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Interpretation; die Frage, was es heißt, ein literarisches Werk zu deuten, zu analysieren, es kritisch auszulegen; kurz: hier soll anhand der besprochenen Texte aufgezeigt werden, welche unterschiedlichen Richtungen oder Methoden der Interpretation und Überinterpretation am Jahrmarkt der intellektuellen Eitelkeiten zu finden sind, denn unehrgeizig geht es nur selten zu, wenn sich ein Schriftsteller so tief über das Werk eines anderen senkt, dass er sich - uneigentlich gesprochen - übergibt. In jedem Willen zur Interpretation steckt ein Wille zur Macht: auch wenn kein Jenseits des Textes existiert, so lässt sich doch auch nirgendwo ein Jenseits des schreibenden Subjekts verorten.

Da es sich bei den Interpreten selbst um Autoren handelt, die ein eigenes literarisches Werk hervorgebracht haben, soll in einer analytischen Parallelaktion aufgezeigt werden, welche Spuren des literarischen Selbstverständnisses in den Interpretationen zu finden sind. Mit anderen Worten: es geht hier um die Frage nach der Poeteologie; jeder große Autor hat eine eigene Theorie, wie und was Literatur zu sein und was sie zu bedeuten habe, eine ästhetische Reflexion, die sich in die literarischen Werke einschreibt oder sich explizit in den Essays und Aufsätzen zu anderen Autoren äußert. Das "Eigene" ist niemals das "Eigenständige", sondern es befindet sich in einer Tradition, die es - im Namen der theoretischen Selbstbehauptung - durch die kritische Aus-Ein-Ander-Setzung mit den Vorfahren/Vorläufern/Vorgängern (auch diese Dynamik genealogischer Voraussetzungsmetaphern wäre eine Analyse wert) erst zu begründen und zu rechtfertigen gilt. Das Gleichzeitige, wohlgemerkt, ist das Ungleichzeitige.

Aus Position eins und zwei ergibt sich Position drei (zumindest theoretisch): Es soll nämlich en passant auch die Frage gestellt werden, wie sich die poetelogische Reflexion formal in der Interpretationsarbeit reartikuliert hat. Unkomplexer ausgedrückt: ob nicht hier und da in den Texten, die ein Schriftsteller zu den Werken eines anderen Schriftstellers schreibt, die eigene literarische Tätigkeit gehörig durchschlägt; ob nicht die Interpretation, die, wie man vermuten könnte, nur sogenannte Sekundärliteratur sein will, selbst wieder - über die Hintertür einer perversiven Lust am Text - zur Kunst gerät (fern von Emil Staigers "Kunst der Interpretation"). Die literaturtheoretische Problematik, die sich hier eröffnet, zielt also auf die Frage nach der Grenze: Was separiert den sogenannten Paratext, das Beiwerk, vom eigentlichen Werk? Lässt sich Literatur überhaupt definieren, d. h. vom Außen der Interpretation unberührt halten? Wie sehr hat ein Essay, der über Literatur schreibt, selbst Anteil am Literarischen?

Es geht also:
a) um das offene Kunstwerk und seine Feinde
b) um die poetologische Positionierung des Schriftstellers als Interpret
c) um die Aufhebung der Literatur in der Form des Essays

Die Texte, die besprochen werden sollen, sind folgende (die Auswahl ist selektiv; konstruktive Vorschläge, die dem oben skizzierten Spielraum entsprechen, werden gerne per Email entgegen genommen und im Fall des Gefallens berücksichtigt):

- Mario Vargas Llosa über Flaubert ("Die ewige Orgie")
- Thomas Mann über Cervantes ("Meerfahrt mit Don Quijote")
- Arno Schmidt über Karl May und eine Menge anderer Autoren ("Sitara"; "Nachtprogramme" etc.)
- Samuel Beckett über Proust ("Proust")
- Jorge Luis Borges über Kafka und eine Menge anderer Autoren ("Inquisitionen")
- Vladimir Nabokov über Kafka und eine Menge anderer Autoren ("Die Kunst des Lesens")
- W. G. Sebald über Thomas Bernhard und eine Menge anderer österreichischer Schriftsteller ("Unheimliche Heimat","Beschreibung des Unglücks")
- Elfriede Jelinek über Robert Walser ("Er nicht als er")
- Hermann Broch über Joyce und Vergil ("James Joyce und die Gegenwart")
- Marcel Proust über Flaubert und Baudelaire ("Tage des Lesens")

Die Lehrveranstaltung, als Proseminar der Literaturtheorie konzipiert, richtet sich auch an Anfänger des Literaturwissenschaftsstudiums; vorausgesetzt sind somit nur die Bereitschaft zur Textlektüre (20-30 Seiten pro Woche) und zum Mitdenken.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Anforderungen für den Schein: Referat; laufende Textlektüre (->Mitarbeit); schriftliche Proseminararbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Diplom VL 113, BA M3

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:35