Universität Wien FIND

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170511 UE Ferdinand Raimunds Zauberstücke im Theaterbetrieb des 19. Jahrhunderts (2019S)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Anmeldung: Die selbstständige Anmeldung über u:space innerhalb der Anmeldephase zu Semesterbeginn ist für die Teilnahme an dieser Lehrveranstaltung verpflichtend. Eine nachträgliche Anmeldung ist nicht möglich. Die Anmeldezeiten entnehmen Sie bitte unserer Homepage unter https://spl-tfm.univie.ac.at/studium/

Anwesenheitspflicht in der ersten Einheit: Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung. Studierende von der Warteliste können nachrücken.

Plagiate: Prüfungsleistungen und Prüfungszugänge, die durch das Verwenden unerlaubter Hilfsmittel oder durch absichtsvolles Plagiieren erlangt werden, werden laut Satzung der Universität Wien (§13, §74) nicht beurteilt, sondern im Sammelzeugnis untilgbar mit (X) bewertet. Dies ist auch nach bereits erfolgter Benotung rückwirkend möglich, wenn sich der Tatbestand des Plagiats erst im Nachhinein erweisen sollte. Als Plagiat gilt die absichtsvolle und undeklarierte Übernahme von fremdem geistigen Eigentum ohne Angabe der Quelle; der Begriff des Plagiats umfasst dabei wörtliche Zitate ebenso wie übersetzte Übernahmen und Paraphrasen.

Weitere Infos zum Studium finden Sie unter https://spl-tfm.univie.ac.at/

An/Abmeldung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Die beiden längeren Blöcke an den Freitagen (5.4., 10.5.) sollen u.a. für gemeinsame Theaterbesuche genutzt werden. Nähere Information hierzu folgen in der ersten Einheit.

Freitag 15.03. 13:15 - 14:45 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Freitag 05.04. 13:15 - 21:30 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Samstag 06.04. 08:00 - 12:45 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Freitag 10.05. 13:15 - 21:30 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Samstag 11.05. 08:00 - 12:45 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die im Entstehen begriffene historisch-kritische Ausgabe soll der Anlass zu einer neuerlichen Auseinandersetzung mit Ferdinand Raimund (1790-1836) sein, der neben Johann Nestroy, Franz Grillparzer und Ludwig Anzengruber zu den bedeutendsten Protagonisten im Wiener Theaterbetrieb des 19. Jahrhunderts zählt. Es ist nicht zuletzt das Verdienst der jüngeren Raimund-Forschung, dass das über Jahrzehnte hinweg geprägte Bild vom "naiv-sentimentalen" Biedermeierdichter allmählich seine Konturen verliert. Lange Zeit galt Raimund als der "Vollender des Zauberstücks" (Otto Rommel), der dem bevorzugten Genre seiner Vorgänger zu neuer "poetischer Höhe" verholfen habe. Dennoch sind die vielpraktizierten Vergleiche mit Johann Nestroy zumeist zu seinen Ungunsten ausgefallen. So wird seinen märchenhaften und theaterwirksamen "Besserungsstücken" die satirische Genialität Nestroys entgegengehalten, die nicht mehr davor zurückschreckt, soziale Kritik zu äußern.
Im Rahmen der LV soll dieses aus der Opposition zu Nestroy entstandene Bild Raimunds erneut diskutiert werden. Robert Musil hat anlässlich einer Aufführung von Raimunds "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" auf die enge Verflechtung von Sentimentalität und Brutalität hingewiesen, die den "harmlos" anmutenden Stücken eine weitaus facettenreichere Dimension eröffnet. Die dramaturgische Dualität von Märchenhandlung und fiktiver Realität machen Raimunds Dramen im Kontext der zeitgenössischen Zensur und der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen der Habsburgermonarchie (Napoleonische Kriege, Staatsbankrott, Zensur, Überwachungsstaat) für neue Analysen attraktiv. Nicht zuletzt lässt sich im dramaturgisch teilweise nicht unkomplizierten Zauberapparat Raimunds eine "poetische Indirektheit" (Johann Sonnleitner) konstatieren, durch die ein über den Dramentext hinausgehender Anspielungsrahmen der Stücke evident wird. Dementsprechend sollen die Zauberstücke Raimunds einerseits in ihrer "Eskapismusfunktion", andererseits allerdings auch als "Immunisierungsstrategie" gegen die Zensur besprochen werden. Hierbei muss beachtet werden, dass Raimund Theaterpraktiker war, der sich zuerst einen Namen als Schauspieler und erst danach als Dramatiker machte, was im Kontext der Dramaturgie der Stücke v.a. von Seiten der Literaturwissenschaft oft unberücksichtigt bleibt.
Ebenso soll es zu einer Thematisierung der problematischen Funktionalisierung Raimunds als exemplarischer "deutscher Volksdichter" in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommen, die in der Denkmalerrichtung 1898 einen Höhepunkt fand. Diese Funktionalisierung Raimunds für deutschnationale Zwecke spiegelt sich bekanntlich auch in der späteren Raimund-Biographie Heinz Kindermanns deutlich wider. Dass Raimund demgegenüber auch zeitgenössischen Literaten als bedeutsame Reverenz dient, zeigen etwa Elfriede Jelineks "Burgtheater" ("Raimund schau oba") oder Peter Handkes Roman "Morawische Nacht".

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Anwesenheit, Referat, wissenschaftliche Arbeit (ca. 10 Seiten), Abschlussgespräch mit Feeback zur Arbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Referat (25%), wissenschaftliche Arbeit (50%), Abschlussgespräch (25%)

Prüfungsstoff

Literatur

Zur Einführung:
Ian F. Roe: Ferdinand Raimund. Hannover: Wehrhahn 2010.
Johann Sonnleitner: Sentimentalität und Brutalität. Zu Raimunds Komödienpoetik des Indirekten. In: Raimund. Nestroy. Grillparzer. Witz und Lebensangst. Hrsg. v. Ilija Dürhammer und Pia Janke. Wien: Paesens 2001, S. 81-96.
Matthias Mansky: Ferdinand Raimunds Schockdramaturgie. In: Ferdinand Raimunds inszenierte Fantasien. Hrsg. v. Hubert Christian Ehalt und Jürgen Hein. Wien: Lehner 2008, S. 70-86.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36