Universität Wien FIND

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170512 UE Vom Schreibtisch auf die Bühne aus der Welt? (2020W)

Zeitgenössische Dramatik in der Dauerkrise

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Hinweis: Die LV wird ausschließlich digital stattfinden.

Sonntag 18.10.2020 09:45 - 14:45 Digital
Sonntag 10.01.2021 09:45 - 14:45 Digital
Samstag 30.01.2021 13:15 - 14:45 Digital

Neben den Terminen für digitale Lehre werden Sie über das Semester hinweg selbstständig ein schriftstellerisches Projekt verfolgen und ihren Prozess in einem Tagebuch dokumentieren. Die Abgabedaten hierfür folgen.

Sonntag 18.10. 09:45 - 11:15 Digital
Sonntag 18.10. 13:15 - 14:45 Digital
Sonntag 10.01. 09:45 - 14:45 Digital
Samstag 30.01. 13:15 - 14:45 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

VOM SCHREIBTISCH AUF DIE BÜHNE AUS DER WELT?

Von Schiller zu Sybille Berg. Die Liste der Autor*innen, die ihren Schreibtisch zur Prämisse ihres literarischen Schaffens erklärt haben, ist lang. Franz Kafka schrieb in einem Brief an Max Brod: »Das Dasein des Schriftstellers ist wirklich vom Schreibtisch abhängig, er darf sich eigentlich, wenn er dem Irrsinn entgehen will, niemals vom Schreibtisch entfernen, mit den Zähnen muss er sich festhalten.« Elfriede Jelinek bezeichnet sich selbst als »Schreibtischtäterin«. Sybille Berg kettet sich an ihr Stehpult: »Tagelang kann ich auf der Suche nach dem einen richtigen Wort zubringen. Ich esse dann nicht. Trete nicht aus.«

Wer einen Schreibtisch besitzt oder besetzt, ist noch keine Schriftsteller*in. Wie kommt der Text vom Tisch (oder von der Festplatte) auf die Bühne? Und wie kommt er von dort in die Mitte der Gesellschaft? Interessiert das Theater in Zeiten des Serien- und Podcast-Hypes überhaupt noch irgendwen? Seit Jahren klagen Theater über Zuschauerschwund, Relevanzverlust, Einheitspublikum und die Belanglosigkeiten des Nachwuchses. Claus Peymann hat das Spektrum aktueller Texte so zusammengefasst: „Es ist immer das Problem, das die Autoren mit ihrer Großmutter haben oder dem Papi oder ihrem Pimmel.“

Immer wieder weht ein Hauch von Ahnungslosigkeit durch das Feuilleton: Was fabrizieren zeitgenössische Autor*innen da eigentlich auf ihren Elfenbein-Studiobühnen? Versteht das noch wer? Es verwundert also nicht, dass das meist gespielte zeitgenössische Theaterstück der letzten Jahre der Jugendroman "Tschick" war. Der allgemeine Trend zu Romanadaptionen, Dekonstruktionen, Stückentwicklungen, Performances und Happenings nagt am Selbstwertgefühl des Autor*innentheaters.

„Es ist so, als würde BMW die Entwicklungsabteilung schließen, weil der Laden ja läuft, und darauf vertrauen, dass die kleineren Werkstätten im Lande den Karren schon vorwärts treiben. So verhalten sich mittlerweile die Theater, wenn es um Autoren geht“, schreibt Peter Stoltzenberg.

Die Dramatiker*innen schreiben Kleinstformate für 2-4 Personen in Akkordarbeit, die so tagesaktuell sind wie Meinungsartikel, aber bei ihrer Aufführung der Gegenwart längst wieder hinterherlaufen. Die Autor*innen sind angefressen, schreiben Pamphlete, fordern eine Quote, wollen zurück auf die große Bühne, wollen ihre Tragweite zurückerobern – oder zumindest von ihrer Arbeit leben können. Doch obwohl es Förderpreise und Stipendien gibt wie Sand am Meer, außerdem Schreibschulen, die lehren, wie das gehen soll, für's Theater zu schreiben, stellen selbst die Leiter dieser Schulen fest: An Nennenswertem fehle es. Was ist da los? Sind die großen und kleinen Tage der zeitgenössischen Autor*innnen am Theater gezählt? Oder überleben uns die Totgesagten alle?

ZIELE

In dieser LV soll ein Einblick in die Entwicklung vom Drama zum zeitgenössischen Theatertext gegeben und Bedeutung und Bedeutungsverlust des Textes im Theater nachgespürt werden. Nicht zuletzt soll eine bühnentaugliche Szene entwickelt werden, die Sie – wegen der momentanen Lage ganz zeitgemäß – in einem Video vertonen und bebildern werden. Im Prozess wird ein Vorgeschmack auf das Glück und Unglück des dramatischen Schreibens gegeben. Gleichzeitig werden wir versuchen, uns in den aktuellen Diskurs einzuklinken. Kein Grabgesang, sondern die Frage: Wie kann die Zukunft des Textes im Theater aussehen?

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

WAS VON IHNEN ERWARTET WIRD:

1. Arbeitskonzept (halbe Seite) und Text/Szene (± 5000 Zeichen)

2. Video: Vertonung und Visualisierung Ihres Texts. Von einer abgefilmten Lesung bis zu Found-Footage-Collagen ist Ihrer Fantasie
keine Grenze gesetzt.

3. Konstruktives Feedback zu den Arbeiten Ihrer Kolleg*innen

4. Recherchetagebuch: Ein digitales Notizheft, aus dem die Arbeitsweise ersichtlich wird. Außerdem kurze Inhaltsangaben und Gedanken zur Pflichtlektüre. Darüberhinaus: Ideen, Verwerfungen, Visionen und Spinnereien.

PRÜFUNGSIMMANENT

Digitale Anwesenheit, aktive Mitarbeit, Recherchetagebuch, Entwicklung und Weiterentwicklung des literarischen Projekts und der Videopräsentation (Hauptleistung)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

MINDESTANFORDERUNG

Geistige Anwesenheit. Aktive Mitarbeit. Eigenverantwortliches Verfassen von Texte. Bereitschaft für Schreiben, Lesen, Redigieren, Experimentieren. Diese Lehrveranstaltung ist eine Schreibwerkstatt, die von Mut und Kritik lebt. Die Texte werden online gestellt, gelesen und diskutiert.

BEURTEILUNGSMAßSTAB
Recherchetagebuch: 33%
Qualität und Entwicklung des literarischen Projekts: 34%
Feedback und Beteiligung: 33%

Prüfungsstoff

Keine Prüfung.

Literatur

Folgt.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 05.10.2020 10:09