Universität Wien FIND

Auf Grund der COVID-19 Pandemie kann es bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen auch kurzfristig zu Änderungen kommen. Informieren Sie sich laufend in u:find und checken Sie regelmäßig Ihre E-Mails. Bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen gilt Anmeldepflicht, vor Ort gelten FFP2-Pflicht und 2,5G.

Lesen Sie bitte die Informationen auf studieren.univie.ac.at/info.

170515 UE Imagining October. Die Sowjetische Filmavantgarde 1917-35 (2017W)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Anmeldung: Die selbstständige Anmeldung über u:space innerhalb der Anmeldephase zu Semesterbeginn ist für die Teilnahme an dieser Lehrveranstaltung verpflichtend. Eine nachträgliche Anmeldung ist nicht möglich. Die Anmeldezeiten entnehmen Sie bitte unserer Homepage unter https://spl-tfm.univie.ac.at/studium/

Anwesenheitspflicht in der ersten Einheit: Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung. Studierende von der Warteliste können nachrücken.

Plagiate: Prüfungsleistungen und Prüfungszugänge, die durch das Verwenden unerlaubter Hilfsmittel oder durch absichtsvolles Plagiieren erlangt werden, werden laut Satzung der Universität Wien (§13, §74) nicht beurteilt, sondern im Sammelzeugnis untilgbar mit (X) bewertet. Dies ist auch nach bereits erfolgter Benotung rückwirkend möglich, wenn sich der Tatbestand des Plagiats erst im Nachhinein erweisen sollte. Als Plagiat gilt die absichtsvolle und undeklarierte Übernahme von fremdem geistigen Eigentum ohne Angabe der Quelle; der Begriff des Plagiats umfasst dabei wörtliche Zitate ebenso wie übersetzte Übernahmen und Paraphrasen.

Weitere Infos zum Studium finden Sie unter https://spl-tfm.univie.ac.at/

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Samstag 21.10. 09:00 - 13:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Sonntag 22.10. 09:00 - 13:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Samstag 09.12. 08:45 - 13:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Sonntag 10.12. 08:45 - 13:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Samstag 13.01. 08:45 - 13:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Sonntag 14.01. 08:45 - 13:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

INHALTE: Das Revolutionskino als Projekt wurde ausgelöst durch Sergei Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" (1925). Nicht zufällig steht dieser Filmklassiker am Anfang unserer Beschäftigung mit der Sowjetischen Filmavantgarde 1917-1935, dessen Vertonungen kürzlich Furore machten (Pet Shop Boys; Nadeltonfassung 1930). Neben Werken der kanonischen Regisseure Sergei Eisenstein, Dziga Vertov und Wsewolod Pudowkin werden wir uns auch mit den vergleichsweise unbekannteren Meistern Lew Kuleschow, Abram Room und Alexander Medwedkin beschäftigen – und mit dem Ende der Avantgarde im Stalinismus.
Das Sowjetische Kino ist immer auch ein Kino der Utopie gewesen, das die Konstruktion eines anderen Lebens und des neuen Menschen zeigte, vorzugsweise in Komödien, wie Abram Rooms "Bett und Sofa" (Dreierbeziehung, selbständige Frau) oder in dem Science Fiktion "Aelita" (Revolution auf dem Mars). Auch über den politischen Gegner konnte man sich lustig machen, wie in Kuleschows überdrehten Komödien "Mr. West im Land der Bolschewiki" (1924) und "Todesstrahl" (1925). Es gab aber auch ein Kino der Wahrnehmung, wie in Dziga Vertovs "Mann mit der Kamera" (1928/29) oder in Viktor Turins "Turksib" (1929), die für die Neugier auf das Leben (Elefanten, Magier, fremde Kulturen) plädieren. Und es gab auch Filme des radikalen Zweifels, wie Kuleschows "Dura Lex" (1926) und Rooms "Bett und Sofa" (1926), beide nach Drehbüchern des häufig attackierten Schriftstellers Viktor Schklowski entstanden. Alexander Medwedkins chaplineske Satire "Das Glück" (1934), in der ein tölpelhafter Bauer sich partout nicht in das neue Kolchos-Leben einfinden kann, ist schließlich ein letzter verspäteter Irrläufer dieses fragenden Kinos.
Das Sowjetische Kino ist stets ein Kino der Regisseure gewesen. Die Rolle des Filmproduzenten wie im Westen gab es dort nicht. Die Administration konnte zwar einen Regisseur in der Arbeit behindern, demütigen und zum Konformismus zwingen, aber es blieb immer sein Film. Daraus resultiert die ambivalente Beziehung der Sowjetkünstler zur politischen Macht. Aus dieser Symbiose entstanden Anfang der 1930er Jahre Filme über Spione, fremde Aggressoren, Streikbrecher wie Pudowkins "Deserteur" (1933) und Dowshenkos "Aerograd" (1935). Die offizielle ästhetische Doktrin bezeichnete sich als Sozialistischen Realismus, der mit Vorzeigehelden operierte wie in dem musterhaften "Tschapajew" (1934). Doch wenn es ein Kino gibt, dass weniger die Realität als das Imaginäre eines Landes zeigte, dann ist es das Sowjetische gewesen.
ZIELE: Ziel des Seminars ist es, einen vorgegebenen Filmkorpus zu erfassen und filmgeschichtlich einzuordnen. Es geht darum, anhand zentraler Filme die Entwicklung der Sowjetfilmavantgarde nachzuvollziehen und für die verschiedenen Phasen auch die Bezüge zur politischen Geschichte der Sowjetunion herzustellen. Außerdem werden wir zwei unterschiedliche Interpretationskonzepte diskutieren: Die klassische Position sieht die Sowjetavantgarde als ein Kino von Autorenfilmern (Jay Leyda), während neuere Ansätze dem Filmminister, den sowjetischen Filminstitutionen und der Filmindustrie mehr Gewicht beimessen (Taylor/Christie; Thompson).
METHODEN: Sichten und Diskutieren ausgewählter Filme des Filmkorpus (z.T. nur in Ausschnitten), ergänzt durch studentische Referate. Der Seminarleiter führt ein in Thema, Methodologie, Filmautoren und ausgewählte Vertonungen. Zum dritten Seminarblock im Januar sollen einige der Hausarbeiten dem Seminarleiter bereits vorliegen, vom VerfasserInnen als Impulsreferat prägnant vorgetragen, und im Plenum diskutiert werden. Hier gibt es durch die Rückmeldungen die Möglichkeit, die schriftliche Hausarbeit aufgrund der Diskussion zu verbessern und erneut einzureichen. Alternativ können aber die schriftlichen Hausarbeiten auch zum Seminarende eingereicht werden.
Eine längere Einführung des Seminarleiters zur Methodologie wird darstellen, wie ein kritischer Text auszusehen hat, welche Fehler und Fallen es zu vermeiden gilt.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Art der Leistungskontrolle:
Mündliche Mitarbeit + Referat (wahlweise Impuls- oder Gruppen-) + schriftliche Hausarbeit.

1. Modell: Schriftliche Hausarbeit zum 5. Januar 2017 per e-mail an den Seminarleiter + Impulsreferat (5') im letzten Seminarblock (13./14.1.), in dem die Kernelemente dieser Hausarbeit vorgestellt werden. Die vorgetragenen Referate werden hinsichtlich Stil und inhaltlicher Thesen diskutiert und kommentiert durch Plenum und Seminarleiter. Die Hausarbeit kann – falls gewünscht – aufgrund der Anregungen und Kritik noch mal überarbeitet und dem Seminarleiter bis zum 15. Februar 2018 eingereicht werden.

2. Modell: Gruppenreferat im 2. oder 3. Seminarblock (Dezember oder Januar) + schriftliche Hausarbeit spätestens zum 15. Februar 2018 an den Seminarleiter. Voraussetzung für eine Benotung ist ein in der Arbeitsgruppe erstelltes Referat (15' insgesamt, bei Dreierarbeitsgruppe z.B. 3 x 5', bei Zweierarbeitsgruppe 2 x 7,5') zu einem der sechs in den hinteren beiden Seminarblöcken behandelten Filme. Dieses Referat wird direkt nach der Sichtung des Filmes vorgestellt und soll das Gesehene problematisieren.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Teilnahmevoraussetzungen: Da durch die Form des Blockseminars nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht, ist die Anwesenheit bei sämtlichen sechs Terminen absolut unerlässlich und Voraussetzung für den Erwerb einer Benotung. Maximales Fehlen von ein, zwei Stunden mit Entschuldigung sind akzeptiert. Beachten Sie die frühe Anfangszeit, die durch Raummangel bedingt ist. Studierende haben die Möglichkeit, sich nach dem ersten Tag von der Lehrveranstaltung konsequenzlos abzumelden.

Die mündliche Mitarbeit ist sehr wichtig und wird oft unterschätzt (25% der Benotung)

Beim Impuls- oder Gruppenreferat (25%) wird auch das Zeitmanagement (Einhalten der Zeitvorgabe) und die Souveränität des Gesamtauftritts mitbeurteilt. So muss etwa beim Zeigen eines markanten Filmausschnitts oder von Standbildern die Technik vorher (vor Seminarbeginn oder in der Pause) angeschlossen und erprobt sein.

In der Hausarbeit (50%) soll ein eigenen kritischer Text zu einem der gezeigten Filme erstellt werden. Der Film soll vor allem in seiner Form, d.h. in seinen ästhetischen Operationen, beschrieben werden, aus denen die Inhalte sich dann ableiten. Dabei sollen idealerweise auch andere im Seminar gesichtete Filme kritisch einbezogen werden, etwa bei der Einordnung des Films in den Gesamtfilmkorpus.

Prüfungsstoff

Sa 21.10.2017
Folgend Filme werden bearbeitet:
Das zaristische Kino: Das Kind der Großstadt (RUS 1914, 35’, Jewgeni Bauer)
Die Erfindung des Revolutionskinos I: Bronenosez Potemkin (Panzerkreuzer Potemkin, SU 1925, 49’ Nadeltonfassung, Sergei Eisenstein)
Die Erfindung des Revolutionskinos II: der intellektuelle Film: Oktjabr (Oktober, SU 1928, 116’, Sergei Eisenstein)

So 22.10.2017
Das Kino des Zweifels I: Tretja meschtschanskaja (Die Dritte Kleinbürgerstrasse / Bett und Sofa, SU 1926/27, 74’, Abram Room)n
Überdrehte Komödien I: Aelita (Aelita: Der Flug zum Mars, SU 1924, 81’, Jakow Protasanow)

Sa. 9.12.12.2017
Überdrehte Komödien II: Neobytschajnye prikljutschenija mistera Westa w strane bolschewikow (Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki, SU 1924, 68’, Lew Kuleschow)
Das Kino der Wahrnehmung I: Tschelowek s kinoapparatom (Der Mann mit der Kamera, SU 1928/29, 65‘, Dziga Vertov)

So 10.12.11.2017
Das Kino der Wahrnehmung II: Turksib (SU 1929, 84’, Viktor Turin)
Das Kino des Zweifels II: Stschastije (Das Glück, SU 1934, 62’, Alexander Medwedkin)

Sa 13.1.2018
Das Kino des Rückzugs: Desertir (Der Deserteur, SU 1933, 103’, Wsewolod Pudowkin)
+ Besprechung ausgewählter studentischer Hausarbeiten

So 14.1.2018
Das Kino des Sozialistischen Realismus: Tschapajew (SU 1934, 90’, Georgi und Sergei Wassiljew)
+ Besprechung ausgewählter studentischer Hausarbeiten

Achtung: Teilweise werden die Filme nur in Ausschnitten präsentiert und besprochen

Literatur

- Günter Agde / Alexander Schwarz (Hg.): Die rote Traumfabrik. Meschrabpom-Film und Prometheus 1921-1936, Berlin: Bertz + Fischer 2012. Zu den populären Filmen (u.a. Aelita) dieses privatwirtschaftlich organisierten Filmstudios und ihrem deutschen Gegenpart.
- Oksana Bulgakowa (Hg.): Die ungewöhnlichen Abenteuer des Dr. Mabuse im Lande der Bolschewiki. Berlin: Freunde der Deutschen Kinemathek 1995. Zu den deutsch-sowjetischen Filmbeziehungen in der Weimarer Zeit, u.a. zur Rezeption der "Russenfilme" in Deutschland.
- Bernard Eisenschitz (Hg.): Lignes d’ombre. Une autre histoire du cinéma soviétique (1926-1968), Milano: Marzotta 2000. Auch unter dem Titel: Gels et Dégels. Une autre histoire du cinéma soviétique, 1926-1968, Paris: Centre Georges Pompidou / Marzotta 2002. Die lange verbotenen "Regalfilme" im Kontrast zum sowjetischen Unterhaltungskino, vertreten durch eines der populärsten Genres, dem Musical.
- Christine Engel (Hg.): Geschichte des sowjetischen und russischen Films, Stuttgart: Metzler 1999. Kompakte, moderne Einführung.
- Jay Leyda: Kino. A History of the Russian and Soviet Film, New Jersey: Princeton University Press 3. Aufl. 1983 (urspr. 1960). Standardwerk (immer noch), von einem der besten Kenner der Materie.
Eberhard Nembach: Stalins Filmpolitik. Der Umbau der sowjetischen Filmindustrie 1929-1938, St. Augustin: Gardez 2001.
Michael Omasta / Barbara Wurm (Red.): Regie: Rappaport. Ein sowjetischer Filmemacher aus Wien, Wien: Synema 2013. Instruktiv für Rappaports Lehrjahre in Berlin bei G.W. Pabst durch zwei Texte über ihn begeisternde Russenfilme, »Turksib« und »Sturm über Asien«.
- Martin Reinhart / Thomas Tode (Hg.): Potemkin-Meisel. Edmund Meisel und die »Wiener Tonfassung« des Panzerkreuzer Potemkin von Sergej M. Eisenstein, Maske und Kothurn 1 (2015, 61. Jg.), Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2015. Zur Musikvertonung des Films durch Edmund Meisel, Fund und Ästhetik.
- Richard Taylor / Ian Christie (Hg.): The Film Factory. Russian and Soviet Cinema in Documents, Cambridge: Harvard University Press 1988. Standardwerk mit zahlreichen Quellentexten der Zeit und profunden Analysen.
- Richard Taylor / Ian Christie (Hg.): Inside The Film Factory. New Approches to Russian and Soviet Cinema, London/New York: Routledge 1991. Aufsatzsammlung.
- Kristin Thompson: Government Policies and Practical Necessities in the Soviet Cinema of the 1920s, in: Anna Lawton (Hg): The Red Screen: Politics, Society, Art in Soviet Cinema, London: Routledge 1992, S. 19-42. Kompakte, wirtschaftlich orientierte Darstellung.
- Thomas Tode / Alexandra Gramatke (Hg.): Dziga Vertov – Tagebücher / Arbeitshefte, Konstanz: UVK 2000. Das Arbeitsjournal eines Dokuementarfilmers.
- Thomas Tode / Barbara Wurm (Hg.): Dziga Vertov – Die Vertov-Sammlung im Österreichischen Filmmuseum / The Vertov Collection at the Austrian Film Museum, Wien: Synema 2006; 2. Aufl. 2006.
- Thomas Tode: Wolkenbügelhäuser im Neuen Moskau? Die Stadt der Sowjets im Dokumentarfilm der 1920er Jahre, in: Eselsohren – Journal of History of Art, Architecture and Urbanism 1+2 (2014, Vol. 2) [erschienen 2015], S. 105-124. Themenheft »City Symphonies – Film Manifestos of Urban Experiences / Stadtsinfonien – Filmische Manifeste urbaner Erfahrung«.
- Janina Urussowa: Das Neue Moskau. Die Stadt der Sowjets im Film 1917-1941, Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2004. Üppig illustriert, fast ausschließlich zum Spielfilm.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36