Universität Wien FIND

170610 SE MA (G) 2.2. "Gegenwart von Geschichte" (2015S)

Politiken der Behexung. Joseph Losey, Nicholas Ray und Orson Welles zwischen Hollywood und Europa

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Bitte beachten Sie die folgenden Informationen:

Unkostenbeitrag: 18 EUR
Parallel zur zweiten Hälfte des Seminars findet im Mai und Juni eine Filmschau zu Joseph Losey, Nicholas Ray und Orson Welles im Österreichischen Filmmuseum statt. Im Rahmen dieser Schau sind sechs vorgegebene Vorstellungen VERPFLICHTEND zu besuchen (vergünstigter Preis: 3 EUR pro Vorstellung). Daraus ergibt sich ein Unkostenbeitrag von je 18 EUR für alle Teilnehmenden. Über den Kauf des Ticketpasses beim Österreichischen Filmmuseum folgen Informationen in der ersten Sitzung der Lehrveranstaltung am 10.3.

Die verpflichtenden Kinovorstellungen sind:

Montag 11.5. / 19:00 / The Prowler (1951, Joseph Losey)
Freitag 22.5. / 19:00 / F for Fake (1974, Orson Welles)
Sonntag 31.5. / 19:00 / Bitter Victory (1957, Nicholas Ray)
Samstag 6.6. / 19:00 / The Lady from Shanghai (1948, Orson Welles)
Donnerstag 11.6. / 21:00 / The Lusty Men (1952, Nicholas Ray)
Donnerstag 18.6. / 19:00 / Eva (1962, Joseph Losey)

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 40 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 10.03. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 17.03. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 24.03. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 14.04. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 21.04. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 28.04. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 05.05. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 12.05. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 19.05. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 02.06. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 09.06. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 16.06. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 23.06. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Dienstag 30.06. 13:15 - 14:45 (Schreyvogelsaal (THW) Hofburg, 1.Stock)

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Drei Einzelgänger ergeben zusammengenommen noch keine Filmgeschichte. Aber das Nebeneinander lässt Parallelen und Affinitäten ins Auge fallen, die Solitäres mit Kollektivem vermitteln, das Individuelle mit dem Gemeinsamen, an dem es teilhat: Joseph Losey (*1909), Nicholas Ray (*1911) und Orson Welles (*1915) werden im US-Bundesstaat Wisconsin geboren. Sie sind in den 1930er Jahren - teils gemeinsam - im linken Theater der amerikanischen Popular Front aktiv, bevor sie in den 1940er Jahren ihre ersten Filme inszenieren. In Hollywood bleiben sie Außenseiter, ihre Ansprüche als Gestalter sind mit dem arbeitsteiligen Studiosystem schwer vermittelbar.

Die Genreformeln, mit denen sie arbeiten - häufig Thriller und Krimis -, werden zum Material für ein Ich, dessen Haltungen und Obsessionen sich in der Form des Films überdeutlich durchprägen. Für Godard, Rohmer, Truffaut, die sich in den 1950er Jahren die politique des auteurs, das Lob des Regisseurs als eigentlichem Filmschöpfer, auf die Fahnen heften, sind Losey, Welles, Ray Heldenfiguren. Alle dreien ziehen sie in diesem Jahrzehnt selbst nach Europa, Losey als Opfer der antikommunistischen Blacklist, Welles und Ray auf der Suche nach freieren Arbeitsbedingungen. Die Vorgaben werden in den folgenden Jahrzehnten weniger, die verfügbaren Ressourcen auch, und die Filme unterwegs verrätselter, brüchiger, essayistischer.

Diese biographischen Verläufe und ihre wesentlichen Kontexte werden in den ersten Sitzungen vorgestellt. Im Zentrum des Seminars stehen aber die Filme, und was sie verbindet: die Taktiken der mise-en-scène und die prägnante Arbeit mit szenischem Raum, das Barocke der Bilder und das Gewalttätige in den Körpern, die Verunklärung von Wahrheitsansprüchen und Durchmischung der Zeiten.

Ein Kern dieser Untersuchungen wird die eigenwillige Bildpolitik sein, die Losey, Ray und Welles zusammengesehen unterbreiten: Die Analyse gesellschaftlicher Macht- und Gewaltverhältnisse wollen die drei seit ihren Theatertagen nicht mehr lassen. Aufklärung stellt sich in ihren Filmen aber nicht durch eine Entzauberung des Hollywoodkinos, seiner Oberflächeneffekte und wuchtigen Emotionen ein, sondern aus der Mitte dieser Effekte und Affekte heraus: in den schreienden Farben bei Nicholas Ray, den eleganten Kamerafahrten von Joseph Losey, den verblüffenden Bildeffekten bei Orson Welles, den charismatischen Performances von James Dean, Dirk Bogarde, Welles. Die Bild- und Tongewalt der Inszenierungen schlägt nicht nur in den Bann. Sie befragt sich, das wäre zu überprüfen, vielleicht auch selbst.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Regelmäßige Anwesenheit (einschließlich Besuch der Screenings), Mitarbeit, Referat, Abschlussarbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Das Seminar zielt sowohl auf Vermittlung filmhistorischen Wissens als auch auf Übung in der Analyse konkreter Filme und Szenen, oft unter Bezug auf Konzepte der Film- und Kulturtheorie.

Prüfungsstoff

Filmesehen und Textlektüre (umfangreicher Handapparat an Texten und DVDs steht zur Verfügung), Diskussion von Filmen und Texten im Plenum, Referate

Voraussetzung zur erfolgreichen Teilnahme ist die Bereitschaft zum Lesen von Texten zu Filmgeschichte und -theorie in deutscher und englischer Sprache.

Literatur

Texte werden auf Moodle und im Handapparat in der Fachbereichsbibliothek zur Verfügung gestellt.

AUSWAHL:
Gilles Deleuze: Vom Affekt zur Aktion: Das Triebbild, in: ders.: Das Bewegungs-Bild. Kino 1. Frankfurt/Main 1989, S. 171-192.
Gilles Deleuze: Die Mächte des Falschen, in: ders.: Das Zeit-Bild. Kino 2. Frankfurt/Main 1991, S. 168-204.
Michael Denning: The Politics of Magic: Orson Welles's Allegories of Anti-Fascism, in: ders.: The Cultural Front. The Laboring of American Culture in the Twentieth Century. London, New York 1996, S. 362-402.
Raymond Durgnat: Have Scalpels - Will Travel, in: ders. A Mirror for England: British Movies from Austerity to Affluence. London 1970, S. 245-259.
James Harvey: Bitter Victory, in: ders.: Movie Love in the Fifties. New York 2001, S. 193-211.
Peter Jameson: Machines for Acting. Soviet constructivist theatre and the use of vertical space in the films of Joseph Losey, in: Cineaction 90, Winter 2013, S. 24-31.
James Naremore: The Magician, in: ders.: The Magic World of Orson Welles. Dallas 1989, S. 30-51.
Elisabeth Parzysz: Setting Up House in Joseph Losey's The Servant. An upsetting experience, in: European Journal of English Studies, Vol 16/1 2012, S. 33-43.
Slavoj Zizek: Orson Welles, or, the Split Subjectivity, in: Ludwig Nagl. (Hg.): Filmästhetik. Wien 1999, S. 195-209.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

092: § 5(1)

Letzte Änderung: Sa 24.04.2021 00:19