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180007 LPS Karl Mannheim: Ideologie und Utopie (2016W)

5.00 ECTS (3.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Karl Mannheims „Ideologie und Utopie“ ist nicht nur ein Klassiker der Soziologie, sondern zugleich ein Meilenstein der Kulturphilosophie des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum der 1929 erschienenen Studie steht die Idee der „Seinsgebundenheit des Denkens“, mit der Mannheim die Wissenssoziologie als eigenständige Disziplin begründet. Im Gegensatz zur traditionellen Erkenntnistheorie betrachtet Mannheim alle Facetten des menschlichen Denkens – das Vorstellen, Fühlen und Wollen – als gesellschaftlich bedingt. Wie wir unsere Umwelt erfahren, sie begrifflich erfassen und interpretieren, ist abhängig von unserem jeweiligen sozialen, historischen und ökonomischen Standort. In diesem Sinne sind etwa politische oder religiöse Auseinandersetzungen für Mannheim nicht nur bloße Meinungsstreitigkeiten, sondern vielmehr ideologische Konkurrenzkämpfe grundverschiedener Weltauslegungsweisen.
Aus dieser Sichtweise heraus ergeben sich mehrere philosophische Fragen, welche die (post-)moderne Lebenswelt bis heute hin umtreiben: In welchem Maße ist der Mensch als denkendes Lebewesen ein Produkt seiner Umwelt (Determinismus-Problem)? Inwieweit ist bei aller Perspektivität des Denkens ein objektives Wissen möglich (Relativismus-Problem)? Wie können wir bei der Verschiedenheit unserer Erfahrungshorizonte miteinander rational kommunizieren (Übersetzungs-Problem)?
In „Ideologie und Utopie“ hat Mannheim diese Fragen prominent aufgeworfen und zugleich die historischen Bedingungen anzugeben versucht, unter denen sie im Zuge der Moderne überhaupt aufkommen konnten: Hierbei steht er in einer Reihe mit anderen Moderne-Theoretikern wie Max Weber, Theodor Adorno, Norbert Elias oder Pierre Bourdieu. Im Seminar wollen wir die angesprochenen Fragen und Probleme ausführlich behandeln. Als Grundlage dienen neben „Ideologie und Utopie“ noch weitere Schriften Mannheims sowie seiner damaligen Kritiker (Popper, Adorno, Arendt).

Details

max. 45 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Written examination 6/29

Donnerstag 13.10. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 20.10. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 27.10. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 03.11. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 10.11. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 17.11. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 24.11. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 01.12. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 15.12. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 12.01. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Samstag 14.01. 11:30 - 14:45 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 19.01. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Donnerstag 26.01. 13:15 - 15:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Das Seminar versteht sich inhaltlich zum einen als eine Einführung in Probleme der modernen Kultur- und Sozialphilosophie. Zum anderen geht es darum mit Hilfe von soziologisch und historisch fundierten Methoden über die Philosophie sowie andere wissenschaftliche Erkenntnisformen zu reflektieren. Alle, die über die Grundlagen ihrer jeweiligen Einzeldisziplinen und Studienfächer diskutieren möchten, sind somit herzlich zur Teilnahme eingeladen.
Zugleich verfolgt das Seminar diverse didaktische Ziele: Im Laufe des Studiums ist man immer wieder mit Texten konfrontiert, die nicht bloß kompliziert sind, sondern zudem eine Reihe von Vorkenntnissen erfordern. Am Beispiel von Mannheim wollen wir gemeinsam Techniken erarbeiten, wie man mit derartig voraussetzungsreichen Texten umgeht: Wo findet man Sekundärliteratur? Wie klärt man schwierige Begriffe? Wie macht man sich abstrakte Passagen durch Beispiele anschaulich?
Im Seminar wollen wir hierbei versuchen, die in der Studieneingangsphase erlernten Grundkenntnisse des wissenschaftlichen Arbeitens und Argumentierens anzuwenden und zu erweitern. Neben Kurzpräsentationen sollen kontinuierlich kleine wissenschaftliche Arbeiten verfasst werden, welche die Textinterpretation methodisch erleichtern. Hierfür eignet sich die Lektüre Mannheims ausgezeichnet, da gerade Fragen der Begriffskonstruktion, Sinnzuschreibung und Kontextualisierung im Zentrum seiner wissenssoziologischen Herangehensweise stehen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Für eine positive Benotung sind folgende Leistungen erforderlich:
Regelmäßige und aktive Teilnahme (höchstens drei Fehlstunden).
Verfassen von mindestens acht Exzerpten bzw. Lektürekommentaren (1-2 Seiten).
Übernahme von ein bis zwei Kurzpräsentationen (höchstens zehn Minuten).

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

Die Literatur wird in der ersten Übung bekannt gegeben und in Teilen per Moodle zur Verfügung gestellt.
Zudem sollten sich alle Teilnehmer eine Ausgabe von Mannheims Ideologie und Utopie besorgen. Am besten:
Karl Mannheim, Ideologie und Utopie, Vittorio Klostermann (Rote Reihe): Frankfurt 2015.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M 2.3
§ 57.2.4. Lektüreproseminar
UF PP 06 Philosophieren Lernen
MA Ethik M01 LPS

Letzte Änderung: Mo 20.03.2017 15:23