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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

180071 SE Der Organismus der aristotelischen Physik (2018W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 09.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 16.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 23.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 30.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 06.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 13.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 20.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 27.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 04.12. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 11.12. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 08.01. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 15.01. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 22.01. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Dienstag 29.01. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der Philosoph und Arzt Wolfgang Wieland blickte anlässlich der 3. Auflage seiner Habilitationsschrift über die aristotelische Physik auf die vergangenen 30 Jahre zurück und bemerkt, dass sich das Interesse an der aristotelischen Naturphilosophie in einem erstaunlichen Umfang belebt und intensiviert hat. Die Physik lag damals, 1962, so Wieland, in einem gleichsam toten Winkel der Aristotelesforschung. Für den besagten Zeitraum der folgenden 30 Jahre lässt sich erhöhtes Interesse an der aristotelischen Naturforschung mit dem Altphilologen Wolfgang Kullmann belegen, der beginnend mit seinen 1974 erschienenen Interpretationen zur aristotelischen Theorie der Naturwissenschaft und fortgesetzt mit Arbeiten zur Erfindung der Biologie durch Aristoteles wichtige Impulse gegeben hat. Der Biologe Armand Marie Leroi überbietet diesen Anspruch schließlich 2014 mit einem Buch, das den Untertitel trägt: Wie Aristoteles die Naturwissenschaft erfand. Diese Behauptung wiederum relativiert Wolfgang Wieland, indem er Aristoteles die Entdeckung der Möglichkeit einer methodisch fundierten empirischen Wissenschaft zuschreibt, nicht aber von Wissenschaft überhaupt. Nach der Überzeugung von Kullmann hat die aristotelische Naturwissenschaft eine Pilotfunktion bei der Entwicklung des modernen wissenschaftlichen Denkens überhaupt gehabt.
Wie immer man das beurteilen mag, es bleibt das Spannungsverhältnis zwischen Philosophie und (Natur)Wissenschaft. Die Physik markiert für Aristoteles den Übergang und ist somit hierfür aufschlussreich, denn man befindet sich gleichsam am Beginn einer Scheidung, die bis heute Konsequenzen zeitigt. In diesem Text findet sich das Programm für die weiteren naturwissenschaftlichen Untersuchungen von Aristoteles, wobei das erste Buch von hoher methodischer Bedeutung ist. In den letzten Jahren hat man ihm zwei Konferenzen gewidmet, deren Ergebnisse nun 2018 gedruckt vorliegen. Den 9 Kapiteln des ersten Buches, die in der Akademieausgabe die Seiten 5-31 einnehmen, ist eine systematische Untersuchung gewidmet, die rund 280 Seiten einnimmt (Diana Quarantotto (ed.): Aristotle’s Physics Book I. A Systematic Exploration, Cambridge University Press 2018). Wie die Herausgeberin im Vorwort vermerkt, geht es um die Verbindung von Aristoteles‘ eigenem Projekt mit der vorgängigen Tradition mit dem Ziel die Hauptschwierigkeiten und Missverständnisse der früheren Philosophen auszuräumen, wozu natürlich auch Platon gehört, in dessen Akademie Aristoteles viele Jahre verbrachte.
Eine auffällige Eigenart von Aristoteles ist die oftmals vorgebrachte Analogie zwischen den Erzeugnissen der Natur und der Handwerkskunst. Der Oberbegriff ist das Herstellen, wobei man diese Analogie, wie Kullmann vorschlägt, als Metapher verstehen sollte. Aristoteles selbst hat die Analogie als wichtigste Form der Metapher bezeichnet, somit muss man ihm wohl eine gewisse Bewusstheit darüber zugestehen. Prominente gegenwärtige Wissenschaftler halten die Metapher für unabdingbar gerade auch in den Naturwissenschaften, wenn bei ihrem Gebrauch auch Vorsicht geboten ist.
Im Seminar sollen ausgewählte Textstellen besprochen und allenfalls mit der verfügbaren Sekundärliteratur ergänzt werden. Damit soll das Verständnis der Arbeitsweise von Aristoteles gefördert werden.
Das Seminar wurde gemeinsam mit Frau Mag. Marianne Kubaczek konzipiert und wird auch gemeinsam mit ihr durchgeführt werden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Übernahme eines Referates, Abfassung einer Seminarbeit (15 Seiten).
Die Seminararbeit fließt zu 70% in die Beurteilung der Lehrveranstaltung ein, das Referat zu 30%.

Prüfungsstoff

Literatur

Aristoteles‘ Physik. Vorlesung über Natur. Erster und Zweiter Halbband. Griechisch-Deutsch. Übersetzt, mit einer Einleitung und mit Anmerkungen herausgegeben von Hans Günter Zekl, Hamburg: Meiner 1987/1988.
Aristoteles: Physikvorlesung. Übersetzt von Hans Wagner. Werke in deutscher Übersetzung, Band 11, Berlin: Akademie 1983 (1967).
Eine Literaturliste der weiteren Werke von Aristoteles aus denen Abschnitte verwendet werden, sowie der Sekundärliteratur wird vor Beginn des Seminars an die angemeldeten Teilnehmer versendet werden.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Di 19.02.2019 12:48