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180075 PS Migration, Feindbilder und kulturelle Konflikte (2018S)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 45 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 05.03. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 19.03. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 09.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 16.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 23.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 30.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 07.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 14.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 28.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 04.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 11.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 18.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Montag 25.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ziele: Erarbeitung eines differenzierten und kritisch-reflexiven, mithin: philosophischen Zugangs zu den Themenkreisen Migration, Feindbilder, Integration, Ex- und Inklusion, kulturelle Identitäten sowie dem Verhältnis von Politik und Ethik/Moral, insbesondere unter den Auspizien des Konfligierens moralisch-ethischer Konzepte aus philosophischer Perspektive und in ideengeschichtlicher Dimension; Einführung in eine Reihe zentraler Themen Politischer Philosophie und Ideologiekritik; methodisch-systematische Erschließung der relevanten Fragestellungen anhand konkreter Texte insbesondere mittels philologisch-kritischer, begriffskritischer und begriffsgeschichtlicher Verfahren.

Inhalte: Migrationsbewegungen sind Teil der Menschheitsgeschichte. Auf der Ebene von Individuen und kleinen Gruppen vollziehen sie sich ohnedies permanent. Begeben sich größere Gruppen von Menschen auf Wanderschaft, geht dies meist auf Ressourcenknappheit und/oder bewaffnete Konflikte in den Gebieten zurück, von denen die Wanderbewegungen ausgehen. Die Interaktion größerer MigrantInnengruppen mit in den Zielregionen ansässigen Bevölkerungen verläuft historisch gesehen häufig konflikthaft, was zum einen auf Fragen der Ressourcenverteilung zurückgeht, andererseits in kulturellen Antagonismen gründen kann. Diese mögen durch konkrete soziale Praktiken sowie divergente und intransigent kontroversielle Grundhaltungen weltanschaulicher oder religiöser Art geprägt sein, sie können aber auch durch Vorstellungen darüber entstehen, welche Grundhaltungen und Praktiken auf der jeweils „anderen“ Seite vorherrschen sowie darüber, welche Ressourcen in welchem Ausmaß an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten Gesellschaft, vorhanden sind. An dieser Stelle kommen Vorurteile ins Spiel, die harmlos sein können, zuweilen sogar positiv, wenn dem Gegenüber als günstig bewertete Eigenschaften zugeschrieben werden. Häufiger sind sie vermutlich abwertend konfiguriert und münden nicht selten in Feindbildkonstrukten. In jedem Fall sind sie stereotyp und klischeehaft. Manche Autorinnen und Autoren behaupten, dies erleichtere das Sich-Zurechtfinden in einer als stets komplexer werdend empfundenen Gesellschaft. Sollte dem so sein, dann erfolgte es doch jedenfalls um den Preis bewusster Simplifizierung und des Verzichts auf adäquate Weltdeutungen.
Sobald von uns und den Anderen, den Fremden die Rede ist und dabei an größere, mehr oder minder kohärente, homogene Gruppen gedacht ist, hat man es nicht nur mit groben Vereinfachungen, sondern auch mit sozialen Identitätsbildungen zu tun. Diese erfolgen nicht selten (auch) über Ein- und Ausgrenzungen, „asymmetrische Gegenbegriffe“ (Koselleck 1995, 211 ff.), die sich in „Freund-Feind“-Dichotomien (Schmitt 1991, insbes. 26 ff.) manifestieren und mit sehr „feindlichen Gefühlen“ (Kolnai 2007, 7 – 65, 100 – 142) aufgeladen sein mögen.
Was können Begriffe wie Integration und Inklusion in diesem Zusammenhang ganz konkret bedeuten? Welche Möglichkeiten bestehen, welche Grenzen – und für wen? Was geschieht im Fall von nicht imaginierten und nicht herbeigeredeten kulturellen Konflikten, etwa, wenn infolge missglückter Integration ohnehin offene Probleme innerhalb einer Gesellschaft, wie z. B. ein manifester Gendergap, verschärft werden oder verschärft zu werden scheinen? Auf welcher Grundlage sind Lösungen oder auch nur als adäquat empfundene Perspektiven für alle Beteiligten vorstellbar?

Methoden: Referate, Vortrag des LV-Leiters, Diskussion, gemeinsame Lektüren, gemeinsame Filmanalysen

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Referat, Mitarbeit, schriftliche Abschlussarbeit (ca. 10-15 Seiten)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Eine eigenständige, reflektierte Beschäftigung mit den Themen der LV und insbesondere mit dem für die Abschlussarbeit und/oder das Referat gewählten Spezialthema soll erkennbar sein. Wichtig, insbesondere für die Abschlussarbeit, sind kohärente und konsistente Argumentation, Verwendung von themenrelevanter Literatur und Bezugnahme auf diese (Zitierweise nach Wahl, doch sollte das gewählte Modell konsequent beibehalten werden). Ansonsten ist für die Beurteilung vor allem engagierte Beteiligung an Diskussionen und die eigenständige Beschäftigung mit Texten, die im Rahmen der LV besprochen werden, von großer Bedeutung.

Prüfungsstoff

Themen der LV

Literatur

Agamben, Giorgio: Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben (Frankfurt am Main 2002).
Assmann, Aleida: Identitäten (2. Aufl. Frankfurt am Main 1999).
Bade, Klaus J. (Hg.): Enzyklopädie Migration in Europa. Vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart (Paderborn et al. 2010).
Donhauser, Gerhard: Angst und Schrecken. Beobachtungen auf dem Weg vom Ausnahmezustand zum Polizeistaat in Europa und den USA (Wien 2015).
Geertz, Clifford: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme (4. Aufl. Frankfurt am Main 1995).
Gutmann, Amy: Das Problem des Multikulturalismus in der politischen Ethik. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 43. Jg., 2 (1995) 273–305.
Heiss, Johann / Feichtinger, Johannes (Hg.), Der erinnerte Feind (= Historische Studien zur „Türkenbelagerung“ 2; Wien 2013).
Hetzel, Andreas (Hg.): Alterität und Anerkennung (Baden-Baden 2011).
Kolnai, Aurel: Ekel, Hochmut, Haß. Zur Phänomenologie feindlicher Gefühle. Mit einem Nachwort von Axel Honneth (Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007).
Koselleck, Reinhart: Zur historisch-politischen Semantik asymmetrischer Gegenbegriffe. In: Koselleck, Reinhart, Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten (= stw 757, 3. Aufl. Frankfurt am Main 1995) 211 – 259.
Lehmann, Sandra: Hass oder der Impetus der Vernichtung. In: Liebsch, Burkhard/Hetzel, Andreas/Sepp, Hans Rainer (Hg.): Profile negativistischer Sozialphilosophie. Ein Kompendium. Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Sonderband 32 (2011) 95–110.
Moller Okin, Susan: Konflikte zwischen Grundrechten. Frauenrechte und die Probleme religilöser und kultureller Unterschiede. In: Gosepath, Stefan/Lohmann, Georg (Hg), Philosophie der Menschenrechte (Frankfurt am Main 1998) 310 – 342.
Reisigl, Martin: Feindbild, in: Ueding, Gert (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Bd. 10: Nachträge A–Z (Darmstadt 2012) 291.
Schlabach, Jörg: Scharia im Westen. Muslime unter nicht-islamischer Herrschaft und die Entwicklung eines muslimischen Minderheitenrechts für Europa (Berlin et al. 2009).
Schmitt, Carl: Der Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien (3. Aufl. Berlin 1991).
Vogel, Elisabeth (Hg.): Zwischen Ausgrenzung und Hybridisierung (Würzburg 2003).
Zehetgruber, Christoph: Islamisches Strafrecht versus europäische Werteordnung. Ein Rechtsvergleich (Wien 2010).

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Di 09.10.2018 10:48