Universität Wien FIND

Kehren Sie für das Sommersemester 2022 nach Wien zurück. Wir planen Lehre überwiegend vor Ort, um den persönlichen Austausch zu fördern. Digitale und gemischte Lehrveranstaltungen haben wir für Sie in u:find gekennzeichnet.

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180086 VO-L Der Krieg und die conditio humana (2016S)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie

Diese Vorlesung mit erweitertem Lektüreprogramm setzt es sich zur Aufgabe, den Krieg und seine Transformationen in der Spätmoderne und in der Gegenwart ("neue Kriege") als ein genuin philosophisches Problem zu fokussieren. Ihr Ziel besteht darin, die Veränderungen der conditio humana, die sich in den Transformationen des Krieges spiegeln, systematisch zu verfolgen und mit Bezug auf die Gegenwart kritisch ins Licht zu setzen.

Der Krieg ist seit der Geburt der Philosophie immer zentraler Gegenstand philosophischer Reflexion gewesen, ja mit Bezug auf die griechische polis lässt sich sogar vermuten, dass er das Medium der Geburt von Politik und Philosophie war. Eine Linie, die von Heraklit und Plato über Hobbes, Kant, Fichte und Hegel über Nietzsche bis Heidegger, Patocka, Arendt, Lévinas und Derrida reicht, zeugt von einem beständigen philosophischen Ringen um den Sinn des Krieges. Während längste Zeit jedoch eine Auslegungstendenz vorherrschte, die - mit Clausewitz gesprochen - den Krieg als eine politische Möglichkeit zu denken suchte, änderte sich mit den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts der "Sinn", den man dem Krieg abzuringen versuchte, grundlegend. Eine philosophische Reflexion auf diese Veränderung steht bisher weitgehend aus, ihre zentralen Koordinaten und ihr Einfluss auf die Bestimmung der "conditio humana" sollen Gegenstand der Vorlesung sein.

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Freitag 13.05. 08:00 - 11:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7
Freitag 20.05. 08:00 - 11:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7
Freitag 27.05. 08:00 - 11:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7
Freitag 03.06. 08:00 - 11:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7
Freitag 10.06. 08:00 - 11:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7
Freitag 17.06. 08:00 - 11:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7
Freitag 24.06. 08:00 - 11:15 Hörsaal 42 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 7

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ziel der VO ist es, klassische Denkfiguren des Krieges aufzuarbeiten und sie im Lichte der Erfahrungen der sog. "neuen Kriege" kritisch zu reflektieren und zu zeigen, inwiefern sich darin eine Veränderung der "conditio humana" die Bahn bricht.

Die VO behandelt die folgenden inhaltlichen Schwerpunkte:

1) Vorsokratische Philosophie, insbesondere Heraklit (polemos/stasis, bia, kratos)
2) Die polis im Zeichen des Krieges (Politeia, Nomoi)
3) Der Krieg bei Hobbes und Rousseau
4) Der Krieg in der klassischen Deutschen Philosophie (Kant, Fichte, Hegel)
5) Theorie des Krieges (Carl v. Clausewitz)
6) Der Krieg in der Moderne - die Moderne als Weltkrieg (Jünger, Heidegger, Patocka)
7) Krieg, Totalität und Genozid (Arendt, Levinas, Bauman)
8) Das "postheroische Zeitalter" und die "neuen Kriege" (Münkler, Kaldor)

Methoden: Die LV ist als VO mit erweiternder Lektüreleistung konzipiert. Es wird in jeder Einheit ausreichend Raum für die Diskussion belassen. Zu Beginn des Semesters wird ein repräsentativer Reader zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wird auf der Grundlage der hier genannten Literatur eine erweiterte Leseliste bekannt gegeben. Fragen zu diesen Texten werden integraler Bestandteil der Prüfung sein.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Prüfung, in der dezidiert auch die zusätzliche Leseleistung befragt wird.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

G. AGAMBEN, Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/M. 2002.
H. ARENDT, Macht und Gewalt, München 2000.
-, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, München 1986.
Z. BAUMANN, Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust. Hamburg.
J. BUTLER, Krieg und Affekt, Zürich/Berlin 2009.
C. CARD, The Atrocity Paradigm: A Theory of Evil, Oxford 2002.
A. CAVARERO, Horrorism. Naming Contemporary Violence, New York 2009.
C. v. CLAUSEWITZ, Über den Krieg, Bonn 1980.
J. DER DERIAN, Virtual War. Mapping the Military-Industrial-Media-Entertainment-Network, London.
J. DERRIDA, "Gewalt und Metaphysik", in Die Schrift und die Differenz, Frankfurt/Main.
H. DIELS, W. KRANZ, Die Fragmente der Vorsokratiker. Hamburg 1957.
J. G. FICHTE, Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters, Hamburg 1978.
R. GIRARD, Im Angesicht der Apokalypse. Clausewitz zu Ende denken. Berlin 2014.
V. D. HANSON, The Western Way of War, Berkeley 2000.
G. W. F. HEGEL, Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte, Hamburg 1955.
-, Phänomenologie des Geistes, Frankfurt/M.: Frankfurt/Main 1980.
T. HOBBES, Leviathan, oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates, Frankfurt/Main 2011
P. HOERES, Krieg der Philosophen. Die deutsche und britische Philosophie im Ersten Weltkrieg, Paderborn 2004.
A. HONNETH, Kampf um Anerkennung, Frankfurt/M. 1992.
E. JÜNGER, "Die totale Mobilmachung", in Sämtliche Werke. Band 7. Essays I, Stuttgart 1980, 119-142.
M. KALDOR, New and Old Wars: Organized Violence in a Global Era. Cambridge 1999.
I. KANT, "Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht", in Kants Werke (Akademie Ausgabe Bd. VIII)
-, "Über den Gemeinspruch: 'Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis'", in Kants Werke (Akademie Ausgabe Bd. VIII)
J. KEEGAN, Die Kultur des Krieges. Berlin 1995.
E. LEVINAS, Totalität und UnendlicHkeit. Ein Versuch über die Exteriorität, Freiburg/München 1987.
B. LIEBSCH, Zerbrechliche Lebensformen. Widerstreit - Differenz - Gewalt, Berlin 2001.
M. MORI, "Krieg und Frieden in der klassischen deutschen Philosophie." In Machtpolitischer Realismus und pazifistische Utopie, ed. H. Joas und H. Steiner, Frankfurt/Main 1989, 49-91.
H. MÜNKLER, Die neuen Kriege. Reinbek bei Hamburg 2007 (3. Aufl.)
J. PATOCKA, Ketzerische Essays zur Philosophie der Geschichte. Frankfurt/Main 2011.
PLATON, Der Staat, Stuttgart 1994.
-, Die Gesetze, Zürich 1974.
J. J. ROUSSEAU, Kulturkritische und politische Schriften, Bd. 2, hg. v. M. Fontius, Berlin 1989.
M. SCHELER, Der Genius des Krieges und der deutsche Krieg, Leipzig 1915.
C. SCHMITT, Der Begriff des Politischen, Berlin 1963.
P. TRAWNY, "Die Moderne als Weltkrieg. Der Krieg bei Heidegger und Patocka", in Studia phaenomenologica 7(2007), 377-94

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M 6.3, PP 57.3.4, PP 57.3.6, EC 2.3, EC 2.2

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36