Universität Wien FIND

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Weitere Informationen zum Lehrbetrieb vor Ort finden Sie unter https://studieren.univie.ac.at/info.

180092 SE A-tom und In-dividuum (2018S)

Bertolt Brechts Interferenz mit der Quantenphysik

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Die letzte Lehrveranstaltung (LV) in der Version BA Philosophie 2011 wurde hierzu im Sommersemester 2017 abgehalten.
Sollten Sie noch immer die LV für die BA-Philosophie-Version 2011 absolvieren - und sich nicht unter den neuen Studienplan (Version 2017) unterstellen lassen wollen (https://ssc-phil.univie.ac.at/studienorganisation/unterstellungen/bachelor-philosophie-von-2011-auf-2017/), so können Sie noch bis Sommersemester 2020 diese Äquivalenz-LV aus dem neuen Studienplan für die Version 2011 auf Basis der je aktuellen, äquivalenten LV ablegen. Eigene LVen für die Version 2011 können nicht mehr angeboten werden.
Bei der Anmeldung zur LV achten Sie bitte unbedingt darauf, dass Ihre Anmeldung über die für Sie gültige Version erfolgt (!).
In der Regel stehen mehrere Studienplanpunkte bei der Anmeldung zur Auswahl. Die Auswahl der Studienplanpunkte kann vom System her nicht auf Ihre tatsächliche Curriculumsversion begrenzt werden. D.h. Sie müssen bei der Anmeldung darauf achten, sich ausschließlich 1. für LVen Ihres Curriculums und 2. der im U:Find angegebenen Codierung/Zuordnungen (bei jeder LV untenstehend angegeben) anzumelden. Andernfalls können Sie die Leistung ggf. nicht für Ihr Studium verwenden. Eine nachträgliche Änderung kann vom SSC nicht abgesichert werden.

An/Abmeldung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Englisch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 07.03. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 14.03. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 21.03. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 11.04. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 18.04. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 25.04. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 02.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 09.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 16.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 23.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 30.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 06.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 13.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 20.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Mittwoch 27.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Wir untersuchen das Verhältnis zweier Wissensgebiete, die auf den ersten Blick kaum etwas miteinander zu tun haben: die Quantenphysik und das Epische Theater Bertolt Brechts. In beiden Feldern kommt es synchron zu einer Revolution der bisherigen Konzepte, Methoden und Praktiken. In der Quantenmechanik werden zumindest fünf Annahmen der klassischen Physik problematisch: Die Anschaulichkeit der Theorie, die strikte Kausalität und Kontinuität der beschriebenen Prozesse, die Individualität der untersuchten Objekte und die Anwendbarkeit einer zweiwertigen Logik. In Brechts Theater soll die Anschaulichkeit der Vorgänge gebrochen und das Publikum an einer Identifikation mit der Handlung gehindert werden. Zu diesem Zweck entwickelt Brecht den Verfremdungseffekt, der auf einer Unterbrechung der Handlung beruht und den Kausalzusammenhang der Vorgänge in Frage stellt. Dabei wird die Individualität der Figuren fragwürdig, die mit einer zweiwertigen Logik nicht mehr erfasst werden können.

Um den Zusammenhang der Krisen in den beiden Feldern zu erfassen, wird das Konzept der Interferenz zweier Wissensgebiete als methodischer Ansatz vorgeschlagen. Es wird vermittelt, dass ein intensiver Transfer von Wissen zwischen diesen Gebieten stattgefunden hat, und zwar in Form der Entwicklung gemeinsamer Begriffe und Methoden, der Metaphorisierung wissenschaftlicher Konzepte sowie der Übertragung von Kategorien, die dem jeweiligen Wissensgebiet implizit zugrunde liegen. Es wird deutlich, dass dieser Transfer durch einen gemeinsamen historischen, sozialen und kulturellen Rahmen möglich wurde, in welchem ein Austausch zwischen den AkteurInnen in diesen Wissensgebieten stattfanden, etwa zwischen Brecht und Niels Bohr sowie zwischen Brecht und Hans Reichenbach. Diese Begegnungen haben zur Entwicklung gemeinsamer Denkfiguren geführt, wie am Beispiel des Spielers nachvollzogen wird. Schließlich werden die ethischen, ästhetischen und epistemologischen Konsequenzen dieser Denkfigur in beiden Wissensgebieten deutlich.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Vorbereitung auf und Beteiligung an den Diskussionen (1/3 der Note)
mündliche Präsentation zu einem der Themen (1/3 der Note)
Reflexion und Anwendung des Gelernten in einer Seminararbeit. (10 Seiten, 1/3 der Note)

Der Kurs wird bei bedarf in englischer Sprache abgehalten. Auch in diesem Fall können die Arbeiten in deutscher Sprache verfasst werden.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Ziel ist, dass die Studierenden den Inhalt der Lehrveranstaltung erfassen und selbständig auf weiterführende Fragestellungen oder Teilaspekte des Themas anwenden können. Voraussetzung für eine positive Beurteilung ist Teilnahme an zumindest 80 Prozent der Termine.

Prüfungsstoff

Die Studierenden lernen, die Kategorie der Einheit und ihrer möglichen Beziehungen in der Analyse eines Paradigmas anzuwenden. Die Umwälzung eines herrschenden Paradigmas wird auf Grundlage der Konzepte von Kuhn und Fleck analysiert. Die Studierenden eignen sich die grundlegenden Konzepte der Quantenmechanik sowie des Epischen Theaters an und erarbeiten an diesem Beispiel, wie die Wechselwirkung zweier Wissensgebiete in ihrer Veränderung erfasst werden kann.

Literatur

Barad, Karen: Meeting the Universe Halfway. Quantum Physics and the Entanglement of Matter and Meaning, 2007
Forman, Paul: Kausalität, Anschaulichkeit, Individualität. In: K. v. Meyenn (Hrsg.) Quantenmechanik und Weimarer Republik, 1994
Snow, C.P.:The two cultures - and a second look: an expanded version of the two cultures and the scientific revolution, 1964
Kuhn, Thomas: The Structure of Scientific Revolutions, 1970
Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv, 1935
Heisenberg, Werner: Über den anschaulichen Inhalt der quantentheoretischen Kinematik und Jammer, Max: The Philosophy of Quantum Mechanics. The Interpretations of
Quantum Mechanics in Historical Perspective, 1974
Reichenbach, Hans: Philosophic Foundations of Quantum Mechanics, 1944
Philosophy and Physics. Faculty Research Lecture, University of California Los Angeles, 1946
Kojevnikov, Alexei: Freedom, Collectivism, and Quasiparticles: Social Metaphors in
Quantum Physics. Historical Studies in the Physical and Biological Sciences, 1999
Brecht, Bertolt: Flüchtlingsgespräche
Brecht, Bertolt: Der Messingkauf
Brecht, Bertolt: Der Kaukasische Kreidekreis
Brecht, Bertolt: Arbeitsjournal

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36