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180106 SE Homo laborans (2019S)

Philosophische Überlegungen über die Arbeit

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 19.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 26.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 02.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 09.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 30.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 07.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 14.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 21.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 28.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 04.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 18.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 25.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Frage nach der Arbeit bildet eine Schnittstelle zwischen Anthropologie, Ethik, Sozialphilosophie, Kultur- und Technikphilosophie. Im Seminar werden grundlegende Positionen zur Arbeit besprochen mit besonderer Berücksichtigung auf die Transformationen des Arbeitsbegriffs in den letzten zwei Jahrhunderten und ihre Implikationen für das zeitgenössische Arbeitsethos.
Ein kurzer historischer Rückblick zeigt, dass vor der Neuzeit die Arbeit als göttliche Bestrafung betrachtet wurde und dass die griechische Antike allein die Kontemplation schätzte. Mit der Neuzeit wurde vor allem in den vom Protestantismus geprägten Kulturen ein strenges, asketisches Arbeitsethos entwickelt (Max Weber). Die Arbeit galt als das, was den Menschen erst zum Menschen macht. Durch die Befreiung von der physischen Arbeit wurden manche Menschen zu Wärtern von Maschinen und die Routinearbeit wirkte entfremdend (Karl Marx, Herbert Marcuse). Dieselbe Technisierung der Arbeit verurteilte aber auch einen Teil der Bevölkerung zur Arbeitslosigkeit und zum Gefühl, überflüssig und austauschbar zu sein. Die Steigerung der Produktivität und die Herabsetzung der Arbeitszeiten wurden widersprüchlich bewertet: als Rehabilitierung der Muße und Chance für eine gesteigerte Lebensfreude (Bertrand Russell) oder aber als Gefahr einer gesellschaftlichen Ausgrenzung (Zygmunt Bauman).
Die Automatisierung hatte zur Folge auch die Trennung zwischen einer Arbeit ohne Anstrengung und der Anstrengung ohne Arbeit (Anders). Zugleich wurde der Arbeitsbegriff auf die Werke des Denkens, Sprechens und Handelns bis hin zur „Beziehungsarbeit” erweitert (Hannah Arendt, Dieter Thomä) und die neue creative class leitete aus dem Müßiggang eigene Arbeitsmethoden ab, wie das Flanieren zeigt (Walter Benjamin). Ebenso zeichnete sich in den letzten Jahren eine Abwendung von der Massenproduktion und von der computergesteuerten Simulation ab hin zu den Werten des handwerklichen Könnens (Richard Sennett). Gegen die entfremdende Entfernung zwischen Produzenten und Konsumenten setzten sich Feministinnen für eine Solidarität mit den Arbeitern in der Dritten Welt ein (Hélène Cixous). Auch wurden alternative Organisationsformen der Arbeit erprobt, in deren Mittelpunkt die Sozialintegration steht (Axel Honneth).
Nicht zuletzt ändert sich die erlebte Zeitlichkeit mit den neuen Arbeitsformen, von der leeren Zeit des Absitzens in der Erwerbsarbeit bis hin zu flexiblen Arbeitszeiten, der Entgrenzung der Arbeit durch die stete Abrufbereitschaft und anderen Burn-out verursachenden Mechanismen (Richard Sennett, Dieter Thomä). Kontrastreich, umkämpft und in ständiger Transformation, die Arbeitswelt bietet Stoff für spannende Diskussionen und Orientierung im Alltag.
Didaktik: Impulsreferat, PowerPoint-Präsentationen, Diskussionen

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Seminararbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Impulsreferat, schriftliche Seminararbeit, aktive Teilnahme an Diskussionen

Prüfungsstoff

Literatur

Anders, Günther. 1980. Die Antiquiertheit der Arbeit. In: Die Antiquiertheit des Menschen. Bd. II: Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution. München: Beck, 91–104.
Arendt, Hannah. 2008. Die Arbeit. In: Vita activa oder Vom tätigen Leben. Zürich, München: Piper, 98–160.
Barbey, Rainer. 2012. Recht auf Arbeitslosigkeit? Ein Lesebuch über Leistung, Faulheit und die Zukunft der Arbeit. Essen: Klartext.
Bauman, Zygmunt. 1998. The work ethic and the new poor. In: Work, consumerism and the new poor. Buckingham, Philadelphia: Open University Press, 63–80.
Bauman, Zygmunt. 2003. Arbeit. In: Flüchtige Moderne. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 154–197.
Bauman, Zygmunt. 2005. Verworfenes Leben. Die Ausgegrenzten der Moderne. Hamburg: Hamburger Edition.
Benjamin, Walter. 1983. Das Passagen-Werk. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 524–570, 961–970.
Füllsack, Manfred. 2009. Arbeit. Wien: facultas.
Honneth, Axel. 2010. Arbeit und Anerkennung – Versuch einer theoretischen Neubestimmung. In: Das Ich im Wir. Studien zur Anerkennungstheorie. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
Marx, Karl. 1968. Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844. In: Karl Marx, Friedrich Engels, Werke. Ergänzungsband 1. Berlin: Dietz.
Rifkin, Jeremy. 1996. Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft. Frankfurt/M., New York: Campus.
Russell, Bertrand. 1974. Lob des Müßiggangs. Zürich: Coron.
Sennett, Richard. 2009. Handwerk. Berlin: Berliner Taschenbuch Verlag.
Sennett, Richard. 2010. Der flexible Mensch. Berlin: Berliner Taschenbuch Verlag.
Thomä, Dieter. 2017. Jenseits von „Work-life balance“ und „Burn-out“. Plädoyer für eine Rehabilitierung der Arbeit. In: Michael S. Aßländer, Bernd Wagner (Hgg.), Philosophie der Arbeit. Texte von der Antike bis zur Gegenwart. Berlin: Suhrkamp, 529–543.
Weber, Max. 1991. Wissenschaft als Beruf. In. Schriften zur Wissenschaftslehre. Stuttgart: Reclam, 237–273.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 04.11.2019 10:28