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180106 VO-L Theorien der Gewalt (2021W)

Philosophische und interdisziplinäre Perspektiven - Vorlesung mit Lektüre

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
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Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 12.10. 11:30 - 13:00 Digital
Dienstag 19.10. 11:30 - 13:00 Digital
Dienstag 09.11. 11:30 - 13:00 Digital
Dienstag 16.11. 11:30 - 13:00 Digital
Dienstag 23.11. 11:30 - 13:00 Digital
Dienstag 30.11. 11:30 - 13:00 Digital
Dienstag 07.12. 11:30 - 13:00 Digital
Dienstag 14.12. 11:30 - 13:00 Digital
Dienstag 11.01. 11:30 - 13:00 Digital
Dienstag 18.01. 11:30 - 13:00 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

(1) Inhalt: Die VO setzt es sich zur Aufgabe, das ebenso komplexe wie ambivalente Verhältnis von Gewalt und Gemeinschaft zu thematisieren. Wie gehen Gesellschaften mit womöglich unaufhebbarer Gewalt um, zu der noch "die Vernunft" nolens volens um ihrer Selbsterhaltung willen greifen muss? Dass Gewalt nicht nur etwas der Gemeinschaft Äußeres, sondern ihr auch intrinsisch Einwohnendes ist, dass Gewalt "im Namen" "der Vernunft", "des Friedens" etc. etc. als "Gegen-Gewalt" gerechtfertigt, als Macht-Effekt verbrämt etc. wird, benennt nur eine zentrale Aporie, mit der sich die praktische Philosophie herumzuschlagen hat. Klassische philosophische Positionen (von Platon über Hobbes bis hin zur klass. deutschen Philosophie), in denen die Gewaltproblematik in diesem Sinne mitschwingt, oft aber nicht explizit bedacht bzw. eigens kritisch reflektiert wird, werden daher in der VO ebenso auf ihr Gewaltverständnis hin befragt, wie rezente Zugänge, die sich im Zeichen interdisziplinärer Theoriebildung bereits einem sensibleren Gewaltverständnis verschrieben haben.
(2) Die VO zielt vor diesem Hintergrund darauf, (a) zentrale Aporien des Denkens über Gewalt (physisch vs. psychisch; instrumentell vs. sinnlos; natürlich-barbarische Her- bzw. Wiederkunft vs. kulturell-rationale Einhegung von Gewalt; kollektivistisch-holistische vs. individualisierende Erklärung von Gewalt; Naturalisierung vs. Kulturalisierung von Gewaltverhältnissen; Historisierung vs. Essentialisierung der Gewalt; etc.) kritisch zu hinterfragen, um (b) einen "erweiterten Gewaltbegriff" zu entwickeln, der die verschiedenen Formen von Gewalt als mit einander verflochtene Teile eines Phänomens zu verstehen erlaubt, um so (c) traditionelle Engführungen des (philosophischen) Diskurses über Gewalt kritisch zu korrigieren.
Übergreifendes Ziel ist es, einen Überblick über die Entwicklung des philosophischen Diskurs über Gewalt zu geben, seine blinden Flecken zu bedenken und zu reflektieren, wie die Philosophie die Herausforderung eines zusehends interdidsziplinär verhandelten Themas produktiv aufzunehmen vermag. Grundlegende moral- und sozialphilosophische Kompetenzen zu einer eigenständigen Auseinandersetzung mit diesem ebenso umstrittenen wie philosophisch lange Zeit oft marginalisierten Phänomenbereich sollen so erarbeitet werden.

(3) Methode: Aufgrund von COVID-19 werden die Inhalte der VO online präsentiert. Um eine bessere Interaktion zu ermöglichen, werden ergänzend zu einem Konversatoriums-Teil in den VO-Einheiten Diskussionsforen eingerichtet werden, über die Diskussionsbeiträge und Fragen eingebracht werden können. Die VO wird voraussichtlich durch ein Tutorium begleitet werden, in dem die Möglichkeit für weitere Diskussion, thematische Ausblicke und insgesamt eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem behandelten Stoff geboten werden wird.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Sofern die VO unter den Covid-Bedingungen digital bzw. je nach Möglichkeit hybrid durchgeführt werden wird, erfolgt die Leistungskontrolle vermittels einer schriftlichen Online Prüfung (Open-Book-Format)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

(1) Mindestanforderung ist die basale Kenntnis der vermittelten Inhalte, die in Form von Verständnisfragen geprüft wird und in essayartiger Form dokumentiert werden soll.
Eine positive Bewertung der Prüfung wird erreicht, wenn die Fragen im Zeichen eines sinnerfassenden Verständnisses der Grundgedanken der Vorlesung beantwortet werden.
(2) Der zentrale Beurteilungsmaßstab orientiert sich an einem
sinnerfassenden Verständnis der in der Vorlesung entwickelten Thematiken, Grundgedanken und Fragestellungen. Die Prüfungsleistung wird mit „sehr gut“ beurteilt, wenn die Kenntnisse des Prüfungsstoffes deutlich über das durchschnittliche Maß an Kenntnissen hinausreichen und eigenständige, argumentativ begründete Einsichten bzw. weiterführende Kritik eingebracht werden.
Ergänzung vom 9.1.2022: Quantitativ lässt sich der Beurteilungsmaßstab wie folgt spezifizieren: Aus drei (je alternativ wählbaren) Fragen (zwei allgemeinen, einer höher gewichteten zum Lektüreschwerpunkt) können insgesamt 30, 30 und 40 Punkte erzielt werden. Der entsprechende Notenschlüssel lautet: Sehr gut: 100-90; Gut: 89-81; Befriedigend: 80-71; Genügend: 70-60; Nicht genügend: 59-0 Punkte.

Prüfungsstoff

Prüfungsstoff sind die in der Vorlesung präsentierten Inhalte, die über Moodle zugänglich gemacht werden (Textausschnitte; PPT-Folien; ausgewählte Sekundarliteratur). Die einzelnen VO-Einheiten werden darüber hinaus als Audiomitschnitte begleitet.

Literatur

Eine repräsentative Literatursammlung wird zu Beginn des Semesters per Moodle zur Verfügung gestellt.

G. AGAMBEN, Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/M. 2002
A.APPADURAI, Fear of small numbers: An essay in the geography of anger. Durham 2004
H. ARENDT, Macht und Gewalt, München 2000
C. BRUNNER, Epistemische Gewalt. Bielefeld: Transcript 2020.
J. BUTLER, Gefährdetes Leben. Politische Essays, Frankfurt/M. 2005
A. CAVARERO, Horrorism. Naming Contemporary Violence, New York 2009
M. CREPON, Murderous Consent: On the Accommodation of Violent Death. New York 2019
J. DERRIDA, Gesetzeskraft. der 'mystische Grund der Autorität'. Frankfurt 1991 [Teil I: 7-59]
F. FANON, Die Verdammten dieser Erde, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1981
J. GALTUNG, Strukturelle Gewalt, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1975
HIRSCH, Recht auf Gewalt? Spuren philosophischer Gewaltrechtfertigung nach Hobbes, München 2004.
V. DAS et al. (Hg.), Violence and Subjectivity, Berkeley et al. 2000
B. LIEBSCH, Unaufhebbare Gewalt: Umrisse einer Anti-Geschichte des Politischen, Weilerswist 2015
A. MBEMBE, Politik der Feindschaft. Frankfurt/M. 2017
A. V. MURPHY, Violence and the Philosophical Imaginary, New York 2012
J.-P. REEMTSMA, Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne, Hamburg 2008
H.-G. SOEFFNER, "Gewalt als Faszinosum", in: W. Heitmeyer & H.-G. Soeffner, Gewalt. Entwicklungen, Strukturen, Analyseprobleme, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2004, 62-85.
M. STAUDIGL (Hg.), Gesichter der Gewalt, Paderborn 2014
—, Phänomenologie der Gewalt, Dordrecht et al.: 2015
B. WALDENFELS, „Grenzen der Legitimierung die Frage nach der Gewalt“, in Der Stachel des Fremden, Frankfurt/M. 1990, 103-119
—, "Aporien der Gewalt", in Dabag, Kapust, Waldenfels (Hg.), Gewalt, op. cit., 9-24.
N. WHITEHEAD, "Violence and cultural order." Daedalus, Winter 2007: 40-50
M. WIEVIORKA, Die Gewalt, Hamburg 2007
S. ŽIŽEK, Gewalt. Sechs abseitige Reflexionen. Berlin 2011

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 16.05.2022 11:49