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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

180117 SE Denkströmungen der zeitgenössischen Ästhetik (2018W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Together with Bishop MMag. Dr. phil. Franz Scharl and university chaplain Mag Dr. theol. Martin Mayerhofer

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 08.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 15.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 22.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 29.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 05.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 12.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 19.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 26.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 03.12. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 10.12. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 07.01. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 14.01. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 21.01. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Montag 28.01. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Inhalt: Wurde die Ästhetik bis in die 1960er-Jahre noch als philosophische Kunsttheorie verstanden und in den 1980er- und 1990er- Jahren sogar ihr Tod verkündet, so zeigte sich seit der Jahrtausendwende eine Vervielfältigung spezieller Ästhetiken, verbunden mit der Aufweichung der Grenzen zwischen der philosophischen Ästhetik und anderen Disziplinen. Dazu trug unter anderem die Wiederentdeckung der ursprünglichen Bedeutung der Ästhetik als Aisthetik (Sinneslehre) bei, die es ermöglichte, das Ästhetische auf die Umwelt, den Alltag, die Medien und auf Sozialphänomene zu erweitern. Im Zuge der Postmoderne war eine allgemeine Ästhetisierung zu verzeichnen gewesen, was ÄsthetikerInnen dazu ermutigte, ihre Disziplin als Vorbild für die Ethik und sogar für die Wissenschaftstheorie zu betrachten (Welsch). Andere bezeichneten wiederum als Ästhetik der Existenz (Foucault) und als Lebenskunst (Schmid) moralische Formen der Selbstbildung anhand von sog. Selbsttechniken, wie sie etwa in der Spätantike entwickelt worden waren.
Die Ästhetik als Sinneslehre weckte das Interesse am Körper und an einer ganzheitlich betrachteten Sinnlichkeit. Daraus entwickelte sich die Somästhetik (Shusterman), die auf der Suche nach einer praktischen Anwendung sich auf körperorientierte Methoden stützte und eine Affinität zu den performativen Künsten entwickelte. Ebenso wurde vom phänomenologischen Begriff der Atmosphäre (Schmitz) eine eigene Denkströmung abgeleitet, die inzwischen internationale Kreise umfasst (Böhme, Thibaud, Griffero) und auf Architektur und Design, auf Medien und sogar auf die Umwelt angewendet wurde (Heibach).
In den letzten Jahrzehnten wurde zudem die Natur als Gegenstand der philosophischen Ästhetik rehabilitiert. Zwar durchzieht die gesamte zeitgenössische Umweltästhetik die Kritik an der Verbindung der Landschaft mit der Malerei, doch ist die Umweltästhetik nichtsdestoweniger gespalten zwischen den Anhängern einer kognitiven Ästhetik (Carlson) und jenen, die die Erfahrung in den Vordergrund ihrer Theorie rücken (Berleant). Andere PhilosophInnen unternahmen Versuche, Alltagspraktiken und -erfahrungen wie den Sport (Welsch), das Wetter (Saito), die Rituale oder die Gastronomie (Korsmeyer) ästhetisch zu betrachten. Schließlich finden sich in dieser Ästhetik auch Ansätze, die Vorstufen des ästhetischen Verhaltens im Tierreich identifizieren (Prum), die künstlerische Mimesis und Selbstinszenierung mit „performativen“ Verhaltensformen mancher Tierarten verbinden (Cha) und empirisch die Rezeption und sogar das Schaffen von Kunst durch nicht-menschliche Subjekte untersuchen.
Doch auch die Kunstphilosophie erfuhr Erweiterungen durch den Einbezug „neuer“ Künste wie Tanz, Film (Früchtl) oder Design (Feige), und neue Kunstformen regten spezielle ästhetische Theorien an (Rebentisch). Eine rasante Entwicklung nahmen seit dem sog. iconic turn in den 1990er-Jahren insbesondere die Bildwissenschaften, deren Analysen stark interdisziplinär geprägt sind. Die philosophische Relevanz der sog. ikonischen Differenz und die Besonderheiten einer Logik der Bilder werden im Seminar im Ausgang von kunsthistorischen Analysen von Gottfried Boehm und Emmanuel Alloa diskutiert.
Mit den visual studies korrespondiert z.T. die gleichzeitig entstandene Medienästhetik, die die Implikationen audiovisueller Medien auf die Alltagskultur und die Gesellschaft verfolgt (Debray). Ein breites Echo unter den jüngeren KünstlerInnen, aber auch im postdramatischen Theater finden zudem die Ansätze Jacques Rancières, einer der Koryphäen einer politischen Ästhetik. Nicht zuletzt mehrten sich in den letzten Jahren die Ansätze einer Sozialästhetik. Dazu gehören die „black aesthetics“ in den USA (Neal), und die Ästhetik des Rechts.

LV-Ziel: Gewinn eines Überblicks über die einflussreichsten Ansätze der philosophischen Ästhetik in der Gegenwart und über neue Entwicklungen in der Ästhetik

Didaktik: Impulsreferat, PowerPoint-Präsentationen, Diskussionen

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Seminararbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Impulsreferat, schriftliche Seminararbeit, aktive Teilnahme an Diskussionen

Prüfungsstoff

Literatur

Alloa, Emmanuel. 2018. Das durchscheinende Bild. Konturen einer medialen Phänomenologie. Zürich: Diaphanes.
Berleant, Arnold. 2012. Aesthetics beyond the art. New and recent essays. Farnham: Ashgate.
Boehm, Gottfried. 2004. Jenseits der Sprache? Anmerkungen zur Logik der Bilder. In: Christa Maar (Hg.), Iconic turn. Die neue Macht der Bilder. Köln: DuMont, 15-27.
Böhme, Gernot. 2000. Aisthetik. Vorlesungen über Ästhetik als allgemeine Wahrnehmungslehre. München: Fink.
Carlson, Allen. 2000. Aesthetics and the environment. The appreciation of nature, art and architecture. London: Routledge.
Cha, Kyung-Ho. 2010. Humanmimikry. Poetik der Evolution. München: Fink.
Debray, Régis. 2013. Jenseits der Bilder. Eine Geschichte der Bildbetrachtung im Abendland. Rodenbach: Avinus.
Feige, Daniel Martin. 2017. Design. Eine philosophische Analyse. Berlin: Suhrkamp.
Foucault, Michel. 2007. Ästhetik der Existenz. Schriften zur Lebenskunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
Früchtl, Josef. 2013. Vertrauen in die Welt. Eine Philosophie des Films. München: Fink.
Heibach, Christiane. 2012. Manipulative Atmosphären. Zwischen unmittelbarem Erleben und medialer Konstruktion. In: Christiane Heibach (Hg.), Atmosphären. Dimensionen eines diffusen Phänomens. München: Fink, 261–284.
Korsmeyer, Carolyn. 1999. Making sense of taste. Food and philosophy. Ithaca: Cornell UP.
Light, Andrew, Jonathan M. Smith. 2005. The aesthetics of everyday life. New York: Columbia UP.
Neal, Larry. 2000. The Black Arts Movement. In: Floyd W. Hayes III (ed.), A Turbulent Voyage. Readings in African American Studies. San Diego: Collegiate Press, 236-246.
Prum, Richard O. 2017. The evolution of beauty. How Darwin’s forgotten theory of mate choice shapes the animal world – and us. New York: Anchor Books.
Rancière, Jacques. 2008. Ist Kunst widerständig? Berlin: Merve.
Rebentisch, Juliane. 2014. Ästhetik der Installation. Berlin: Suhrkamp.
Schmid, Wilhelm. 1998. Philosophie der Lebenskunst. Eine Grundlegung. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
Shusterman, Richard. 2008. Körper-Bewusstsein. Für eine Philosophie der Somästhetik. Hamburg: Meiner.
Welsch, Wolfgang. 1998. Das ästhetische Denken. Stuttgart: Reclam.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Di 19.02.2019 13:08