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180119 SE Becoming-Woman: Feministische Denkstile des Werdens. (2013W)

Rosi Braidotti und Gilles Deleuze

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 09.10. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 16.10. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 23.10. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 30.10. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 06.11. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 13.11. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 20.11. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 27.11. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 04.12. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 11.12. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 18.12. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 08.01. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 15.01. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 22.01. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Mittwoch 29.01. 08:00 - 10:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

In dem Bemühen einen umgekehrten Platonismus zu implementieren wenden sich Gilles Deleuze und Félix Guattari gegen die Vorstellung, dass es eine fixe Ideenwelt auf der einen und eine vergängliche aber bin Bewegung (im Werden) befindliche Sinnenwelt auf der anderen Seite gäbe. Die von Spinoza übernommene Konzeption des Seins als Werden, wobei das Werden als Essenz der Dinge zu verstehen ist, impliziert, dass die Existenz sich permanent im Werden aktualisiert. Die Wendung devenir-femme (becoming-woman) hat nichts mit Identifikation oder Nachahmung (Kopie oder Repräsentation) zu tun, vielmehr geht es um eine Form der Hingabe an eine andere Form der Bewegung, eine Veränderung auf molekularer Ebene, die viel eher einer Ansteckung, als einer genealogischen Abfolge gleicht. In diesem Sinn erörtern Deleuze/Guattari auch den Prozess des Werdens auf der Ebene der Geschlechterfrage: Nicht nur Männer müssen das Frau-Werden durchlaufen, sondern auch Frauen, da auch sie in den meisten Fällen erst wieder zum Werden kommen müssen. Diese Bewegung ist an sich deshalb schon subversiv, weil sie sich gegen die Vorstellung absoluter, ewiger Formen wendet; und sich somit auch gegen die absolute, ewige oder je zu definierende Form Frau, Mann, etc. wendet. Auf dieser Konzeption bauen Ansätze auf, die sich mit der Frage nach Identitäten im Fluss befassen.
Rosi Braidottis Theorie der Nomadic Subjects (1994) beruht auf einem solchen Konzept einer vielfältigen, wandelbaren Identität, das dem abendländischen Subjektentwurf der Moderne und den mit ihm verbundenen naturalistischen und essentialistischen Vorstellungen von einem originären Wesen eine Absage erteilt. Für gegenwärtige Subjektivität entwirft Braidotti eine alternative Art von Subjektivität. Zentral in ihrem feministischen Nomadismus ist die positive Affirmation des Begehrens, andere Formen von Subjektivität als die vorgegebenen zu leben (vgl. Braidotti 1994:158). Die körperlichen Wurzeln von Subjektivität sind Ausgangspunkt für ihr epistemologisches Projekt des Nomadismus (vgl. Braidotti 1994:3). Die praktische Umsetzung beschreibt sie mittels der Praxis des so genannten as if. Ähnlich der Parodie besteht diese in der subversiven, alternativen Wiederholung von normativen Handlungsvorgaben. Fluide Grenzen werden affirmiert, Zwischenräume und Anschlussstellen genutzt. In dieser alternativen Konzeption von Subjekt nimmt auch der Begriff der Identität neue, nicht essentialistische Formen an. In der Lehrveranstaltung wird die voraussetzungsreiche Theorie Rosi Braidottis zusammen mit ausgewählten Passagen aus Tausend Plateaus von Deleuze/Guattari für die Studierenden aufbereitet und zugänglich gemacht.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Zur Beurteilung wird die Erarbeitung eines Referates und die Abgabe einer eigenständigen schriftlichen Arbeit (10-15 Seiten) herangezogen ebenso Anwesenheit, aktive Mitarbeit und Vorbereitung der Literatur, ebenso die Präsenz auf der E-Learning-Plattform.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Studierenden erwerben die Kompetenz, die Konzeption des nomadischen Subjektes innerhalb feministischen Theoriediskursen zu verorten und erlangen ein Problembewusstsein für den Zusammenhang von Identität, Subjekt, Macht und Geschlecht. Die Ansätze Deleuze/Guattaris und Braidottis bieten neue Impulse für ein offenes, pluralistisches Geschlechterdenken, das sowohl politisch wie auch philosophisch wichtige Beiträge zur Geschlechterforschung verspricht.

Prüfungsstoff

- thematische Inputs der Lehrveranstaltungsleiterin
- von der Lehrveranstaltungsleiterin moderierte Diskussionen zur Seminar-Lektüre
- Gruppendiskussionen
- Blended-Learning
Den Studierenden werden die zu diskutierenden Texte mittels einer E-Learning-Plattform zur Verfügung gestellt.

Literatur

Primärtexte:

Braidotti, Rosi: Nomadic Subjects. Embodiment and Sexual Difference in Contemporary Feminist Theory. Columbia University Press, New York 1994

Deleuze, Gilles; Guattari, Felix: Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie. Merve, Berlin 2010


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M 13, PP 57.3.7, PP 57.3.6

Letzte Änderung: Di 18.09.2018 00:14