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180142 SE Bodies that matter (2017S)

Einführung in Grundkonzepte der philosophischen Geschlechterforschung: Körper

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 45 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Das Seminar beginnt pünktlich um 11:30 s.t.

Freitag 10.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 17.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 24.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 31.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 07.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 28.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 05.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 12.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 19.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 26.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 02.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 09.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 16.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 23.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Freitag 30.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Lehrveranstaltung möchte in die Problematik des Körper-Denkens in der westlichen Philosophie einführen. Den Körper explizit zum Thema philosophischer Auseinandersetzung zu machen, ist eine junge Entwicklung des 21. Jahrhunderts; davor war der Körper entweder ein vernachlässigbares Hindernis, das den Geist in der Immanenz gefangen hält, ein unheimliches Element, das es zu kontrollieren und disziplinieren gilt oder ein simples biologisches Objekt, über das das Subjekt uneingeschränkt verfügen kann. Die Problematik des Körpers wurde von feministischen Philosoph_innen zunächst aufgegriffen, da sich in der Körper-Geist-Opposition ebenso die Opposition zwischen Weiblich und Männlich eingeschrieben findet, wobei jeweils der Körper, das Weibliche in der westlichen Denktra-dition abgewertet wurden. Elizabeth Grosz schreibt dazu: "Women are somehow more biological, more corporeal, and more natural than men" (Grosz 1994 14). Diese Naturalisierung und damit ein-hergehend die Reduzierung auf den Körper als etwas negatives, einschränkendes wird neben der Frau auch auf zu kolonialisierende Subjekte übertragen.
Erst durch die Publikation von Simone de Beauvoir "Das andere Geschlecht" wurde die feministisch-philosophische Auseinandersetzung und Kritik am Körper-Denken in der Philosophie eingeleitet. Wie Merleau-Ponty geht Beauvoir davon aus, dass es zuallererst eines Körpers bedarf, der in der Welt existiert und von dem ausgehend wir unsere Wahrnehmung strukturieren. Beauvoirs Ansatz, dass der Körper von Frauen und Männern anders gelebt wird und ihre Forderung, dass Frauen den Bereich der Immanenz verlassen und wie Männer jenen der Transzendenz einnehmen sollten, wurde später von feministischen Philosoph_innen stark kritisiert. Nach Beauvoir eröffnet sich ein weites Feld femi-nistischen Philosophierens um den Körper, die Frage von Immanenz und Transzendenz, die Dekon-struktion der Hierarchisierung von Weiblich/Männlich, Körper/Geist, die Frage von Diskurs, Sprache, Macht, der Aneignung von Geschlecht, der Handlungsfähigkeit und Selbstbehauptung. Die Lehrver-anstaltung möchte nach einer Einführung in die historische Problematik des Körperdenkens in verschiedene feministisch-philosophische Positionen einführen, die den Körper aus den verschiedenen Philosophischen Traditionen der Kontinentalen Philosophie in den Blickpunkt nehmen:

I. Phänomenologische Auseinandersetzungen mit dem Körper
II. Sexuelle Differenz/Dekonstruktion
III. Körperdenken ausgehend von Performativität und Materialisierung

Die einzelnen Lehrveranstaltungseinheiten werden jeweils von der Seminarleiterin durch Inputs eingeleitet, die Philosoph_innen werden vorgestellt und vor dem Hintergrund der Kontinentalen Philosophie kontextualisiert. Besonderer Wert wird auf die Vermittlung von ideengeschichtlichen Zusammenhängen innerhalb der Kontinentalen Philosophie gerichtet.

- thematische Inputs der Lehrveranstaltungsleiterin
- Referate der Teilnehmer_innen
- von der Lehrveranstaltungsleiterin moderierte Diskussionen zur Seminarlektüre
- Gruppendiskussionen
- Blended-Learning (didaktisch sinnvoller Einsatz von E-Learning Tools
- Gruppendiskussionen zur Unterstützung der Präsenzlehre)
- Unterstützung, Begleitung und Beratung beim Verfassen der schriftlichen Seminararbeiten, inklusive Diskussion von Problemen bei Themenfindung und Aufbau und Strukturierung einer wissenschaftlichen Arbeit sowie Literaturrecherche etc.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Eine Präsentation im zeitlichen Umfang von 15-20 Minuten und eine Seminararbeit von 15-18 Seiten zu einem in der Lehrveranstaltung diskutierten Text und/oder Themenfeld mit ausführlicher Erarbeitung eines eigenständigen Zugangs zu dem jeweiligen Themenfeld.
Zur Beurteilung wird außerdem die Anwesenheit, die aktive Mitarbeit und Vorbereitung der Literatur herangezogen.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Aktive Teilnahme an den Seminarsitzungen sowie Lektüre der Texte und Vorbereitung von eigenständigen Fragestellungen und Diskussionsinputs (10 Punkte), Vorbereitung von Präsentationen im Umfang bis zu 20 Minuten (15), Verfassen einer Seminararbeit im Umfang von 15-18 Seiten (15 Punkte).

0-20 Punkte = Nicht Genügend
21-25 Punkte = Genügend
26-30 = Befriedigend
31-35 = Gut
36-40 = Sehr gut

Prüfungsstoff

Literatur

Literatur – primär
de Beauvoir, Simone: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 2000 [Ausgewählte Passagen].
Young, Iris Marion: On Female Body Experience: „Throwing Like a Girl“ and Other Essays, Oxford Uni-versity Press 2005, S. 27-46.
Helen Fielding: Reflections on Corporeal Existance. A Phenomenological Alternative to Mind/Body Dualism. In: Silvia Stoller, Veronica Vasterling, Linda Fisher (Hg.): Feministische Phänomenologie und Hermeneutik. Orbis Phaenomenologicus, Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, S. 96-112.
Luce Irigaray: Das Geschlecht das nicht eins ist. Berlin: Merve Verlag 1979 [Ausgewählte Passagen].
Hélène Cixous: Geschlecht oder Kopf? In: dies.: Die unendliche Zirkulation des Begehrens, Berlin Merve Verlag 1977, S. 15-48.
Monique Wittig: Corps Lesbien [1973], dt. Aus deinen zehntausend Augen, Sappho. Berlin: Amazonen-Frauenverlag 1977 und 1984. [Ausgewählte Passagen].
Thomas Laqueur: Making Sex. Body and Gender from the Greeks to Freud. Harvard University Press, Cambridge 1992. Ausgewählte Passagen: Blood, Milk, Fat, Sperm; Orgasm and Desire; The Demands of Culture; Freus’s Problem; S. 35-62; S. 233-243.
Judith Butler: Der lesbische Phallus und das morphologische Imaginäre, in dies.: Körper von Gewicht, Frankfurt am Main: Suhrkamp S. 89-135.
Rosi Braidotti: Organs without Bodies, in dies.: Nomadic Subjects. Embodiment and Sexual Difference in Contemporary Feminist Theory, New York: Columbia University Press S. 41-57.
Donna Haraway: Die Neuerfindung der Natur: Primaten, Cyborgs und Frauen. Frankfurt/M./New York: Campus Verlag 1995 [Ausgewählte Passagen].
Ahmed, Sara, 2000. Strange Encounters: Embodied Others in Postcoloniality, London and New York: Routledge [Ausgewählte Passagen].
Gayle Salamon: The Bodily Ego and the Contested Domain of the Material. In: Dies.: Assuming a Body. Transgender and Rhetorics of Materiality. Columbia University Press. New York 2010, S. 13-42.

Literatur – weiterführend
Susan Bordo: Unbearable Weight: Feminism, Western Culture and the Body, University of California Press, Berkeley, 1993
Judith Butler: Gender Trouble, Feminism and the Subversion of Identity. Routledge London 1990
Katie Conboy; Nadia Medina; Sarah Stanbury: Writing on the Body: Female Embodiment and Femi-nist Theory, Columbia University Press New York, 1997
Linda Fisher; Leser Embree (Hg.): Feminist Phenomenology. Kluwer Academic Publishers, Dordrecht, 2000.
Moira Gatens: Towards a Feminist Philosophy of the Body. In: Barbara Caine et al.: Crossing Bounda-ries: Feminism and the Critique of Knowledges. Allen &Unwin, Sydney, 1988
Moira Gatens: Imaginary Bodies: Ethics, Power and Corporeality. Routledge, New Yokr, 1996
Elizabeth Grosz: Volatile Bodies. Toward a Corporeal Feminism. Indiana University Press, Blooming-ton, 1994
Maurice Merleau-Ponty: Phänomenologie der Wahrnehmung. de Gruyter, Berlin 1966.
Gertrude Postl: (Über) den Körper sprechen. Materialität und Diskurs in der gegenwärtigen Gender-Debatte. In: Waniek, Eva; Stoller, Silvia (Hg.): Verhandlungen des Geschlechts. Zur Kon-struktivismusdebatte in der Gender-Theorie. Turia + Kant, Wien 2001.
Gail Weiss; Honi Fern Haber (Hg.): Perspectives on Embodiment. The Intersections of Nature and Culture. Routledge, New York, 1999
Gail Weiss; Dorothea Olkowski (Hg.): Feminist Interpretations of Maurice Merleau-Ponty. Pennsylva-nia State University Press, University Park, 2006
Margaret Whitford: Luce Irigaray: Philosophy in the Feminine. Routledge, New York1991


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M-11 Gegenwart
BA M-13 Geschlecht und Gesellschaft
MA Ethik M02 B, D
PP § 57.3.7.
UF MA PP 02B Schwerpunkt Praktische Philosophie

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:52