Universität Wien FIND
Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

180151 SE Kunst und Wissenschaft (2016W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 45 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 11.10. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 18.10. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 25.10. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 08.11. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 15.11. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 22.11. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 29.11. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 06.12. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Samstag 10.12. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 13.12. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 10.01. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Samstag 14.01. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 17.01. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 24.01. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock
Dienstag 31.01. 09:45 - 11:30 Hörsaal 2i NIG 2.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Inhalt: In den letzten Jahren zeichnete sich immer deutlicher eine Allianz zwischen den Künsten und den Wissenschaften ab. Das Seminar befasst sich mit den Gründen, mit dem Potential und mit den prinzipiellen Grenzen einer solchen Annäherung und mit ihren aktuellen Facetten, wie sie sich vor allem in der Wissenschaftsästhetik und in den Metatheorien der Kunstforschung (arts-based research) zeigen.
Die sich abzeichnende Renaissance 2.0 (P. Weibel) ist nur vor dem Hintergrund eines fundierten historischen Wissens um die Vorbilder der Annäherung zwischen Kunst und Wissenschaft zu verstehen, wie etwa in der seit der Antike bekannten Arithmologie, im mittelalterlichen System der artes liberales, in der Renaissance sowie auch nach dem Aufkommen des Positivismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (die Verbildlichung zeitgenössischer optischer Theorien im Impressionismus und Pointillismus, die Frage nach der Synästhesie in der Kunst und in der Psychologie usw.). Ausgewählte Beispiele sollen dabei nur als Einleitung in das Thema dienen.
Die systematische Analyse des Verhältnisses zwischen Kunst und Wissenschaft erfordert eine philosophische Erklärung der Künste und der Wissenschaften als Wissens- und Kulturformen hinsichtlich ihres Gegenstands, ihres methodischen Instrumentariums und der Darstellung ihrer Ergebnisse. Im 20. Jahrhundert finden sich Ansätze zu den Analogien zwischen Kunst und Wissenschaft in der Wissenschaftstheorie (Feyerabend, Kuhn, Polanyi), bei Philosophen, die die Kunst in den Rang eines Paradigmas der Erkenntnis erheben, und in verschiedenen künstlerischen Richtungen.
Eine besondere Berücksichtigung findet im Seminar die Wissenschaftsästhetik. Diese thematisiert die Rolle der Einbildungskraft, der Kreativität und der Emotionen in wissenschaftlichen Praktiken im Vergleich zur Kunst, sowie auch die ästhetischen Kriterien der wissenschaftlichen Bildlichkeit (Chandrasekhar). Der Schönheitsbezug in den Wissenschaften betrifft entweder ihre empirischen Gegenstände oder ihre Theorien und Experimente (intellectual beauty), und das Spektrum der Naturwissenschaften wird zwischen diesen beiden Extremen in einem Kontinuum eingeordnet (Wille). Die Wissenschaftsästhetik befasst sich mit dem Gestalten des Wissens in drei Sparten: 1. in Bezug auf die Bestandteile des Forschungsprozesses (Instrumenten, Methoden, Theorien), 2. die Struktur, Gestaltung und Präsentation der Forschungsergebnisse und 3. die unterschiedlichen Stile der Forschungsfelder (Krohn). Besonders virulent stellt sich heutzutage auch die Frage, wie die Technik und die Neuen Medien die Forschungsorganisation, das Denken und die Vermittlung der Resultate in Kunst und Wissenschaft beeinflusst.
Diese allgemeinen Aspekte werden an konkreten Beispielen anschaulich gemacht. Die Wissenschaftsästhetik beruft sich vorzüglich auf Beispiele aus der Mathematik, Physik, Astrophysik, Chemie und Biologie. Schließlich können konkrete Beispiele aus der zeitgenössischen Bio Art, Bionik und Architektur, die Reproduktion komplexer geometrischer Strukturen in den bildenden Künsten und Projekte der Climate Art konkrete Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Naturwissenschaftlern aufzeigen.

LV-Ziel: Überblick über die aktuellen Diskussionen zum Verhältnis zwischen Kunst und Wissenschaft

Didaktik: Einführung durch die Lehrveranstaltungsleiterin, Impulsreferat, PowerPoint-Präsentationen, Diskussionen

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Impulsreferat, Teilnahme an den Diskussionen, schriftliche Seminararbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

Barone, Tom; Elliot W. Eisner. 2012. Arts-Based Research. SAGE Publications.
Borgdorff, Henk. 2006. The debate on research in the arts. http://www.ips.gu.se/digitalAssets/1322/1322713_the_debate_on_research_in_the_arts.pdf
Borries, Friedrich von. 2010. Klimakapseln. Überlebensbedingungen in der Katastrophe. Berlin: Suhrkamp.
Casini, Silvia. 2010. The Aesthetics of Magnetic Resonance Imaging (MRI): from the Scientific Laboratory to an Artwork. Contemporary Aesthetics, http://www.contempaesthetics.org/newvolume/pages/article.php?articleID=569
Chandrasekhar, S[ubrahmanyan]. 1987. Truth and Beauty. Aesthetics and Motivations in Science. Chicago and London: University of Chicago Press.
Feyerabend, Paul. 1984. Wissenschaft als Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
Krohn, Wolfgang. 2006. Die ästhetischen Dimensionen der Wissenschaft. In: Ästhetik in der Wissenschaft. Interdisziplinärer Diskurs über das Gestalten und Darstellen von Wissen. Sonderheft 7 der Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft, hg. v. Wolfgang Krohn. Hamburg: Meiner, 3-38.
Kuhn, Thomas S. 1977. Bemerkungen zum Verhältnis von Wissenschaft und Kunst. In: Die Entstehung des Neuen. Studien zur Struktur der Wissenschaftsgeschichte. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 446-460.
Lynch, Michael, Samuel Y. Edgerton, Jr. Abstract Painting and Astronomical Image Processing. 1996. In: Alfred I. Tauber (Ed.), The Elusive Synthesis: Aesthetics and Science. Dordrecht: Kluwer, 103-124.
McAllister, James W. 1996. Scientists' Aesthetic Preferences Among Theories: Conservative Factors in Revolutionary Crises. In: Alfred I. Tauber (Ed.), The Elusive Synthesis: Aesthetics and Science. Dordrecht: Kluwer, 169-188.
Mersch, Dieter (Hg.). 2007. Kunst und Wissenschaft. München: Fink.
Polanyi, Michael. 2002. Personal Knowledge. Towards a post-critical philosophy. London: Routledge.
Reichle, Ingeborg. 2009. Art in the Age of Technoscience. Genetic Engineering, Robotics, and Artificial Life in Contemporary Art. Wien, New York: Springer.
Wille, Holger. 2004. Was heißt Wissenschaftsästhetik? Zur Systematik einer imaginären Disziplin des Imaginären. Würzburg: Königshausen & Neumann.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M10

Letzte Änderung: Mo 20.03.2017 15:23