Universität Wien FIND

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie können kurzfristige Änderungen bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen (z.B. Absage von Vor-Ort-Lehre und Umstellung auf Online-Prüfungen) erforderlich sein. Melden Sie sich für Lehrveranstaltungen/Prüfungen über u:space an, informieren Sie sich über den aktuellen Stand auf u:find und auf der Lernplattform moodle.

Weitere Informationen zum Lehrbetrieb vor Ort finden Sie unter https://studieren.univie.ac.at/info.

180159 SE Realistische Phänomenologie: Ein philosophisches Projekt (2011W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Details

Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 12.10. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 19.10. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 09.11. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 16.11. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 23.11. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 30.11. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 07.12. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 14.12. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 11.01. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 18.01. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 25.01. 12:00 - 14:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Wie lässt sich der Begriff von realistischer Phänomenologie am besten beschreiben? Die übliche Charakterisierung erfolgt vornehmlich auf negative Weise: Mit diesem Begriff werden diejenigen Autoren bezeichnet, die Edmund Husserls transzendentale Wende nicht mitmachten, ja kritisierten. Damit sind hauptsächlich die Philosophen der sog. Münchner und Göttinger Kreise der Phänomenologie gemeint. Abgesehen von dem Akzent, den man dabei auf die realistische im Gegensatz zu Husserls idealistischen Einstellung in der Phänomenologie setzt, bleibt diese Charakterisierung allerdings vage und, zum großen Teil, leer. Die Frage, die im Laufe der Lehrveranstaltung gestellt wird, lautet also, wie man diese Strömung innerhalb der phänomenologischen Bewegung am besten qualifizieren kann und insbesondere ob in ihr ein einheitliches und selbständiges philosophisches Projekt zu erkennen ist.
Nach eingehender Darstellung von Husserls Logischen Untersuchungen und von ihren, in der Brentano-Schule tief verankerten Wurzeln werden die Kritiken untersucht, die insbesondere Adolf Reinach, Theodor Conrad, Hermann Ritzel u.A. gegen manche zentralen Thesen Husserls erhoben haben. In einem zweiten Schritt werden dann die theoretischen Positionen in der Intentionalitäts- und Bedeutungstheorie sowie in der Metaphysik rekonstruiert, welche diese Autoren als Konsequenz ihrer Einwände entwickelt haben. Dabei werden wir darauf achten, den gegenüber Husserls frühe und späte Lehre, eigenständigen Charakter dieser Positionen hervorzuheben, welcher dafür kennzeichnend ist, inwiefern die realistische Strömung doch von Anfang an ein autonomes Moment innerhalb der Phänomenologie darstellt. Erst aus dieser Perspektive lässt sich auch das ambitionierte Projekt, die Phänomenologie auf realistischer Basis zu entwerfen, klar erkennen und sachgemäß begründen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Das Hauptziel dieser LV besteht darin, den Studierenden einen umfassenden Überblick über die Grundprobleme, die wichtigsten Themen und die zentralen AutorInnen der realistischen Phänomenologie zu verschaffen. Insbesondere sollen die Studierenden nach Absolvierung der LV in der Lage sein, (i) die Grundthesen und Argumentationsstruktur von Husserls Logischen Untersuchungen zu beschreiben, (ii) diese mit der deskriptiven Psychologie Brentanoscher Prägung in Zusammenhang zu bringen, (iii) ihre kritische Rezeption in den Münchner/Göttinger Phänomenologenkreisen (und insbesondere bei Reinach, Conrad und Ritzel) zu rekonstruieren, (iv) die theoretischen Beiträge dieser Autoren darzustellen, und schließlich (v) die Originalität dieser Beiträge im Rahmen der phänomenologischen Bewegung systematisch zu bewerten.
Zudem sollen die Fähigkeiten der Textinterpretation und der Textproduktion (durch das Verfassen von schriftlichen Hausübungen) sowie die Diskussionskompetenz der TeilnehmerInnen geschult werden.

Prüfungsstoff

Nach einer historischen Einleitung in die Phänomenologie werden ausgewählte Textstellen aus der relevanten Literatur einer Textinterpretation unterzogen, welche ihre systematischen Kerninhalte ans Licht bringen soll. Die in dieser Weise erhärteten Thesen werden analysiert, miteinander verglichen und ausführlich diskutiert. Dabei soll die historische Rekonstruktion als Prämisse für die begriffliche und systematische Besprechung des Lehrstoffes fungieren.
Der LV-Leiter plant, im Laufe des PS Power-Point Präsentationen zu verwenden. Diese werden laufend auf die E-Learning-Plattform geladen. Ein Reader der kopierten Grundlagentexte wird erstellt, der im NIG-Facultas-Shop kostengünstig zu erwerben sein wird. Zusätzlich wird ein Handapparat in der FB-Philosophie eingerichtet und weiterführende Literatur auf die E-Learning-Plattform gestellt (elektronischer Handapparat).

Literatur

Brentano, Franz:
[1874] 2008. Psychologie vom empirischen Standpunkt. Von der Klassifikation psychischer Phänomene. In: A. Chrudzimski; T. Binder, (Hg.): Franz Brentano. Sämtliche veröffentlichte Schriften in zehn Bänden. Bd. I. Frankfurt a. M.: Ontos.
1982. Deskriptive Psychologie. R.M. Chisholm, W. Baumgartner (Hg.). Hamburg: Meiner.

Conrad, Theodor:
1911. Über Wahrnehmung und Vorstellung. (Ein Wesensvergleich.) In: A. Pfänder (Hg.): Münchener Philosophische Abhandlungen. Theodor Lipps zu seinem sechzigsten Geburtstag gewidmet von früheren Schülern. Leipzig: Barth, 51-76.
1968. Zur Wesenslehre des psychischen Lebens und Erlebens. Mit einem Geleitwort von H.L. van Breda. Den Haag: Nijhoff.

Husserl, Edmund: [1900/01] 2009. Logische Untersuchungen. Mit einer Einführung, einem Namen- und Sachregister v. E. Ströker. Hamburg: Meiner. (Diese Aufgabe bietet Husserls Logische Untersuchungen in einem Band text- und seitengleich nach den kritischen Editionen in Husserliana XVIII, hg. v. E. Holenstein, Den Haag 1975, mit Husserliana XIX/1-2, hg. v. U. Panzer, Den Haag 1984.)

Reinach, Adolf:
[1911] 1989. Zur Theorie des negativen Urteils. In: K. Schuhmann; B. Smith (Hg.): Adolf Reinach. Sämtliche Werke. Textkritische Ausgabe in 2 Bänden. München/Hamden/Wien: Philosophia, 95-140.
[1913] 1989. Die apriorischen Grundlagen des bürgerlichen Rechtes. In: K. Schuhmann; B. Smith (Hg.): Adolf Reinach. Sämtliche Werke. Textkritische Ausgabe in 2 Bänden. München/Hamden/Wien: Philosophia, 141-278.

Ritzel, Hermann: 1916. Über analytische Urteile. Eine Studie zur Phänomenologie des Begriffs. Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung 3, 253-344.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M 5.3, BA M 13, BA M 11, BA M9, § 4.1.4, PP 57.3.2, PP 57.3.7

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36