180172 VO Gesundheit: Ideal oder gefährliche Drohung? (2020W)
Labels
An/Abmeldung
Details
Prüfungstermine
- Montag 01.02.2021 10:00 - 12:00 Digital
- Dienstag 02.03.2021 10:00 - 12:00 Digital
- Montag 03.05.2021 10:00 - 12:00 Digital
- Montag 14.06.2021 10:00 - 12:00 Digital
- Montag 18.10.2021 14:00 - 16:00 Digital
Lehrende
Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert
Wie von der Studienprogrammleitung empfohlen, werde ich die Vorlesung im Wintersemester digital abhalten. Konkret bedeutet dies, dass ich die Vorlesung an den Montagsterminen in digitaler Form halte und wie sonst auch für Fragen und Diskussionen zur Verfügung stehe, entweder via Collaborate oder Zoom, je nach technischer Verfügbarkeit. Insofern ist für die Teilnahme diesmal eine Anmeldung für die VO erforderlich, weil sonst kein Zugang zu Moodle möglich ist.
Die Vorlesung (also mein Part) steht jeweils im Anschluss als Videodatei auf Moodle zur Verfügung.
Die Vorlesung selbst besteht, wie sonst im Hörsaal, zum überwiegenden Teil aus einem Vortrag meinerseits. Ich werde diese Vorträge wie üblich von Zeit zu Zeit unterbrechen, um Raum für Fragen und Diskussionen zu eröffnen. Gegen Ende der Vorlesung gibt es ebenfalls die Möglichkeit, zu diskutieren und nachzufragen. Im Übrigen steht Ihnen während der LV auch die Möglichkeit zur Verfügung, Fragen und Kommentare mittels Chat an mich oder alle Anwesenden zu posten.
Im Übrigen wird die VO durch Folien und gelegentliche Videosequenzen unterstützt. Die Folien finden Sie im Anschluss an die LV auf Moodle. Dort werde ich auch weitere Materialien (mit Ausnahme des Readers) zur Verfügung stellen.
Darüber hinaus biete ich die Möglichkeit weiterführender Nachfragen und Gespräche nach vorheriger Terminvereinbarung (über E-Mail) in meinem Büro in der Alser Straße 28/2/22, 1090 Wien, jeweils montags und dienstags (beginnend mit Montag, dem 05.10.2020), ab 17:00, an.
Ein Reader wird wie stets bis spätestens Ende Oktober zur Verfügung stehen. Für Fragen im Vorfeld der VO können Sie mich jederzeit über die E-Mail-Adresse gerhard.donhauser@univie.ac.at kontaktieren.
- Montag 12.10. 15:00 - 16:30 Digital
- Montag 19.10. 15:00 - 16:30 Digital
- Montag 09.11. 15:00 - 16:30 Digital
- Montag 16.11. 15:00 - 16:30 Digital
- Montag 23.11. 15:00 - 16:30 Digital
- Montag 30.11. 15:00 - 16:30 Digital
- Montag 07.12. 15:00 - 16:30 Digital
- Montag 14.12. 15:00 - 18:00 Digital
- Montag 11.01. 15:00 - 16:30 Digital
- Montag 18.01. 15:00 - 16:30 Digital
- Montag 25.01. 15:00 - 16:30 Digital
Information
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Erlaubte Hilfsmittel: Reader.Benotung:
1 (sehr gut): 100 - 90 Punkte
2 (gut): 89 - 81 Punkte
3 (befriedigend): 80 - 71 Punkte
4 (genügend): 70 - 51 Punkte
5 (nicht genügend): 50 oder weniger Punkte
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Eine eigenständige, reflektierte Beschäftigung mit den Themen der LV soll im Rahmen der Prüfungsarbeit erkennbar sein. Wichtiger als die Reproduktion von Wissensbeständen ist aus meiner Sicht erkennbare Beschäftigung mit Themen und Problemstellungen der VO. Deshalb werden bei der Prüfung offene Fragen gestellt, die in so beantwortet werden sollen, dass eine kohärente und konsistente Argumentation Ausdruck findet, desgleichen eine zumindest rudimentäre Beschäftigung mit themenrelevanter Literatur und Bezugnahme auf diese. 4 Fragen werden angeboten, 2 sind zu behandeln. Verwendung von themenrelevanter Literatur ist möglich. Im Übrigen wird jede Form von Mitarbeit positiv bewertet, auch dies fließt insofern in die Beurteilung ein.
Prüfungsstoff
Literatur
Agamben, Giorgio, Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Aus dem Italienischen v. Herbert Thüring (2. Aufl. Frankfurt am Main 2002).
Albright, Madeleine: Faschismus. Eine Warnung. Übers. v. Bernd Jendricke, Thomas Wollermann, Kollektiv Druck-Reif (Köln 2018).
Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus (9. Aufl. München 2003).
Donhauser, Gerhard: Angst und Schrecken. Beobachtungen auf dem Weg vom Ausnahmezustand zum Polizeistaat in Europa und den USA (Wien 2015).
Donhauser, Gerhard: Das kälteste aller kalten Ungeheuer. Vom Staat und seinen Krisen. (Wien 2019).
Donhauser, Gerhard: Kafkaesk? Staatliche Repression und literarische Widerständigkeit. In: Bstieler, Michaela et al. (Hg.): K[uns]t als gesellschaftskritisches Medium (Bielefeld 2018) 119 – 133.
Foucault, Michel, Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Übers. v. Walter Seitter (Frankfurt am Main 1994).
Foucault, Michel: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1. Übers. v. Ulrich Raulff u. Walter Seitter (7. Aufl. Frankfurt am Main 1994).
Frances, Allen: Normal. Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen. Übers. v. Barbara Schaden (Köln 2013).
Harari, Yuval Noah: Homo Deus. Eine kurze Geschichte von Morgen. Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn (München 2017).
Hobbes, Thomas: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates. Hg. u. eingeleitet v. Iring Fetscher, übers. v. Walter Euchner. (6. Aufl. Frankfurt am Main 1994).
Kafka, Franz: Der Proceß. Roman in der Fassung der Handschrift. Hg. v. Malcolm Pasley (Frankfurt am Main 1993).
Marsh, Henry: Um Lebens und Tod. Aus dem Englischen v. Katrin Behringer (München 2015).
Mukherjee, Siddharta: Der König aller Krankheiten. Krebs - eine Biographie. Aus dem Englischen v. Barbara Schaden (Köln 2012).
Schmitt, Carl: Die Diktatur (7. Aufl. Berlin 2006).
Schmitt, Carl: Politische Theologie (7. Auf. Berlin 1996).
Schroubek, Georg R.: „Zur Frage der Historizität des Andreas von Rinn“, in: Buttaroni, Susanna / Musial, Stanislaw (Hg.), Ritualmord. Legenden in der europäischen Geschicht (Wien/Köln/Weimar 2003) 173–196.
Silberman, Steve: Geniale Störung. Übers. v. Harald Stadler (Köln 2017).
Snyder, Timothy: Black Earth. Der Holocaust und warum er sich wiederholen kann. Übers. v. Ulla Huber u. Karl Heinz Siber (München 2015).
Zeh, Juli: Corpus Delicti. Ein Prozess (Frankfurt am Main 2009).
Dass man Gesundheit sehr leicht zu einem Anknüpfungspunkt für repressive Strukturen machen kann, bewies im 17. Jahrhundert der aus Hall in Tirol stammende Arzt und gegenreformatorische Schriftseller Hippolytus Guarinonius (1572–1654), „ganz nebenbei“ Erfinder des antijüdischen Kults um den (gänzlich fiktiven) „Anderl von Rinn“. 1610 veröffentlichte er einen umfangreichen Traktat zur menschlichen Gesundheit: „Die Grewel der Verwüstung Menschlichen Geschlechts“. Darin wird die Wendung „Gesondt“ im Sinne kirchlicher Religiosität sehr weit gefasst und zentral bedeutsam. Wer gesund sein wolle, müsse im Sinne der „Christlichen Philosophiae“ leben. Die Obrigkeit habe nachzuhelfen.
Was kann nicht alles ungesund sein, und wie prekär wird es, wenn erst Ideologien mächtig werden, die den „gesunden Volkskörper“ im Blick haben und alles von ihm fernhalten, was ihm schadet? Hinzu kommen Hinweise auf die Kosten der „Volksgesundheit“, die durch Uneinsichtige verursacht würden, Raucherinnen und Raucher, gewiss, aber auch Personen, die sich nicht hinreichend „gesund“ ernähren, unerwünschte Sportarten ausüben oder gezielte und nur ihrem eigenen Besten dienende Bewegung verweigern. Schon diese paar Assoziationen lassen ganz gut erkennen, wie repressiv auch das summum bonum Gesundheit werden kann, wenn es nur hinreichend hoch veranschlagt und entsprechend definiert wird. Dass es sich bei alledem keineswegs um theoretische oder literarische Spekulation handelt, kann leicht auch an einigen spezifischen staatlichen Maßnahmen (weltweit) seit Februar/März 2020 im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie nachvollzogen werden.Methoden: Vortrag des LV-Leiters, teils unter Einbeziehung von Lektüren der Studierenden nach Möglichkeit auch Diskussionen.
Ein Reader mit wichtigen Texten, die alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer lesen sollten, wird zur Verfügung gestellt.
Spezifika der Lehre in digitaler Form: Vgl. bitte die Anmerkungen zu den Terminen.