Universität Wien FIND

180187 SE Der Begriff des Vertrauens (2019W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Moodle; Fr 10.01. 13:15-16:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock

An/Abmeldung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Freitag 15.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Samstag 16.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Freitag 06.12. 13:15 - 16:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Samstag 07.12. 13:15 - 16:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Samstag 11.01. 13:15 - 16:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Freitag 17.01. 13:15 - 16:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ich liege im Freibad und lasse mir die Sonne auf den Rücken scheinen. Weiß ich sicher, dass mir keiner der anderen Freibadbesucher heimlich das Smartphone klauen wird? Ich erzähle einem Freund von etwas, das mir auf der Seele liegt, und bitte ihn, das Erzählte für sich zu behalten. Weiß ich sicher, dass der Freund Stillschweigen bewahren und mein Geheimnis nicht ausplaudern wird? Eine Freundin sagt mir, dass es unmoralisch ist, einen bestimmten Kaffee im Supermarkt zu kaufen. Weiß ich daraufhin sicher, dass der Kauf dieser Kaffeesorte moralisch bedenklich ist? Ich gehe regelmäßig zur Wahl und akzeptiere die politischen Entscheidungen, die auf der Grundlage demokratischer Prozesse zustande kommen. Kann ich mir sicher sein, dass die gewählte Regierung tatsächlich dem an sie erteilten Auftrag nachkommen wird? Es scheint, dass in all diesen Fällen die ehrliche Antwort ähnlich lauten muss: Nein, ganz sicher weiß ich das alles nicht. Wie es aussieht, stehen wir, alles in allem betrachtet, bei ziemlich vielen Dingen auf epistemisch ziemlich unsicherem Boden. Dennoch gehen wir gerne ins Freibad, vertrauen uns Freunden an, übernehmen ab und an moralische Ratschläge von Dritten und beteiligen uns an Prozessen der demokratischen Entscheidungsfindung. Eine naheliegende Antwort auf die Frage, inwiefern wir dabei keinesfalls waghalsig oder irrational verfahren, macht auf den Begriff des Vertrauens aufmerksam: Wir können nicht immer alles ganz sicher wissen, so die grobe Struktur des Arguments, aber das heißt keinesfalls, dass wir in Situationen epistemischer Unsicherheit zur Untätigkeit verdammt sind, weil es sein kann, dass wir den an der jeweiligen Situation beteiligten Personen vertrauen genauso wie ich offenbar den anderen Freibad-Besuchern, meinen Freunden oder der Regierung vertraue. Was ist Vertrauen aber? Ist es ein Gefühl oder eine Art von Überzeugung? Wie kommt Vertrauen zustande? Und noch wichtiger: Wie kann es gerechtfertigt werden? Ist Vertrauen ein einheitliches Phänomen oder reden wir eigentlich immer über etwas Anderes, je nachdem, um welchen Vertrauenskontext es sich handelt? Angesichts der umfassenden Bedeutung, die der Begriff des Vertrauens in unserem Alltag zu haben scheint, mag es verwundern, dass es zu diesem Begriff, von einigen Ausnahmen abgesehen, bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts kaum systematische Untersuchungen von philosophischer Warte gegeben hat. Als eine Art Wendepunkt können hierbei die Veröffentlichungen von Annette Baier betrachtet werden, die als eine der ersten PhilosophInnen den Begriff des Vertrauens ins Zentrum der Aufmerksamkeit der praktischen Philosophie gestellt hat. Das Ziel des Seminars besteht darin, den Beitrag von Baier, aber auch die sich daran anknüpfende und bis heute geführte Debatte im lebhaften und informierten Seminargespräch nachzuvollziehen. Während es in der ersten Hälfte der Veranstaltung eher um den Begriff des Vertrauens im zwischenmenschlichen Nahbereich gehen wird, werden wir uns in der zweiten Hälfte explizit epistemologischen Problemen, die im Zusammenhang mit dem Vertrauensbegriff auftauchen, zuwenden und zum Ende des Seminars auf Vertrauen in politischen bzw. öffentlichen Kontexten eingehen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Referat bzw. 2 Lektürereflexionen: 30%
Seminararbeit à 15-20 Seiten: 70%

Prüfungsstoff

Literatur

Zur Einführung und Vorbereitung sind Carolyn McLeods Artikel zu Trust in der Stanford Encyclopedia of Philosophy (https://plato.stanford.edu/entries/trust/) und Annette Baiers Artikel Trust and Antitrust (Ethics 96 (1986): 131-260) hilfreich.
Weitere Literatur wird auf moodle und zu Beginn des Seminars bekanntgegeben

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 14.10.2019 10:28